Qualitätszeitungen haben Zukunft

Interview BT-Chefredaktorin Catherine Duttweiler über die Weiterentwicklung einer Regionalzeitung.

Interview Chefredaktorin Catherine Duttweiler über die Weiterentwicklung einer Regionalzeitung.WW: Was verstehen Sie unter der zweiten Informationsebene?
Catherine Duttweiler: Wir
wollen den Leserinnen und Lesern mehr Hintergrundinfos und Nutzwert
bieten. Boxen sind zwar schon länger im Trend, neu für Tageszeitungen
ist aber, dass wir die Hauptartikel konsequent damit bestücken – ohne
dass dies auf Kosten des Lauftextes geht. Dank der Neugestaltung haben
wir Platz gewonnen. Wir bieten künftig also mehr Infos pro Seite und
mehr Weissraum, wodurch das BT inhaltlich und optisch aufgewertet wird.

WW: Sie
arbeiteten bisher bei grossen Medien – SonntagsZeitung, Basler Zeitung,
Radio DRS – wie steht es um die Innovationsbereitschaft bei einer
kleinen Lokalzeitung?
Catherine Duttweiler: Ich
bin positiv überrascht. Natürlich haben wir nicht die gleiche
Unterstützung etwa bezüglich Leserforschung wie bei einem grossen
Verlag. Dafür sind die meisten Leute offen, die Entscheide
unbürokratisch. Ich habe darauf geachtet, nicht die gleichen Fehler zu
machen wie die Basler Zeitung und gleichzeitig alles auf den Kopf zu
stellen. Unser Erneuerungsprozess läuft kontinuierlich und ist auch
noch nicht abgeschlossen. Seit ich die Redaktion übernahm, haben wir
fast jeden Monat etwas Neues eingeführt.

WW: Ein mehrfach geäusserter Wunsch Ihrer Leser war, mehr über den Berner Jura zu erfahren.
Catherine Duttweiler: Ja,
das Interesse ist gross. Es ist unsere Aufgabe, über heikle Fragen der
Wiedervereinigung ebenso zu berichten wie über das tolle
Naherholungsgebiet. Dabei arbeiten wir eng mit unserem Schwesterblatt,
dem französischsprachigen Journal du Jura, zusammen. In der Redaktion
arbeiten wir nicht etwa nach Sprachen getrennt, sondern nach Ressorts.
Die Informationen fliessen frei von einer Sprache zur andern. Das ist
anregend.

WW: Spüren Sie den Druck der Espace Media Groupe?
Catherine Duttweiler: Weniger.
Wir bieten jede Woche 75 Seiten über Biel und das Seeland, da sind wir
unschlagbar. Der Bund hat versucht, in Biel Fuss zu fassen, er musste
sein Büro wieder schliessen. Wir spüren eher den Druck von
Gewerbetreibenden und Interessengruppen, die keine Werbung machen und
dafür in den redaktionellen Teil drängen. Wir erhalten durchschnittlich
77 Einladungen und 86 Communiqués pro Tag. Doch wir richten uns klar
nach dem Interesse der Leserinnen und Leser und treffen unsere
Themenauswahl nach journalistischen Kriterien.

WW: Wie sehen Sie die Zukunft?
Catherine Duttweiler: Wir
müssen in den grossen Werbekombis drinbleiben. Aber ich bin überzeugt,
dass unabhängige Regionalzeitungen überleben, wenn sie im Mantelbereich
Kooperationen eingehen, sich auf ihr Kerngeschäft, die Region,
konzentrieren und im Internet interaktive Zusatzangebote fördern. Es
wird weiterhin Tageszeitungen mit komplettem Informationsangebot
brauchen, die Überblick schaffen und zum Zusammenhalt einer Region
beitragen. Das Ziel unseres Relaunchs ist, als Qualitätszeitung weiter
zu bestehen.

Interview: Helen Brügger

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