Nicht schlank und doch sexy

Das US-Modelabel Lane Bryant zeigt, dass auch füllige Frauen anziehend sind

Das US-Modelabel Lane Bryant zeigt, dass auch füllige Frauen anziehend sindVon Thérèse BalduzziDarstellungen superdünner, junger Frauen in der Werbung und auf den Modeseiten sind Feministinnen ein Dorn im Auge. Hin und wieder wagt es die Werbung, dickere oder ältere Frauen ins Rampenlicht zu rücken. Die amerikanische Kleidermarke Lane Bryant befördert übergewichtige Frauen gar zu Sexobjekten.
Bereits in den letzten Jahren machte die Frauenmodemarke für Übergrössen, Lane Bryant, auf sich aufmerksam. Printanzeigen und Plakate zeigten Hip-Hop-Star Queen Latifah, TV-Schauspielerin Camryn Manheim und Supersize-Model Anna Nicole Smith. Mit ihren vollschlanken Körpern demonstrierten sie, dass auch füllige Frauen modisch und sexy sein können.
Die Bilderflut von superdünnen Models vermieste in den Neunzigerjahren allen Frauen, die dieser Norm nicht entsprechen, das Leben und trieb in den USA Tausende von Teenies in die Magersucht. Gleichzeitig wurden Abteilungen für grosse Grössen in den Warenhäusern neu designt und prominent zur Schau gestellt. Selbst ein Modeheft für Frauen ab Grösse 42, schlicht Mode genannt, wurde erfolgreich lanciert.
Der Grund für diesen Wandel ist weniger im Feminismus und der Political Correctness zu suchen als in der Tatsache, dass mittlerweile über 60 Prozent der Amerikaner und Amerikanerinnen übergewichtig sind.
Bisher erschienen die Plus-Size-Models der Lane-Bryant-Anzeigen jedoch allein im Bild und demonstrierten damit vor allem, wie sie sich selbst akzeptierten. In der neuen Kampagne wird jetzt vermittelt, dass sie auch für eindeutig zweideutige Absichten von männlicher Seite in Betracht gezogen werden können. Und zwar nicht von irgendeinem Mann.
Mister Big fühlt sich zwischen Plus-Size-Models pudelwohl
Beim Schönling, um den sich die zwei fülligen Nixen in Reizwäsche posieren, handelt es sich um Mr. Big, den galanten, reichen Frauenhelden aus der Hitserie «Sex in the City» des Kabelsenders HBO. Mr. Big wird sowohl in der TV-Serie als auch in den Anzeigen vom Schauspieler Chris Noth gespielt. Die Schlagzeile lautet: «The big idea. Seriously sexy intimates.» Die Anzeigen wurden auf den Februar lanciert und erscheinen in den Zeitschriften Mode, People und Talk.
Für den März ist eine neue Variante geplant, in der eine Blondine Mr. Big an seiner Krawatte zu einem Kuss heranzieht. Die gleichen Bilder werden auch die 700 Schaufenster der Firma in Amerika zieren. Gestaltet wurde die Kampagne von einem hauseigenen Team.
Zwar ist die Betonung des Sexappeals übergewichtiger Frauen in der Werbung eine Neuheit. Ob jetzt zwei Drittel der Amerikanerinnen in einen Freudentanz ausbrechen werden, ist trotzdem fraglich.

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