Jung geblieben
Othmar Beerli überrascht die Branche mit einem Comeback seines legendären Musenalp Express.
Othmar Beerli überrascht die Branche mit einem Comeback seines legendären Musenalp Express.Wenn er etwas macht, dann macht er es richtig. Das war auch kurz vor Weihnachten so. Othmar Beerli wollte einen Flyer gestalten, um bei Schweizer Schulen sein neues Internetportal www.musenalp.com besser bekannt zu machen. Die Website hat er kürzlich als Ersatz für sein vor 15 Jahren verloren gegangenes Jugendmagazin Musenalp Express ins Netz gestellt. Interessierte aus über hundert Ländern klicken sich regelmässig auf die Alp, seit Beerli an einem Kongress bei 1700 Deutschlehrern aus aller Welt die Gelegenheit nutzte, den Sinn seines multimedialen Forums von Jugendlichen für Jugendliche zu erklären.Beerli kämpfte also mit den Zeilen. Um seine Idee umfassend darstellen zu können, wurde aus dem A5-Flyer schliesslich ein gefaltetes Doppelblatt, ein paar Stunden später eine Maquette mit mehreren A5-Seiten, dann wechselte er auf A4, bis es dem im Unruhestand lebenden Verleger plötzlich evident war: «Ich muss wieder ein richtiges Heft machen.»
Beerli telefonierte sofort Jorge Chaves. Bei diesem Verleger von sechs Zeitschriften in St. Gallen ist der ursprüngliche Musenalp Express nach einer langen Odyssee durch verschiedene Unternehmen schliesslich gelandet. Aus dem legendären Jugendtitel wurde in der Abkürzung das Trendmagazin MEX. Eine Chance für Chaves, mit Beerli eine viel versprechende Kooperation einzugehen. «Unsere Zusammenarbeit ermöglicht den Relaunch des Musenalp Express. Dieser soll die jungen Leserinnen und Leser später als Erwachsene auch zum Trendmagazin MEX hinführen», verrät Beerli.
Das Comeback des Musenalp Express mit einer Auflage von
330000 kostenlosen Exemplaren ist für den 1. März angesagt. Noch vor dem Anzeigenschluss am 15. Februar zeichnet sich ab, dass die Zeitschrift mehr Umfang als die letzte Woche angekündigten 64 Seiten umfassen wird. «Das Konzept, das Heft genau gleich wie im Original auferstehen zu lassen, hat viele begeisterte Reaktionen ausgelöst.» Als Partner bereits wieder dabei sind Die Post, Swisscom und SBB. Die Farbseite für 12800 Franken weckt auch bei anderen Anbietern von Jugendprodukten grosses Interesse. Der Inhaber einer Vertriebsfirma ist zu Othmar Beerli nach Ennetbürgen gepilgert, um die Installation eines Elektronik-Shops im Musenalp Express zu besprechen. CD-Händler wollen mit Prozentangeboten mitmachen, ebenso wie Fotolabors. Neu ist, dass Beerli nicht mehr selbst als Versandhändler auftreten will. «Ich wurde Versandhändler wider Willen, weil die Händler keinen Ausbildungsrabatt geben wollten.» Im neuen Heft vermittelt er nur noch die Kontakte.
Im alten System wurden jährlich 80000 Pakete verschickt. 250000 Kunden waren auf der Kartei des Musenalp Express. Mit dem Discount-Versand für Jugendliche sind 1989 noch 25 Millionen Franken Umsatz erzielt worden. Das hat die Bank bewogen, auch einen finanzkräftigen Partner ins Spiel zu bringen. Dieser hat allerdings nach einer Kapitalerhöhung die Aktienmehrheit übernommen. Heute sagt Beerli, dass ihm sein Lebenswerk damit «gestohlen» wurde. Als Minderheitsaktionär konnte der Gründer den Verkauf nicht mehr vermeiden. Zwar blieb Beerli noch das Musenalp Magazin mit 1,25 Millionen Exemplaren in Deutschland, und er verhandelte bereits über das Lancieren eines Musenalp Forums in der DDR. Mit dem Fall der Mauer hatten aber seine wichtigsten Partner Post und Bahn im wieder vereinten Deutschland plötzlich ganz andere Prioritäten als den Aufbau eines Jugendmagazins. Bei Verhandlungen mit einer Druckerei in Leipzig hat der Schweizer Verleger dafür seine spätere Frau kennen gelernt.
Dass Beerli zum Verleger des erfolgreichsten Schweizer Jugendmagazins wurde, erscheint im nostalgischen Rückblick eher zufällig. Er arbeitete zuerst als Buchhalter und landete später als Sekretär bei einer Jugendorganisation in Luzern. Dort kreierte er für Lehrlinge und Schüler eine Legi, mit der sie vergünstigt einkaufen sollten. Weil die Händler nicht mitspielen wollten, hat Beerli selbst ein paar Warenposten zusammengekauft und diese per Flugblatt an den Schulen bekannt gemacht. «Wieso diese Flugblätter nicht mit ein paar Texten anreichern, die von den Schülern selbst verfasst werden?», war bald die Frage. Schon nach dem ersten Aufruf wurde der Musenalp Express mit Texten zur Befindlichkeit der damaligen Jugend überschwemmt.
An ein grosses Bedürfnis nach einer offenen Plattform für jugendlichen Zeitgeist glaubt Beerli auch wieder bei seinem neuen Projekt.
Othmar Beerli, der im Unruhestand lebende Verleger, «muss wieder ein Heft machen».
Andreas Panzeri
Beerli telefonierte sofort Jorge Chaves. Bei diesem Verleger von sechs Zeitschriften in St. Gallen ist der ursprüngliche Musenalp Express nach einer langen Odyssee durch verschiedene Unternehmen schliesslich gelandet. Aus dem legendären Jugendtitel wurde in der Abkürzung das Trendmagazin MEX. Eine Chance für Chaves, mit Beerli eine viel versprechende Kooperation einzugehen. «Unsere Zusammenarbeit ermöglicht den Relaunch des Musenalp Express. Dieser soll die jungen Leserinnen und Leser später als Erwachsene auch zum Trendmagazin MEX hinführen», verrät Beerli.
Das Comeback des Musenalp Express mit einer Auflage von
330000 kostenlosen Exemplaren ist für den 1. März angesagt. Noch vor dem Anzeigenschluss am 15. Februar zeichnet sich ab, dass die Zeitschrift mehr Umfang als die letzte Woche angekündigten 64 Seiten umfassen wird. «Das Konzept, das Heft genau gleich wie im Original auferstehen zu lassen, hat viele begeisterte Reaktionen ausgelöst.» Als Partner bereits wieder dabei sind Die Post, Swisscom und SBB. Die Farbseite für 12800 Franken weckt auch bei anderen Anbietern von Jugendprodukten grosses Interesse. Der Inhaber einer Vertriebsfirma ist zu Othmar Beerli nach Ennetbürgen gepilgert, um die Installation eines Elektronik-Shops im Musenalp Express zu besprechen. CD-Händler wollen mit Prozentangeboten mitmachen, ebenso wie Fotolabors. Neu ist, dass Beerli nicht mehr selbst als Versandhändler auftreten will. «Ich wurde Versandhändler wider Willen, weil die Händler keinen Ausbildungsrabatt geben wollten.» Im neuen Heft vermittelt er nur noch die Kontakte.
Im alten System wurden jährlich 80000 Pakete verschickt. 250000 Kunden waren auf der Kartei des Musenalp Express. Mit dem Discount-Versand für Jugendliche sind 1989 noch 25 Millionen Franken Umsatz erzielt worden. Das hat die Bank bewogen, auch einen finanzkräftigen Partner ins Spiel zu bringen. Dieser hat allerdings nach einer Kapitalerhöhung die Aktienmehrheit übernommen. Heute sagt Beerli, dass ihm sein Lebenswerk damit «gestohlen» wurde. Als Minderheitsaktionär konnte der Gründer den Verkauf nicht mehr vermeiden. Zwar blieb Beerli noch das Musenalp Magazin mit 1,25 Millionen Exemplaren in Deutschland, und er verhandelte bereits über das Lancieren eines Musenalp Forums in der DDR. Mit dem Fall der Mauer hatten aber seine wichtigsten Partner Post und Bahn im wieder vereinten Deutschland plötzlich ganz andere Prioritäten als den Aufbau eines Jugendmagazins. Bei Verhandlungen mit einer Druckerei in Leipzig hat der Schweizer Verleger dafür seine spätere Frau kennen gelernt.
Dass Beerli zum Verleger des erfolgreichsten Schweizer Jugendmagazins wurde, erscheint im nostalgischen Rückblick eher zufällig. Er arbeitete zuerst als Buchhalter und landete später als Sekretär bei einer Jugendorganisation in Luzern. Dort kreierte er für Lehrlinge und Schüler eine Legi, mit der sie vergünstigt einkaufen sollten. Weil die Händler nicht mitspielen wollten, hat Beerli selbst ein paar Warenposten zusammengekauft und diese per Flugblatt an den Schulen bekannt gemacht. «Wieso diese Flugblätter nicht mit ein paar Texten anreichern, die von den Schülern selbst verfasst werden?», war bald die Frage. Schon nach dem ersten Aufruf wurde der Musenalp Express mit Texten zur Befindlichkeit der damaligen Jugend überschwemmt.
An ein grosses Bedürfnis nach einer offenen Plattform für jugendlichen Zeitgeist glaubt Beerli auch wieder bei seinem neuen Projekt.
Othmar Beerli, der im Unruhestand lebende Verleger, «muss wieder ein Heft machen».
Andreas Panzeri
