Grenzen verbinden

Gastkommentar Die Medienlandschaft Schweiz hat Potenzial für eine vertiefte Zusammenarbeit mit Europa, sagt Manuel Friesecke.

Gastkommentar Die Medienlandschaft Schweiz hat Potenzial für eine vertiefte Zusammenarbeit mit Europa, sagt Manuel Friesecke.Wie praktisch sind doch Landesgrenzen: Sie
definieren für Verleger und Redakteure wie auch für Marketingfachleute
den Markt, den es hauptsächlich zu
bearbeiten gilt, und gewährleisten einen relativen Schutz vor
ausländischer Konkurrenz. Wer im Nachbarland Medien verkaufen oder
seine Kommunikationsprodukte verbreiten will, sieht sich mit anderen
rechtlichen Rahmenbedingungen und anderen kulturellen Hintergründen
konfrontiert.

Trotz stetig wachsendem Informationsaustausch und zunehmender
Globalisierung bleiben nationale Grenzen deutlich spürbar. Herkömmliche
Medien haben in der Regel ein beschränktes Einzugs- und
Verbreitungsgebiet. Anzeigenmärkte funktionieren fast ausschliesslich
national. Die Spielregeln für professionelles Marketing oder die
Kommunikation zwischen Kultur- und Medienschaffenden variieren von Land
zu Land. Es sind nicht zuletzt die Sprachgrenzen und die damit
einhergehenden interkulturellen Unterschiede, welche auch wesentliche
Hindernisse für den grenzüberschreitenden Informationsaustausch
darstellen. So dominieren z. B. in der Schweiz und in Deutschland
ausser bei Gratis- und Sonntagszeitungen die Abonnemente. In Frankreich
dagegen ist bei den Tageszeitungen der Kiosk-Verkauf dominant, was auf
die Gestaltung der Titelseiten abfärbt.

Die Funktion und das Verständnis von Grenzen haben sich in Europa in
den vergangenen Jahrzehnten gewandelt. Grenzen sind nicht mehr
Trennlinien, sondern führen mit dem gemeinsamen Binnenmarkt die
Menschen in einem
gemeinsamen Europa zusammen. Auch für den Bereich der Medien und
Kommunikation haben sich dadurch grenzüberschreitend zahlreiche
Schnittstellen ergeben.

Als europäische Pilotregion für grenzüberschreitende Zusammenarbeit
gilt die Oberrheinregion mit den Städten Karlsruhe, Freiburg,
Strasbourg, Colmar und Basel. Zahlreiche Medien- und
Kommunikationsprojekte wurden hier in den letzten zwanzig Jahren
realisiert und die Vernetzung der Medienverantwortlichen gefördert.
Diese Zusammenarbeit ist ein Spiegelbild der verstärkten gemeinsamen
grenzüberschreitenden Identität. 100 000 Grenzgängerinnen und
Grenzgänger überqueren täglich die Grenze am Oberrhein, um im
Nachbarland einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Schwarzwald, Vogesen
und Jura sind Ausflugs- und Naherholungsziele. Was am Oberrhein
offensichtlich ist, gilt auch für die Schweiz. In der Schweiz gibt es
keinen Punkt, der weiter als 100 Kilometer Luftlinie von der
Landesgrenze entfernt ist. Diese Tatsache zeigt das Potenzial einer
vertieften Zusammenarbeit in einer Schweiz und einem Europa der Zukunft
auf – auch im Bereich der Medien und der Kommunikation.

 Manuel Friesecke ist stv. Geschäftsleiter des Vereins Regio Basiliensis, Schweizer Partnerin für die Oberrheinkooperation.

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