Typografie für immer

Schrift hilft uns bei der Verständigung – früher, heute und in Zukunft.

Schrift hilft uns bei der Verständigung – früher, heute und in Zukunft.Schrift kann Gefühle vermitteln, Stimmungen oder Lebenseinstellungen in uns wachrufen. Eine Kreidetafel für «Frisches Gemüse» ist einfach glaubwürdiger als eine Marmortafel, die, in römischen Lettern gemeisselt, frisches Gemüse anpreist. Ein Restaurantschild, das mit englischer Schreibschrift gestaltet ist, verspricht uns ein anderes kulinarisches Erlebnis als eines, das in Fraktur dasteht. Könnten wir einer Tageszeitung vertrauen, die in der kindlichen anmutenden Handschrift des Chefredaktors gedruckt ist? Da wir unsere Botschaften immer präziser gestalten wollen und müssen, benötigen wir immer neue und diversifizierte Botschafts-Transporteure, sprich Schriften. Es sollte mindestens so viele unterschiedliche Schriften geben, wie es Gefühle und Stimmungen gibt – also unendlich viele.Solange wir uns mittels Sprache verständigen und Texte in irgendeiner Form übermitteln müssen oder wollen, werden wir neue Schriften benötigen. Erst an dem Tag, an dem wir in der Lage sind, uns telepathisch zu verständigen, benötigen wir keine neuen Schriften mehr. Allerdings kann heute noch keiner sagen, wie die telepathische Verständigung der Zukunft funktioniert. Vielleicht passiert das ja ebenfalls mittels Schrift- oder Bildzeichen, dann muss jemand auch diese Zeichen entwerfen. Typografie aber wird es immer geben.
Werkzeuge für SchriftentwerferFont-Studio – der Oldtimer von Letraset – wird immer noch gerne benutzt, da das Programm sehr stabil und schnell ist. Leider wird das Programm nicht mehr vertrieben und nicht mehr gepflegt.
Fontographer von Macromedia ist das wohl am meisten verbreitete Arbeitstier für die Schriftgestaltung. Es ist ebenfalls recht robust, läuft aber leider nicht unter Mac OS X, sondern nur unter der Classic-Emulation. Fontographer wird zwar noch verkauft, aber nicht mehr gepflegt, was wirklich bedauerlich ist.
FontLab ist die neuste Font-Software mit sehr umfangreichen Möglichkeiten. Die Einarbeitungszeit dauert entsprechend länger. In FontLab ist es möglich, OpenType-Schriften zu entwickeln. Damit ist das Programm die beste Zukunftsinvestition.
Alle Programme existieren in Versionen für verschiedene Betriebssysteme. Mit allen drei Programmen können (leider) bestehende Schriften geöffnet und (verbotenerweise) modifiziert werden. Daneben gibt es noch andere Fontdesign-Programme, die jedoch eher für den professionellen Einsatz bestimmt sind. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass es halbautomatische Fontscan-Programme und ebensolche Kerning-Programme gibt.
Script
… ist der Oberbegriff für alle Schriften, die versuchen, Handschrift zu imitieren. Bevor der Buchdruck erfunden war, kopierten Schreiber in so genannten «Scriptorien» Bücher von Hand in mühseliger Arbeit. Das machte Bücher zu einem Luxusartikel und verhinderte, dass die breite Masse Bildung und Wissen erwarb.
Rechtliches
Wer eine Schrift kauft, erwirbt nicht das Design, sondern lediglich das eingeschränkte Nutzungsrecht. In der Regel darf die Schrift nur
auf einem Rechner benutzt werden. Sie darf weder unentgeltlich noch
gegen Entgelt weiterverteilt werden. Die Schrift darf in der Regel nur an ein Reprohaus weitergegeben werden, um den gerade anliegenden Auftrag auszuführen. Derjenige, der die Schrift zu diesem Zweck weitergibt, muss sicherstellen, dass die Kopie nach Gebrauch auch wieder vernichtet wird.
Anmerkung: Pro Schriftschnitt muss ein Schriftentwerfer über 250 Zeichen gestalten. Wenn man von einer durchschnittlichen Arbeitszeit von nur einer Stunde pro Zeichen ausgeht, dann sind das 32 Arbeitstage oder sechs Wochen. Bei einem normalen Vierersatz Schriften sprechen wir von der Arbeit eines halben Jahres. Wer Schriften benutzt, ohne dafür zu bezahlen, der sollte diese Arbeitsleistung immer vor Augen haben. (gw)
Gert Wiescher

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