Grüsse aus dem Homeoffice – Folge 19: Dennis Lück, Jung von Matt/Limmat
Woche 5 im Lockdown Light: Die Serie «Grüsse aus dem Homeoffice» macht einen Abstecher in den Kanton Aargau und besucht Dennis Lück, CCO von Jung von Matt/Limmat, in Wohlen.

Dennis Lück ist Chief Creative Home Officer bei Jung von Matt/Limmat. Sein Homeoffice befindet sich in Wohlen im Aargau.
Werbewoche.ch: Seit wann befinden Sie sich im Homeoffice?
Dennis Lück: Seit März 1997, zumindest gefühlt. Faktisch seit 13.03.2020.
Befindet sich Ihre ganze Agentur im Homeoffice?
Ja, die ganze Gang ist seither im Homeoffice-Betrieb.
Hatten Sie bei der Einrichtung Ihres Arbeitsplatzes mit technischen Problemen zu kämpfen?
Nach 30 Durchläufen muss man die Kaffeemaschine entkalken. Das stellt jedes Mal eine massive Herausforderung für mich dar. Wenn man die Maschine einmal links hinten tritt und gleichzeitig viermal laut «Scheisse» schreit, dann geht sie wieder. Das habe ich so am vierten oder fünften Tag festgestellt. Das ist das einzige technische Hindernis. Ansonsten funktioniert alles einwandfrei.

Wo haben Sie sich eingerichtet?
In meinem Musikzimmer, denn ich habe nichts, was man auch nur annähernd Office nennen könnte. Zuerst habe ich es im Wohnzimmer probiert, dort wurde ich dann mit Zuhilfenahme von drei Playstation-Controllern rausgeprügelt. Also ab runter in den Moshroom im Keller, W-Lan-Repeater aufgebaut und dann sämtliche Systeme auf volle Schubkraft.
Was benötigen Sie alles, um Ihrer Tätigkeit nachgehen zu können?
30 Tassen Kaffee am Tag. Himmel, wie ich die Kaffeemaschine im Office vermisse.
Ist es schwierig, sich genügend abzugrenzen, wenn die Kinder zuhause sind?
Welche Abgrenzung? Ich habe versucht, eine Abgrenzung zu schaffen und zu definieren und ein paar Regeln aufzustellen. Beispielsweise, wenn die Tür zu ist, muss Papi in Ruhe arbeiten. Totaler Fail. Oder haben Sie schon mal ein Kind erlebt, dass sich von einer geschlossenen Tür aufhalten lässt? Aber ganz ehrlich: Ich liebe es. Wenn man etwas Schönes an der Situation feststellen möchte, dann ist es genau das: die fehlende Abgrenzung. Wir sind alle auf einem Haufen, meine Kids erleben, was ich den ganzen Tag mache und umgekehrt. Und mittlerweile malen Sie beispielsweise Schadenskizzen für Mobi, um mich zu unterstützen. Ich glaube, die sägen bald an meinem Stuhl. (lacht)

Haben Sie Homeoffice-Erfahrung oder handelt es sich um eine Premiere?
Erfahrung ja, Routine nein. Natürlich bin ich schon das ein oder andere Mal zuhause geblieben, weil es erforderlich war. Aber mehrere Wochen am Stück? Was das mit einem macht, hat schon Premiere. Ich hatte vor drei Wochen noch langes, wallendes Haupthaar. Und jetzt? Schauen Sie mich an. Das ist der Effekt von Homeoffice.
Aufgrund der bisherigen Erfahrungen: Welche Prozesse gestalten sich im Vergleich zum normalen Agenturalltag schwierig?
Einer unserer Hashtags beschreibt es perfekt: #kreationtrotzisolation. Wie schafft man es, trotz der Distanz alle kollaborativen Systeme aufrechtzuhalten? Toll ist: Mittlerweile sind alle an alle Tools gewöhnt. Jeder zoomt, setzt Post-its auf Miro und alle slacken, was das Zeug hält. Kollaboration in Isolation funktioniert also sehr gut.
Welche Arbeiten klappen problemlos?
Ehrlicherweise klappt alles so gut oder so nicht gut wie vorher auch.
Gibt es etwas, was sogar einfacher oder produktiver funktioniert im heimischen Büro?
Für mich persönlich hat sich die produktive Zeit des Tages um zwei Stunden verlängert. Ich stehe ja eh gerne früh auf und da ich jetzt nicht mehr nach Zürich fahren muss, kann ich den Zeitgewinn auch noch hinzufügen. Das ist wunderbar. Und generell denke ich, dass sich die Meeting-Effizienz drastisch verbessert hat, und zwar innerhalb der kompletten Branche. Virtuelle Meetings scheinen verbale Ausschweifungen einzudämmen.
Was tun sie dagegen, dass Ihnen die Decke auf den Kopf fällt?
Ich bin ja im Musikzimmer. Meine Lieblingsgitarre ist nur etwa zwei Meter entfernt von mir. Dann reisse ich den Eddie-Van-Halen-Amp bis auf 11 auf und beglücke die Nachbarschaft mit einem virtuos improvisierten Slayer-Metallica-Pantera-Gemisch.

Was vermissen Sie am meisten am physischen Agenturalltag?
Da gibt es ja fast schon den Klassiker unter den Antworten: Ich vermisse meine Kollegen. Klischee-Antwort, klar. Aber was genau vermisst man denn? Es klappt ja alles, ich sehe sie alle auf dem Screen öfter als je zuvor. Also was genau ist es? Schön formuliert: der natürliche Austausch, die Collision Zones. Plump formuliert: das Bier und der Auge-in-Auge-Trash-Talk dazu. Das vermisse ich wirklich.
Sind Sie zuversichtlich, dass Ihre Agentur die Krise unbeschadet überstehen wird?
Unbeschadet übersteht den Zirkus niemand. Wirklich niemand. Wir als Jung von Matt sind robust, gross, kreativ und flexibel genug, aber auch wir kriegen die Schrammen unserer Kunden direkt indirekt ab.
Bekanntlich hat alles auch seine positiven Seiten. Was ist es in Ihrer aktuellen Homeoffice-Situation?
Ich wünsche mir, dass wir den Effizienz-Gewinn und den natürlichen Umgang mit virtuellen Tools beibehalten. Das schafft mehr Zeit und Raum für anderes.
Wann und wieso haben Sie im Zusammenhang mit dem Homeoffice zum letzten Mal gelacht?
Welche Kategorie Lachen ist gemeint? Herzhaftes, dauerhaftes, kindisches Gelächter? Das war gestern Abend im virtuellen Apéro, als wir alle englische Pubs als Zoom-Hintergrund hatten und jeder ein Gläschen Schnaps kippte. Hysterisches Lachen? Vor 5 Minuten im letzten Call. Die Lach-Taktung ist nach wie vor sehr hoch bei mir, keine Sorge.
Was möchten Sie Ihren Branchenkolleginnen und -kollegen mit auf den Weg durch die Krise geben?
Ich bin weit davon entfernt, hier schlaue Ratschläge verteilen zu wollen. Bleibt bitte einfach alle gesund. Oh doch, einen Tipp habe ich von einem saarländischen Virologen. Der hat empfohlen, mehr Schnaps zu trinken. Denn harter Alkohol zerstört die Schutzhülle des Virus. Also, Cheers, und hoffentlich auf bald, wieder live und in Farbe.

Das Coronavirus hat die Gesellschaft fest im Griff. Wer zuhause bleiben kann, bleibt zuhause. Auch die Werbe-, Kommunikations- und Marketingbranche verlagert den Betrieb grossflächig ins Homeoffice. Mit der Serie «Grüsse aus dem Homeoffice» beleuchtet Werbewoche.ch den Berufsalltag in den heimischen vier Wänden.
Bisher erschienen:
- Folge 1: Peter Brönnimann, Publicis
- Folge 2: Daniel Zuberbühler, Sir Mary
- Folge 3: Christoph Bürge, Metzger Rottmann Bürge
- Folge 4: Jeff Gerber, Komet
- Folge 5: Roman Reichelt, Credit Suisse
- Folge 6: Markus Hammer, Equipe
- Folge 7: Frank Bodin, Bodin Consulting
- Folge 8: Michi Frank, Goldbach Group
- Folge 9: Gioia Bozzato, ADC Switzerland
- Folge 10: Michael Kamm, Agence Trio
- Folge 11: Katja Metz, Leo Burnett
- Folge 12: Karin Estermann, Inhalt und Form
- Folge 13: Leone Ming, Leone Ming Est.
- Folge 14: Guntram Friede, Salesforce
- Folge 15: Claudia Lässer, Teleclub
- Folge 16: Moreno Cavaliere, Gruppo Corriere del Ticino
- Folge 17: Tino Krause, Facebook
- Folge 18: Tanja Hollenstein und Peter Riegel, Riverside
