Konstruktiver Druck im Glaskasten
Ein nicht ganz konjunkturunabhängiger Stimmungsbericht aus dem Hause Tamedia
Ein nicht ganz konjunkturunabhängiger Stimmungsbericht aus dem Hause TamediaVon Oliver Classen Wer Transparenz zur Firmendoktrin erhebt und dieser auch architektonisch ein Gesicht gibt, konnte gar nicht anders, als begeistert zu sein von unserer Anfrage. «Ein Tag im Leben der Tamedia» mittels Stichprobeninterviews: Unternehmenssprecher Peter Hartmeier übernahm spontan die Koordination der Termine, wir die Formulierung der Arbeitsthese: Die allgemeine Wirtschaftslage korrespondiert mit der internen Gemütslage – und umgekehrt.
Willkommen geheissen wird der Besucher von einem mannshohen, aber nur handbreiten Mahnmal. Gemeint ist folglich nicht das bauliche Zeugnis irrlichternder Wachstumseuphorie, der in der Spätsommersonne glitzernde Glaspalast, sondern jene gigantische Mattscheibe, die uns in der Eingangslobby an der Werdstrasse fast ein wenig hämisch entgegengrinst.
Gegen diesen mit Tamedia-Logo verzierten Flachbildschirm, auf dem statt Tele Züri übrigens zumeist SF 1 läuft, wirken die ringsum auf kleinen Rauchtischen ausliegenden Ausgaben von Facts, Annabelle, SonntagsZeitung und natürlich Tages-Anzeiger nachgerade diskret. «Wenn das Ungetüm nicht so teuer gewesen wäre, hätten wir es längst in die Rumpelkammer verbannt»: Peter Hartmeier ist offenkundig auch kein Fan dieses symbolischen Überrestes der nach dem TV-3-Abenteuer auf Normalmass zurückgestutzten Multimedia-fantasien. Und vergisst auf dem Weg nach oben in sein Büro aber nicht anzufügen: «Wir haben viel gelernt seitdem».
Zu viel auf Marketer und externe Berater gehört
Ein Destillat jüngster Tamedia-Erfahrungen und sich daraus ergebender Konsequenzen hat er gerade am exklusiven «Europäischen Forum» im österreichischen Alpbach aufgekocht. Dort, wo jährlich auch die Medienelite ihr Stelldichein hat (heuer unter anderen Roger de Weck), referierte der Chefkommunikator über «Sparen und Gewinnmaximierung nach dem Goldenen Zeitalter». Die Quintessenz im O-Ton: «Wir haben zu viel über Verpackung und Marketing nachgedacht, uns zu sehr von schmückendem Beiwerk und Bluff blenden lassen, zu lange auf branchenfremde Berater gehört.»
Bemerkenswerte Einsichten, denen seit Spätherbst letzten Jahres unter dem Titel «Focus» – das heisst wohl auf Grund von Fakten, Fakten, Fakten – Taten folgen. Im Gegensatz zu manchem Konkurrenten ist man laut Hartmeier aber keineswegs in einen Sparrausch verfallen. Betriebsbedingte Entlassungen könnten dennoch nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen werden. «Wir werden künftig weniger Personal, dafür aber auf allen Hierarchiestufen wieder mehr Unangepasste beschäftigen», sagte der Kadermann in Alpbach. Darauf angesprochen schiebt er in Zürich sofort nach, dass die Redaktionen deswegen aber nicht um ihre Stellenprozente bangen müssen.
Die Fünfprozenthürde hat der «Tagi» locker genommen
Wer dann? Hausintern ist es ein offenes Geheimnis, dass der Tages-Anzeiger als personalintensivster und zugleich rückläufigster Tamedia-Titel – zum 30-prozentigen Umsatzeinbruch im ersten Halbjahr 2002 gesellt sich laut aktueller Mach nun noch ein Reichweitenverlust von 35000 Lesern – derzeit am stärksten unter Kostendruck steht.
Glaubt man den kommerziellen Kapitänen des schlingernden Flaggschiffs, Hans Jürg Klöti (Direktor Anzeigenmarkt) und Fridolin Holdener (Verkaufsleiter), so ist die Lage ernst, aber bei weitem nicht dramatisch. «Die von Focus noch letztes Jahr errichtete Fünf-Prozent-Hürde haben wir alleine durch Vereinheitlichungsmassnahmen, Ablaufoptimierungen und die eine oder andere Frühpensionierung überwunden», gibt Holdener nicht ohne Stolz zu Protokoll.
Eine zweite Rationalisierungswelle, während der die Betriebskosten um weitere 10 Prozent gesenkt werden konnten, ist erst kürzlich ausgerollt. Diesmal ging es freilich nicht mehr ohne Kündigungen. «Betroffen war vor allem der Backoffice-Bereich», so Klöti. Von wachsender Verunsicherung, geschweige denn von einem Klimawechsel in seiner – von bösen Zungen «geschützte Werkstatt» genannten – Abteilung will der Doyen des Deutschschweizer Inserategeschäfts jedoch nichts wissen. Durch die neue Organisationsstruktur seien halt Synergien möglich und Straffungen notwendig geworden. «Dieser Prozess ist nun abgeschlossen und die Mitarbeiterstimmung davon nicht nachhaltig getrübt worden», gibt sich Klöti überzeugt.
Deutlich weniger optimistisch tönt es in der Tagi-Geldetage bezüglich mittelfristiger Ertragsverbesserungen. Bei einer letzte Woche durchgeführten Telefonbefragung einiger Schlüsselauftraggeber hoffte man auf erste Aufhellungen am Werbehorizont, wurde jedoch «mit abgesägten Hosen nach Hause geschickt». Ungeachtet dessen halten Klöti und Holdener die konjunkturelle Talsohle für durchschritten. Ein Indikator dafür sei der erfreuliche Umstand, dass der Tages-Anzeiger vorvergangene Woche «erstmals seit ganz langem» bei kommerziellen Kampagnen wieder einmal drei Tage hintereinander über dem Vorjahr lag.
«Konstruktive Druckverhältnisse»
Prognosen hin, Projektionen her: Voller Einsatz an der Verkaufsfront ohne entsprechenden Umsatz birgt ein hohes Frustrationspotenzial. Reto Feurer und seine Kollegen können davon ein Lied singen. «Das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag meiner Arbeit hat sich in den vergangenen zwei Jahren glatt umgekehrt», meint der Verkaufsleiter fürs Gebiet «Zürich Süd», zu dem die Innerschweiz und, politisch höchst inkorrekterweise, selbst noch das Tessin gehören. Wo sie früher offene Türen einrannten, gelangen die erfolgsbeteiligten Kundenbetreuer heute oftmals kaum mehr bis zur Türschwelle.
Wenn das Telefon doch mal klingelt, handelt es sich öfter denn je um Anfragen für Spezialkonditionen. «Das zeigt, dass auf der Gegenseite auch jemand mächtig unter dem Hammer ist», analysiert Feurer. Und bringt Verständnis für Inserenten auf, die es für ethisch unvertretbar halten, während eigener Restrukturierungsmassnahmen dicke Imagekampagnen zu fahren.
«Da hätte wohl jeder Probleme, wenn sein Arbeitgeber Stellen streicht, zugleich aber Geld für Werbung übrig hat.» Beim eigenen Brötchengeber würde er antizyklisches Investitionsverhalten gleichwohl mehr als begrüssen. Denn das gäbe ihm und seinesgleichen ein schlagendes Verkaufsargument in die Hand, nach dem Motto «Was wir können, können andere Unternehmen schon lange». Beklagen aber will sich Feurer nicht und resümiert seine Situation mit den denkwürdigen Worten: «Bei uns herrschen konstruktive Druckverhältnisse.»
Schawinski hinterliess schon schlanke Strukturen
Die kriegt auch Richi Gasser an der Limmatstrasse zu spüren, wenngleich in deutlich abgeschwächter Form. «Als Ex-Schawinski-Sender haben wir letztes Jahr ja auch keinerlei Überkapazitäten mit in die Tamedia gebracht», bemerkt der Marketingchef von Radio 24 augenzwinkernd. In den laufenden Budgetverhandlungen für 2003 will der nach dem Abgang von Christian Stärkle nun direkt Andreas Meili (Leiter elektronische Medien) Unterstellte denn auch möglichst eine Nullrunde erreichen. «Eigentlich müssten wir im Hinblick auf unser nächstjähriges Jubiläum sogar aufstocken», meint Gasser in der wöchentlichen Teamsitzung, an der – in überraschend aufgeräumter Atmosphäre – acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter präsent sind.
Diskutiert werden unter anderem die neue Pool-Politik, aktuelle Kundenkontakte und Crossmediaaktionen mit anderen Tamedia-Produkten. «Die haben bisher zwar wenig gebracht, werden aber weiterhin gewünscht», lässt Gasser die Runde wissen.
Als grösstes noch offenes Synergiepotenzial mit dem neuen Mutterhaus identifiziert man bei Radio 24 einhellig die für nächstes Jahr diskutierte räumliche Integration. «Um noch näher am Puls der Stadt zu sein, würden wir geografisch gerne mehr ins Zentrum rücken», erläutert Programmleiter Peter Brun die diesbezügliche Interessenlage der 13-köpfigen Redaktion.
Verkaufs- und studiotechnisch läge ein Umzug zu Tele Züri ins Steinfels-Areal allerdings ungleich näher, zumal das Glashaus schon zu platzen droht. «Mit unseren TV-Kollegen arbeiten wir schon seit jeher eng zusammen: Wenn etwa Tele Züri einen Reporter vor Ort hat, berichtet der meist für uns gleich mit», beschreibt Brun den Modus cooperandi der beiden Belcom-Sender. Auf den jeweiligen Personalbestand haben diese Zügelszenarien aus seiner Sicht «so oder so keinen Einfluss», weswegen unter ihrem Dach auch niemand um seinen Job bangen müsse.
Zurück am Hauptsitz Werdstrasse wird uns versichert, dass redaktioneller Stellenabbau auch beim Tages-Anzeiger kein Thema sei. Chefredaktor Philipp Löpfe gibt sich beim Mittagstisch erstaunt über entsprechende, der WerbeWoche zu Ohren gekommene Befürchtungen. «Der Tagi ist nach wie vor hochrentabel und hat sein Schärflein zum Focus-Programm mit dem früheren Andruck des fünften und sechsten Bunds längst beigetragen.»
Diese zweistündige Vorverschiebung zur Auslastungsoptimierung der Druckmaschinen brachte Einsparungen von einer halben Million Franken und sei ein grosses redaktionelles Opfer gewesen. Auch die inhaltlichen Synergiepotenziale hält Löpfe, der tags zuvor noch die rituelle Ressortleiter-Retraite («das war keine Spar- sondern eine Modifikationsrunde») leitete, für «ziemlich ausgeschöpft». Den Auto-Redaktor teile man gerne mit Facts und der SonntagsZeitung, aber weiter werde der schwesterliche Inzest auch in Zukunft nicht gehen. Konkret: «Wenn Durisch am nächsten Sonntag fordert, der Marthaler solle seinen Schlapphut nehmen, steht im Montags-Tagi trotzdem Marthaler muss bleiben.»
Willkommen geheissen wird der Besucher von einem mannshohen, aber nur handbreiten Mahnmal. Gemeint ist folglich nicht das bauliche Zeugnis irrlichternder Wachstumseuphorie, der in der Spätsommersonne glitzernde Glaspalast, sondern jene gigantische Mattscheibe, die uns in der Eingangslobby an der Werdstrasse fast ein wenig hämisch entgegengrinst.
Gegen diesen mit Tamedia-Logo verzierten Flachbildschirm, auf dem statt Tele Züri übrigens zumeist SF 1 läuft, wirken die ringsum auf kleinen Rauchtischen ausliegenden Ausgaben von Facts, Annabelle, SonntagsZeitung und natürlich Tages-Anzeiger nachgerade diskret. «Wenn das Ungetüm nicht so teuer gewesen wäre, hätten wir es längst in die Rumpelkammer verbannt»: Peter Hartmeier ist offenkundig auch kein Fan dieses symbolischen Überrestes der nach dem TV-3-Abenteuer auf Normalmass zurückgestutzten Multimedia-fantasien. Und vergisst auf dem Weg nach oben in sein Büro aber nicht anzufügen: «Wir haben viel gelernt seitdem».
Zu viel auf Marketer und externe Berater gehört
Ein Destillat jüngster Tamedia-Erfahrungen und sich daraus ergebender Konsequenzen hat er gerade am exklusiven «Europäischen Forum» im österreichischen Alpbach aufgekocht. Dort, wo jährlich auch die Medienelite ihr Stelldichein hat (heuer unter anderen Roger de Weck), referierte der Chefkommunikator über «Sparen und Gewinnmaximierung nach dem Goldenen Zeitalter». Die Quintessenz im O-Ton: «Wir haben zu viel über Verpackung und Marketing nachgedacht, uns zu sehr von schmückendem Beiwerk und Bluff blenden lassen, zu lange auf branchenfremde Berater gehört.»
Bemerkenswerte Einsichten, denen seit Spätherbst letzten Jahres unter dem Titel «Focus» – das heisst wohl auf Grund von Fakten, Fakten, Fakten – Taten folgen. Im Gegensatz zu manchem Konkurrenten ist man laut Hartmeier aber keineswegs in einen Sparrausch verfallen. Betriebsbedingte Entlassungen könnten dennoch nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen werden. «Wir werden künftig weniger Personal, dafür aber auf allen Hierarchiestufen wieder mehr Unangepasste beschäftigen», sagte der Kadermann in Alpbach. Darauf angesprochen schiebt er in Zürich sofort nach, dass die Redaktionen deswegen aber nicht um ihre Stellenprozente bangen müssen.
Die Fünfprozenthürde hat der «Tagi» locker genommen
Wer dann? Hausintern ist es ein offenes Geheimnis, dass der Tages-Anzeiger als personalintensivster und zugleich rückläufigster Tamedia-Titel – zum 30-prozentigen Umsatzeinbruch im ersten Halbjahr 2002 gesellt sich laut aktueller Mach nun noch ein Reichweitenverlust von 35000 Lesern – derzeit am stärksten unter Kostendruck steht.
Glaubt man den kommerziellen Kapitänen des schlingernden Flaggschiffs, Hans Jürg Klöti (Direktor Anzeigenmarkt) und Fridolin Holdener (Verkaufsleiter), so ist die Lage ernst, aber bei weitem nicht dramatisch. «Die von Focus noch letztes Jahr errichtete Fünf-Prozent-Hürde haben wir alleine durch Vereinheitlichungsmassnahmen, Ablaufoptimierungen und die eine oder andere Frühpensionierung überwunden», gibt Holdener nicht ohne Stolz zu Protokoll.
Eine zweite Rationalisierungswelle, während der die Betriebskosten um weitere 10 Prozent gesenkt werden konnten, ist erst kürzlich ausgerollt. Diesmal ging es freilich nicht mehr ohne Kündigungen. «Betroffen war vor allem der Backoffice-Bereich», so Klöti. Von wachsender Verunsicherung, geschweige denn von einem Klimawechsel in seiner – von bösen Zungen «geschützte Werkstatt» genannten – Abteilung will der Doyen des Deutschschweizer Inserategeschäfts jedoch nichts wissen. Durch die neue Organisationsstruktur seien halt Synergien möglich und Straffungen notwendig geworden. «Dieser Prozess ist nun abgeschlossen und die Mitarbeiterstimmung davon nicht nachhaltig getrübt worden», gibt sich Klöti überzeugt.
Deutlich weniger optimistisch tönt es in der Tagi-Geldetage bezüglich mittelfristiger Ertragsverbesserungen. Bei einer letzte Woche durchgeführten Telefonbefragung einiger Schlüsselauftraggeber hoffte man auf erste Aufhellungen am Werbehorizont, wurde jedoch «mit abgesägten Hosen nach Hause geschickt». Ungeachtet dessen halten Klöti und Holdener die konjunkturelle Talsohle für durchschritten. Ein Indikator dafür sei der erfreuliche Umstand, dass der Tages-Anzeiger vorvergangene Woche «erstmals seit ganz langem» bei kommerziellen Kampagnen wieder einmal drei Tage hintereinander über dem Vorjahr lag.
«Konstruktive Druckverhältnisse»
Prognosen hin, Projektionen her: Voller Einsatz an der Verkaufsfront ohne entsprechenden Umsatz birgt ein hohes Frustrationspotenzial. Reto Feurer und seine Kollegen können davon ein Lied singen. «Das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag meiner Arbeit hat sich in den vergangenen zwei Jahren glatt umgekehrt», meint der Verkaufsleiter fürs Gebiet «Zürich Süd», zu dem die Innerschweiz und, politisch höchst inkorrekterweise, selbst noch das Tessin gehören. Wo sie früher offene Türen einrannten, gelangen die erfolgsbeteiligten Kundenbetreuer heute oftmals kaum mehr bis zur Türschwelle.
Wenn das Telefon doch mal klingelt, handelt es sich öfter denn je um Anfragen für Spezialkonditionen. «Das zeigt, dass auf der Gegenseite auch jemand mächtig unter dem Hammer ist», analysiert Feurer. Und bringt Verständnis für Inserenten auf, die es für ethisch unvertretbar halten, während eigener Restrukturierungsmassnahmen dicke Imagekampagnen zu fahren.
«Da hätte wohl jeder Probleme, wenn sein Arbeitgeber Stellen streicht, zugleich aber Geld für Werbung übrig hat.» Beim eigenen Brötchengeber würde er antizyklisches Investitionsverhalten gleichwohl mehr als begrüssen. Denn das gäbe ihm und seinesgleichen ein schlagendes Verkaufsargument in die Hand, nach dem Motto «Was wir können, können andere Unternehmen schon lange». Beklagen aber will sich Feurer nicht und resümiert seine Situation mit den denkwürdigen Worten: «Bei uns herrschen konstruktive Druckverhältnisse.»
Schawinski hinterliess schon schlanke Strukturen
Die kriegt auch Richi Gasser an der Limmatstrasse zu spüren, wenngleich in deutlich abgeschwächter Form. «Als Ex-Schawinski-Sender haben wir letztes Jahr ja auch keinerlei Überkapazitäten mit in die Tamedia gebracht», bemerkt der Marketingchef von Radio 24 augenzwinkernd. In den laufenden Budgetverhandlungen für 2003 will der nach dem Abgang von Christian Stärkle nun direkt Andreas Meili (Leiter elektronische Medien) Unterstellte denn auch möglichst eine Nullrunde erreichen. «Eigentlich müssten wir im Hinblick auf unser nächstjähriges Jubiläum sogar aufstocken», meint Gasser in der wöchentlichen Teamsitzung, an der – in überraschend aufgeräumter Atmosphäre – acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter präsent sind.
Diskutiert werden unter anderem die neue Pool-Politik, aktuelle Kundenkontakte und Crossmediaaktionen mit anderen Tamedia-Produkten. «Die haben bisher zwar wenig gebracht, werden aber weiterhin gewünscht», lässt Gasser die Runde wissen.
Als grösstes noch offenes Synergiepotenzial mit dem neuen Mutterhaus identifiziert man bei Radio 24 einhellig die für nächstes Jahr diskutierte räumliche Integration. «Um noch näher am Puls der Stadt zu sein, würden wir geografisch gerne mehr ins Zentrum rücken», erläutert Programmleiter Peter Brun die diesbezügliche Interessenlage der 13-köpfigen Redaktion.
Verkaufs- und studiotechnisch läge ein Umzug zu Tele Züri ins Steinfels-Areal allerdings ungleich näher, zumal das Glashaus schon zu platzen droht. «Mit unseren TV-Kollegen arbeiten wir schon seit jeher eng zusammen: Wenn etwa Tele Züri einen Reporter vor Ort hat, berichtet der meist für uns gleich mit», beschreibt Brun den Modus cooperandi der beiden Belcom-Sender. Auf den jeweiligen Personalbestand haben diese Zügelszenarien aus seiner Sicht «so oder so keinen Einfluss», weswegen unter ihrem Dach auch niemand um seinen Job bangen müsse.
Zurück am Hauptsitz Werdstrasse wird uns versichert, dass redaktioneller Stellenabbau auch beim Tages-Anzeiger kein Thema sei. Chefredaktor Philipp Löpfe gibt sich beim Mittagstisch erstaunt über entsprechende, der WerbeWoche zu Ohren gekommene Befürchtungen. «Der Tagi ist nach wie vor hochrentabel und hat sein Schärflein zum Focus-Programm mit dem früheren Andruck des fünften und sechsten Bunds längst beigetragen.»
Diese zweistündige Vorverschiebung zur Auslastungsoptimierung der Druckmaschinen brachte Einsparungen von einer halben Million Franken und sei ein grosses redaktionelles Opfer gewesen. Auch die inhaltlichen Synergiepotenziale hält Löpfe, der tags zuvor noch die rituelle Ressortleiter-Retraite («das war keine Spar- sondern eine Modifikationsrunde») leitete, für «ziemlich ausgeschöpft». Den Auto-Redaktor teile man gerne mit Facts und der SonntagsZeitung, aber weiter werde der schwesterliche Inzest auch in Zukunft nicht gehen. Konkret: «Wenn Durisch am nächsten Sonntag fordert, der Marthaler solle seinen Schlapphut nehmen, steht im Montags-Tagi trotzdem Marthaler muss bleiben.»
