Pendlerzug fährt in St. Gallen bald ab

Gratiszeitungen SBB lancierte Submission für rund hundert Zeitungsboxen in der Ostschweiz.

Gratiszeitungen SBB lancierte Submission für rund hundert Zeitungsboxen in der Ostschweiz.
An der Bilanzpressekonferenz vom 30. März tat Tamedia-CEO Martin Kall so, als könnte er irgendwann im zweiten Quartal entscheiden, ob 20 Minuten vielleicht im Herbst in St. Gallen starten will. Was Kall aber schon damals wusste: Tamedia hat bloss bis Ende April Zeit, jedenfalls dann, wenn 20 Minuten wie in Zürich, Bern, Basel und Luzern an den SBB-Bahnhöfen präsent sein soll. Denn das ist der Termin, den die SBB in ihrem «Einladungsverfahren» für 70 bis 100 Boxenstandorte in der Ostschweiz festgelegt haben. Und die entsprechenden Unterlagen haben sie schon vor Ostern an 20 Minuten und die St. Galler Tagblatt AG verschickt. Dies wird von den drei Seiten auch bestätigt.Beat-Gaudenz Schwarz, bei SBB-Immobilien zuständig für die Ausschreibung, zeigt auf Anfrage deren Eckpunkte auch auf: Die SBB erwarten ein Gratisblatt, das fünfmal wöchentlich und vorzugsweise im Tabloidformat erscheint. Es sollte geheftet sein und rund
50 Prozent redaktionellen Inhalt umfassen. Werbebeilagen sind tabu. Doch egal, wer am Ende den Zuschlag erhält, Schwarz weiss aus den Anfängen in Zürich: «Wenn 20 Minuten kommen will, dann kommt es sowieso.»
«Die SBB haben uns noch nie von einem Start abgehalten», lacht Rolf Bollmann, Geschäftsführer von 20 Minuten. Er fügt aber an, dass «die Partnerschaft mit den SBB sehr gut» sei. Auch wisse er noch nicht, ob der Verwaltungsrat – Kall, Zeitungsschef Jürg Brauchli und CFO Christoph Tonini – für eine Ausgabe Ostschweiz grünes Licht geben werde. Er habe aber noch nicht einmal einen Sitzungstermin, um sein Projekt zu präsentieren. Bei der Auflage geht er – wie in der Zentralschweiz – von etwa 40000 Exemplaren aus.
Auch bei der St. Galler Tagblatt AG (SGT) brütet man über der SBB-Ausschreibung. «Wir sind noch in der Klärungsphase», sagt SGT-Verlagsleiter Daniel Ehrat. In Frage käme allenfalls eine Eingabe für das bestehende Gratisblatt Anzeiger St. Gallen, das zwar im Tabloid-Format erscheint, aber nur einmal wöchentlich. Dass Letzteres ein Hindernis darstellen könnte, ist sich Ehrat bewusst, er werde darum mit den SBB das Gespräch suchen. «Die SBB-Definition von Pendlerzeitung ist zu sehr auf 20 Minuten zugeschnitten», kritisiert er. «Warum kann nicht auch eine Wochenzeitung denselben Zweck erfüllen», fragt er.
Markus Knöpfli

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