«Mediahaus Seefeld startet mit einer offenen Struktur»

Andy Lehmann gründet zum 1. Oktober seine eigene Mediaagentur

Andy Lehmann gründet zum 1. Oktober seine eigene MediaagenturUnabhängigkeit heisst der USP, mit dem Andy Lehmann seine neue, eigene Mediaagentur zum Erfolg führen will. Die Firma mit dem Projektnamen Mediahaus Seefeld ist offen für den Zukauf anderer Agenturen und für Kooperationen. Der Beginn der Geschäftstätigkeit ist auf den 1. Oktober geplant – die Geschäftsleitung bei Optimedia gibt Lehmann per sofort ab (siehe Seite 1).
Was ist die zündende Idee ihrer geplanten neuen Mediaagentur?
Andy Lehmann: Die Unabhängigkeit. Das tönt jetzt ein bisschen banal. Aber ich spüre, dass es in der Schweiz sehr viele Kunden gibt, für welche dies immer wichtiger wird. Unabhängigkeit aber wirklich konsequent gemeint: Unabhängig von Kreativagenturen, unabhängig auch von Medien und unabhängig von Netzwerken. Das scheint mir heute der Key zu sein. Und es
ist auch meine Hauptmotivation für die Agenturgründung.
Haben sich denn die von Ihnen genannten Abhängigkeiten in den vergangenen Jahren zugespitzt?
Lehmann: In der Schweiz fehlt zunehmend die Wahlmöglichkeit, das ist das Problem. Die gute, unabhängige und inhabergeführte schweizerische Mediaagentur gibt es nicht mehr. In diesem Sinne hat sich die Situation verschärft.
Sie wollen die klassische Mediaagentur wieder auferstehen lassen?
Lehmann: Ja, genau. Das ist mein Ziel.
Was subsumieren Sie alles unter der klassischen Mediaagentur?
Lehmann: Der klassische Mediaberatungsprozess beginnt mit der Strategie und hört beim Controlling auf. Heute haben wir das Bits-und-Pieces-System, bei der eine Stelle die strategische Beratung macht, eine andere den Einkauf, und eine dritte das Controlling. Ich will diesen Prozess wieder von einer Hand gestaltet wissen. Andererseits wollen wir nicht einfach nur eine Mediaagentur sein. Es kann auch mehr dazu kommen. Wir starten ganz bewusst mit einer möglichst offenen Struktur und sind offen für gute Ideen. Möglich ist ebenfalls, dass wir andere Agenturen kaufen oder mit ihnen kooperieren. Auch in diese Richtung sind wir offen.
Andere Agenturen kaufen oder mit ihnen kooperieren – ist da schon bald etwas unterschriftsreif?
Lehmann: Nein, es ist auch nicht zwingend. Wir werden auch sonst starten. Aber es ist eine Option, die wir uns offen lassen wollen.
Wem wird die neue Mediaagentur gehören?
Lehmann: Den privaten Investoren und mir.
Werden Sie persönlich die Mehrheit daran haben?
Lehmann: Ich bin der Kopf, der vorne hin steht. Das ist der entscheidende Punkt.
Wer steckt eigentlich hinter den Investoren, welche die Agenturgründung finanziell möglich machen? Können Sie das Geheimnis etwas lüften?
Lehmann: Nein, das kann ich nicht. Denn die Investoren wollen nicht genannt sein. Nur so viel: Es sind Privatpersonen, die weder Verbindungen zu einzelnen Medien noch zu Medienhäusern noch zu Medienpartnern haben. Es handelt sich um Leute, welche die Medienbranche interessant finden. Diese Branche gilt für viele Investoren nach wie vor als eine der attraktivsten.
Wann legen Sie los? Erst 2002 oder schon vorher? Die Termine sind etwas schwammig kommuniziert worden.
Lehmann: Ich werde noch bis Ende September bei Optimedia bleiben, werde jedoch das tägliche Geschäft nicht mehr verantworten, sondern für Projekte und Spezialaufgaben eingesetzt werden. Ich werde jedoch während dieser Zeit die Vorbereitungsarbeiten für meine neue Agentur bereits vorantreiben können. Der Starttag der neuen Agentur ist der 1. Oktober.
Wenn man Ihren umfassenden Leistungsanspruch hört, muss man wohl davon ausgehen, dass die neue Agentur zahlreiche Mitarbeitende benötigen wird. Wo holen Sie im ausgetrockneten Arbeitsmarkt all die notwendigen Leute her?
Lehmann: Man findet Leute, diese Erfahrung habe ich auch in den letzten Jahren gemacht. Zudem ist es faszinierend und eine ganz besonders attraktive Herausforderung, bei der Gründung einer neuen Mediaagentur dabei zu sein.
Andere Mediaagenturen werden in nächster Zeit ganz besonders auf ihre Mitarbeitenden Acht geben müssen, damit Sie sie ihnen nicht abwerben. Wie viele Leute werden Sie von Optimedia mitnehmen?
Lehmann: Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter «mitnehmen» kann man nicht. Jede Mediaplanerin und jeder Mediaplaner von Optimedia oder einer anderen Agentur entscheidet selbstständig über die Wahl des Arbeitsplatzes. Da kann ich keinen Einfluss nehmen. Aber wie bereits gesagt: Ich mache mir keine Sorgen, die rechten Mitarbeiter zu finden. Das Zürcher Seefeld hat ja auch den Vorteil, ein sehr attraktiver Arbeitsort zu sein.
Ist das Zürcher Seefeld als definitiver Standort gesetzt?
Lehmann: Wir starten in vorläufig temporären Büroräumlichkeiten im Seefeld. Wir sind aber auch in Verhandlungen über andere attraktive Standorte. Aber sicher ist, wir werden uns auf jeden Fall im Seefeld oder seiner direktesten Umgebung installieren. Schliesslich wollen wir mit dem Standort auch dem Projektnamen unserer Agentur – Mediahaus Seefeld – zum Durchbruch verhelfen.
Das konjunkturelle Umfeld ist ja im Moment nicht so, wie man sich das für den Start einer neuen Agentur wünschen würde: Die Konjunktur stottert, die Werbeinvestitionen gehen zurück. Ist ein schrumpfender Markt das geeignete Umfeld für die Lancierung einer neuen Agentur?
Lehmann: Es ist sicher kein schlechtes Umfeld. Gerade dann, wenn man mit dem Geld sorgfältiger umgehen muss, ist auch vermehrt Qualität gefragt. Natürlich ist es schön in einem boomenden Markt. Aber in einem boomenden Markt kann man auch die halbfaulen Aprikosen noch verkaufen. Wenn der Markt härter ist, muss man sich mehr Mühe geben. Deshalb glaube ich, dass gerade jetzt ein guter Zeitpunkt für die Agenturgründung ist.
Werden Sie denn auch Kunden von Optimedia mitnehmen?
Lehmann: Das ist wie mit den Mitarbeitenden: Kunden entscheiden selbstständig, mit welcher Agentur sie arbeiten wollen. Wir machen eine Agentur auf, weil wir dem Markt ein Angebot machen wollen. Interview: Daniel Schifferle

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