Vorwiegend staatlich

Oliver Classen über den ruinösen Ausverkauf der Pressefreiheit

Oliver Classen über den ruinösen Ausverkauf der PressefreiheitVerkommt das Zeitungsland Schweiz zur Bananenrepublik? Diese verständliche Befürchtung äussert Hanspeter Lebrument im Gespräch mit der Werbewoche (Seite 29). Anlass dazu gibt dem frisch gebackenen Verlegerpräsidenten der abstruse Anti-Konzentrationspassus in der RTVG-Revision und nicht das noch viel gravierendere Plazet des Nationalrats zum neuen Medienartikel und der damit verbundenen direkten Presseförderung.Zwar wehrt er sich (wie die meisten seiner Zunft) gegen Berner Umarmungen. Dennoch ist Lebrument schon von Amts wegen mitverantwortlich für dieses medien- wie ordnungspolitische Debakel. Schliesslich schlug sein Verband Schweizer Presse den staatsgläubigen SP-Eiferern mit der Relativierung, künftige
Fördermassnahmen sollten «vorzugsweise» indirekt erfolgen, beim letzten Jahreskongress den entscheidenden ideologischen Steilpass. So gesehen ist das realitätsfremde Stiftungsmodell (siehe Seite 20) letztlich nicht mehr als dessen konsequente Verwertung – und ein Eigentor für die gesamte Branche.
Gedacht war der kleine, heim-tückische Einschub ursprünglich als rhetorische Konzession an jene subventionsgeilen Klein- und Kleinstverleger, die immer mal wieder Sezessionsgelüste hegen. Nun zeigt sich: Im Vergleich zur angekündigten Aushöhlung der Schweizer Pressefreiheit wäre eine Spaltung des die widersprüchlichsten Interessen vertretenden Verbandes das weitaus geringere Übel.
Bleibt zu hoffen, dass Lebrument dies auch so sieht und seiner offiziellen Bestürzung nun schnell Taten folgen lässt. Sonst könnte er eines nicht allzu fernen Morgens statt im geordneten helvetischen Bannwald tatsächlich in einer wild wuchernden Bananenplantage erwachen.
> Oliver Classen, Redaktor

More articles on the topic