Frohe Ostern

Simone Keller über die Kraft von negativen Prognosen und positivem Denken.

Simone Keller über die Kraft von negativen Prognosen und positivem Denken.Läufts eigentlich besser, seit Sie jammern?», fragte unlängst die Agentur Hochspannung in ihrer Eigenwerbung. Tatsächlich gäbe es einiges zu lamentieren. Zum Beispiel, dass eingefrorene Budgets auch im ausklingenden Jahr ihren Tribut sowohl bei Agenturen wie bei den Medien forderten. Selbstverständlich erhellten 2004 etliche Lichtblicke die Düsternis am Schweizer Wirtschaftshimmel. Aber wie es scheint, bleiben negative Ereignisse in der Kollektiverinnerung besser haften.
Traditionsgemäss widmete die Werbewoche in ihrer letzten Jahresausgabe jeweils mehrere Seiten den Branchenhöhe- und tiefpunkten der vorangegangenen Monate. Diesmal nicht. Treu dem abgelutschten Motto «Aufschwung beginnt im Kopf», blicken auch wir an der Schwelle zum Jahr 2005 lieber in die Zukunft.
Schliesslich leidet das Branchenblatt selbst seit einiger Zeit an der heimtückischen Schwindsucht, die momentan im Schweizer Blätterwald grassiert. Ob die vielerorts angeordneten Schröpfkuren langfristig zur Genesung beitragen, wissen nicht einmal die Ärzte. Letztlich hängt die Heilung vom Willen des Patienten ab. Angesichts der bitteren Pillen, welche die Spezialisten so zahlreich verschreiben, drängt sich die Frage auf: Wollen wir vielleicht nicht gesund werden?
Erst vor einem Monat korrigierte die Grossbank UBS ihre Konjunkturprognose 2005 nach unten. Dies stimmt alles andere als optimistisch. Es mag ja vermessen klingen: Aber welches Potenzial hätten die UBS-Experten entfesseln können, hätten sie ihre Prognosen zu Gunsten des lang ersehnten Wirtschaftsaufschwungs geschönt? In Bilanzen wird dieses Instrument immer mal wieder eingesetzt. Und dafür, dass Unwahrheiten oft Grösseres bewirken als die Wahrheit selbst, gibts in den Annalen genügend Beweise.
Im Falle der Wirtschaftsprognosen könnten die Auswirkungen sehr positiv sein: Investieren statt sparen. Vorausschauen, statt zurück- blicken.
In diesem Sinne wünscht das Werbewoche-Team allen schon heute frohe Ostern und geht in die wohl verdiente Sommerpause.
> Simone Keller, Redaktorin

More articles on the topic