Selbst ist der Mann

Pius Walker kehrt nach zehn Jahren im Ausland nach Zürich zurück und gründet «die kleinste Agentur der Welt».

Pius Walker kehrt nach zehn Jahren im Ausland nach Zürich zurück und gründet «die kleinste Agentur der Welt».London ist bekannt für seine Taxis, die Pubs und das Schlangestehen. «Im Hintenanstehen sind die Menschen dort Spezialisten. Das gilt besonders auch für Jobs in einer interessanten Werbeagentur», erinnert sich Pius Walker. Trotzdem hat es der junge Schweizer damals geschafft. «Es war mein Traum, einmal in einer der kreativen Hauptstädte der Welt arbeiten zu können», ist Walker nach wie vor stolz auf seine zwei Jahre bei Leagas Delaney. «In London ist hochkarätige Werbung wie kaum irgendwo in der Welt in einer solch starken Konzentration anzutreffen», schwärmt er.Natürlich hat Walker seine Träume vom Auslandjob sowie jetzt von der eigenen Agenturgründung nicht nur dank geduldigem Einreihen bei der Jobsuche wahr machen können. Zu seinen Referenzen vor London gehörten bereits vier Jahre bei Springer & Jacoby in Hamburg. Zuerst hat er dort im Gründungshaus der Agentur gearbeitet. Später durfte er in einem weiteren Ableger der Gruppe vor allem Werbung für Mercedes machen.
Eingestiegen ist Walker mit einer Lehre als Grafiker bei Advico Young & Rubicam in Gockhausen. Es folgten zwei Jahre bei GGK in Zürich, bevor der Punkt kam, wo er sich sagte: «Es wäre interessant, mal ein Jahr ins Ausland zu gehen.»
Dass daraus zehn Jahre wurden, sieht Walker als sein Kapital. «Man kann sehr viel aufnehmen», weiss er. In London hat der AD zusammen mit der Filmschulabsolventin Patricia, die später seine Frau geworden ist, in einer nur 26 Quadratmeter grossen Wohnung gehaust, um möglichst viel Geld für weiterbildende Kulturgenüsse sparen zu können. Dazu gehörte auch eine einjährige Weltreise, bevor nach London noch einmal eine neue Erfahrung mit einem Jahr als CD und Geschäftsführer einer Unit bei Scholz & Friends in Berlin gefolgt ist.
Jetzt hat das immer mitgereiste Ikea-Regal mit der grossen Sammlung von Büchern zu Kunst, Film, Foto und natürlich Werbung seinen wohl definitiven Platz an der Blaufahnenstrasse in Zürich gefunden.
Schlicht «Walker» heisst die Neugründung. Und was soll «die kleinste Werbeagentur der Welt» von einem herkömmlichen Büro eines Freelancers abheben?
«Wir sind wie ein Orchester, das für jedes Stück neu zusammengesetzt wird», erklärt Walker sein Netz von freien Teams, die er im Verlauf seiner Wanderjahre kennen gelernt hat. Mit dieser weit gesponnenen Infrastruktur will Walker «keine Standardformation» anbieten, die sowohl bei
Jazz wie bei Klassik mit den immer gleichen Leuten auftritt.
Spielen will man für Kunden, die «nicht zwingend Millionenbudgets haben, trotzdem aber internationale Qualität wollen». Dazu brauche es gute Spots und eine gute Strategie – aber «kein grosses Büro», ist der Werber überzeugt.
Die Zeit für solche Neugründungen schätzt Pius Walker als sehr gut ein. Viele alte Muster brechen auf, es gibt Handlungsbedarf. Wer aber einfach im Windschatten der Grossen fahren wolle, dürfte es kaum schaffen. «Wir wollen Alternativen bieten mit einer anderen Struktur und einem anderen Netzwerk.»
Walker hat keinen einzigen Kunden von früheren Jobs mitgenommen. Trotzdem ist ein Grossauftrag bereits im Kasten. Für WC-Ente von Düring und ein neues Reinigungstuch der Firma hat er zwei Spots produziert. In einem schleppt ein Tourist sein Klo zu einer Trecking-Reise nach China mit. Damit wird das scheinbar undankbare Thema Reinigung mit viel Lifestyle und Humor angegangen. Für WC-Ente hat sich der neue Stil mit einer fast traumhaften und deshalb «leider nicht zitierbaren Umsatzsteigerung» gelohnt.
Für Walker ist dieser Einstiegserfolg ein Mutmacher, auch noch ein paar andere Firmen, die bislang mit keiner oder nur mittelmässiger Werbung «aufgefallen» sind, demnächst zu kontaktieren.
Mit seinem Netzwerk verfolgt Pius Walker klare Ziele: «Wir wollen

Alternativen bieten.»
Andreas Panzeri

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