Virtuelle Kriegsführung
Oliver Classen über das gespenstische Gezerre um die Zürichsee-Zeitung.
Oliver Classen über das gespenstische Gezerre um die Zürichsee-Zeitung.Der Königsmacher im sich abzeichnenden Zürcher Landzeitungskrieg zwischen Tamedia und NZZ (siehe Seite 17) sitzt nicht in Stäfa, sondern in Lausanne, heisst Hanspeter Rohner und hat Medienjournalisten «derzeit nichts Neues zu sagen». Kein Wunder, schliesslich verkündete der Regent der PubliGroupe sein Verdikt bereits im Juli und versprach damals der NZZ den P-Anteil an der Zürichsee-Zeitung (ZSZ).Die seitdem von einigen Kollegen genährten Spekulationen um ein Liebäugeln des ZSZ-Verlegers Thedi Gut mit den sicherlich verlockenden Tamedia-Offerten entbehren deshalb jeder Grundlage. Drohgebärden hin, Vorkaufsrecht her: Nach seinem Exklusivabkommen mit der Falkenstrasse wird, nein: darf Rohner den Expansionsplänen der Werdsträssler nicht Hand bieten. Damit würde er nämlich seine eigene Strategie durch-kreuzen.
Zudem muss die P ihr Aktienpaket keineswegs zurückverkaufen. Tatsächlich hat Rohner bislang ja noch nicht mal jene 30-tägige Frist eingeläutet, in der Gut überhaupt von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch machen könnte. Auch Tamedias letztverbliebene Zugangsmöglichkeit zur ZSZ ist rein theoretischer Natur: Dass die auf Unabhängigkeit bedachte Verlegerfamilie zwecks Vermeidung der Papierschlacht ums
linke Seeufer eigene Aktien an Kall & Co. überschreibt, liegt jenseits
aller Wahrscheinlichkeit.
Entsprechend sollte sich das professionelle Augenmerk aufs lokale Wettrüsten richten. Zum Beispiel auf die Gerüchte, der Tagi schlage sein Basislager in Wädenswil statt in Horgen auf. Dieser Standort wäre durchaus plausibel, denn so liesse sich nicht nur ein direkter Showdown mit der im Bezirkshauptort domizilierten ZSZ vermeiden, sondern auch ein Gebiet erschliessen, in dem der Tagi weniger stark ist als in Horgen. Zudem ist in der Parlamentsgemeinde Wädenswil politisch wie kulturell einfach mehr los. Und das hat noch keiner Lokalredaktion geschadet – schon gar nicht einer sich erst formierenden.
> Oliver Classen, Redaktor
Zudem muss die P ihr Aktienpaket keineswegs zurückverkaufen. Tatsächlich hat Rohner bislang ja noch nicht mal jene 30-tägige Frist eingeläutet, in der Gut überhaupt von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch machen könnte. Auch Tamedias letztverbliebene Zugangsmöglichkeit zur ZSZ ist rein theoretischer Natur: Dass die auf Unabhängigkeit bedachte Verlegerfamilie zwecks Vermeidung der Papierschlacht ums
linke Seeufer eigene Aktien an Kall & Co. überschreibt, liegt jenseits
aller Wahrscheinlichkeit.
Entsprechend sollte sich das professionelle Augenmerk aufs lokale Wettrüsten richten. Zum Beispiel auf die Gerüchte, der Tagi schlage sein Basislager in Wädenswil statt in Horgen auf. Dieser Standort wäre durchaus plausibel, denn so liesse sich nicht nur ein direkter Showdown mit der im Bezirkshauptort domizilierten ZSZ vermeiden, sondern auch ein Gebiet erschliessen, in dem der Tagi weniger stark ist als in Horgen. Zudem ist in der Parlamentsgemeinde Wädenswil politisch wie kulturell einfach mehr los. Und das hat noch keiner Lokalredaktion geschadet – schon gar nicht einer sich erst formierenden.
> Oliver Classen, Redaktor
