Körperbetontes Fernsehen

TV 3 und SF DRS setzen in ihren neuen Erscheinungsbildern auf Frische, Wärme und Menschlichkeit

TV 3 und SF DRS setzen in ihren neuen Erscheinungsbildern auf Frische, Wärme und MenschlichkeitVon Luca Aloisi Fast zeitgleich haben die Sender TV 3 und SF DRS ihr Erscheinungsbild auffrischen lassen. Beide Designpackages stammen aus Zürcher Agenturen: Für den öffentlich-rechtlichen Sender kam TBS, für den Tamedia-Sender Regardez zum Zug.
Das visuelle Profil eines Senders spielt eine massgebende Rolle für die erfolgreiche Zuschauerbindung, gibt er doch der Seele des Channels ein Gesicht, das entsprechend den verschiedenen Formaten modellierbar, aber zugleich wiedererkennbar sein sollte. TBS Identity, Zürich, kreierte vor rund sechs Jahren für SF DRS das neue Kanallogo, das den Kristall und dessen
abstrahierte Folgeversion, den «Schliessmuskel», ersetzte.
Weil das Unternehmenslogo vorerst nur im Printbereich der Schweizer Sender zum Einsatz kam, wurde die spätere Umsetzung des Programmlogos – beim Launch von SF 2 im Herbst 1997 – als Plagiat des ähnlichen, ebenso vielseitigen wie schlichten ORF-Corporate-Designmoduls abgestempelt. Dieses hatte der englische Stardesigner Neville Brody schon 1992 für das österreichische Staats-TV konzipiert.
Wer auch immer zuerst da war: Das Logo von SF DRS erfuhr seither eine beachtliche Entwicklung, die neuerdings in der computeranimierten Auflösung des Logos selbst kulminiert und die bewegte Welt des Mediums schön und mutig visualisiert. Damit hat TBS Identity eines der am häufigsten gesehenen, wenn nicht das meist gesehene Logo der Schweiz kreiert.
Dass man für das Fernsehen ein bildschirmtaugliches bewegtes Logo designt, liegt auf der Hand. Schliesslich ist das die Sprache des Mediums und zugleich seine beste Visitenkarte. Das bestätigen die vielen animierten Signete anderer Sender sowie der neue mit Screen Eleven realisierte Station-Identity-Film, der mit einer Ballettsequenz Nähe und Emotionalität ausdrückt.
Die Senderdynamik soll auch im Printbereich sichtbar sein
Zudem hat TBS im September die Screenoberfläche neu gestaltet. Revolutionär daran ist weniger die erwähnte Selbstauflösung des Logos als vielmehr die bisher seltene Rückkopplung der Screenästhetik zum Print. Diese soll die eindeutige als auch die differenzierte Wiedererkennbarkeit von SF DRS stärker etablieren.
So präsentiert die Agentur die Zersetzung der sechs aufgefrischten Logos, einem Daumenkino gleich, in sämtlichen Produkten der Unternehmens- und Marketingkommunikation des Senders. «Auch im Printbereich kann mit einem sich im Kern gleich bleibenden, in seiner Anmutung aber verändernden Logo und Design starke Visibility und Recognition erzeugt werden», erklärt Creative Director Christian Tobler.
Dass die Dynamik auch in den gedruckten Medien spürbar wird, ist das eigentlich Neue an der Arbeit von TBS. Damit will man die Dynamik des TV-Unternehmens auch offline unter Beweis stellen, um ihn dauer- und glaubhaft zu positionieren.
Der Facettenreichtum ist im Kaleidoskop gebündelt
Nach zwei Jahren Sendebetrieb tritt auch TV 3 seit kurzem mit einem modernisierten Look auf. Hierbei liess sich der Tamedia-Sender zum Start der wichtigen Fernsehsaison gleich das gesamte Designpackage, bestehend aus 15 Sujets, von der Commercial- und Designagentur Regardez erneuern, zu Gunsten eines «frischen und menschlich-warmen Looks».
Key Visual des neuen Looks von TV 3 ist das ornamentale Muster des Kaleidoskops. Die faszinierende Wirkung der surrealen Bildinszenierung erfreut sich nicht erst seit der Videokunst grosser Beliebtheit. Schon Künstler wie Philippe Halsmann bewiesen in der statischen Fotografie die Magie, die von Spiegeleffekten ausgeht.
Für den Dreh wurde eigens ein konisches Kaleidoskop hergestellt, in das ein Spezialobjektiv hineingefahren werden konnte, weiss Jürg Steudler, Executive Producer, zu berichten. Mit den verschiedenen Protagonisten – vom Astronauten bis zur Flamencotänzerin – soll das Kaleidoskopkonzept für das facettenreiche Programm stehen, wobei dieser Look Unterhaltung suggerieren und eine inhaltliche Klammer bilden soll. Dass das Eigenbild zurzeit aber nicht dem Image des Senders entspricht, liegt weniger an den aufwändigen Station-ID-Filmen, sondern an der inhaltlichen Programmausrichtung, die allen Bemühungen zum Trotz alles andere als facettenreich ist.

More articles on the topic