Freenet behält Sunrise-Aktien in jedem Fall
Auch wenn Grossaktionär Freenet gegen eine UPC-Übernahme ist: Die Aktien will das deutsche Telekom-Unternehmen auch behalten, sollte sich die ausserordentliche GV für einen Kauf aussprechen. Ein Whitepaper zeigt ausserdem: Es gibt gute Gründe für eine Übernahme.

Wie die Schweiz am Wochenende in ihrer aktuellen Ausgabe schreibt, wird Freenet auch im Falle einer UPC-Übernahme an Bord bleiben. «Egal wie das ausgeht, wir schauen uns das Thema, unsere Aktienposition dort zu verändern, erst 2021 wieder an», sagt Freenet-CEO Christoph Vilanek gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Um UPC für 6,3 Milliarden Franken kaufen zu können, müssen die Sunrise-Aktionäre einer Kaptialerhöhung von 4,1 Milliarden Franken zustimmen. In diesem Fall würde der Aktienanteil des grössten Aktionärs Freenet – das Unternehmen hält heute 24,5 Prozent – schrumpfen. Sunrise wird an der Börse derzeit mit knapp 3,6 Milliarden Franken bewertet. Ob die Eigentümer einem Kauf zustimmen, zeigt sich am 23. Oktober an der ausserordentlichen Generalversammlung.
«…dann gute Nacht!»
Freenet ist gegen einen UPC-Kauf, weil man der Ansicht ist, dass 5G das Kabelnetz, auf das Sunrise «scharf» ist, ohnehin überflüssig machen wird. «Ich glaube, dass in fünf Jahren das TV-Kabel völlig unbedeutend ist», sagte Vilanek vergangene Woche zur Nachrichtenagentur AWP. «Wenn der Deal eh schon teuer ist und nur fünf Jahre für die Amortisierung bleiben, dann gute Nacht!»
UPC rüstet im Kampf um Bandbreiten auf
Derweilen denkt UPC nicht daran, das Datenthema den 5G-Betreibern Swisscom, Sunrise und Salt zu überlassen. Vergangene Woche erhöhte das Unternehmen schweizweit die Geschwindigkeit auf 1Gigabit pro Sekunde. Mit überschaubaren Investitionen soll UPC in Zukunft Geschwindigkeiten bis zu 10 Gigabit pro Sekunde erreichen können. Das schafft in der Schweiz – zumindest auf dem Papier – erst Salt Fibre via Glasfaser. In Zukunft sollen die UPC-Netze sogar Geschwindigkeiten bis zu 25 Gigabit pro Sekunde zulassen. Wer diesen irrwitzigen Speed einst benötigen sollte, ist noch unklar – für die Zukunft gerüstet scheint man jedenfalls beim grössten Kabelnetzbetreiber, der nach eigenen Angaben 6 Millionen Menschen erreichen kann.
5G ist (noch) längst nicht so überlegen, wie Freenet annimmt
Hinsichtlich der 5G-Argumentation gibt es gute Gründe für Sunrise, dennoch auf UPC zu setzen. Sunrise hat Experte Marc Furrer mit einem Whitepaper beauftragt, welches den Wert des Kabelnetzes herausstreichen soll. Der NZZ am Sonntag liegt das Gutachten vor – die Zeitung fasst die wichtigsten Punkte zusammen:
- 5G ist wesentlich schneller als die heutigen Mobilfunk-Verbindungen. An die Bandbreiten von Glasfaser oder einer glasfaserunterstützten Coax-Verbindung (wie sie UPC hat) kommt 5G noch lange nicht heran.
- Private und Unternehmen verlangen ständig höhere Bandbreiten – etwa für Filme oder Games. 5G wird diesen Bedarf noch lange nicht decken können.
- Um 5G zu betreiben, müssen die Antennen ans Festnetz angeschlossen sein. Das UPC-Netz hilft hier auch Sunrise als Mobilfunkbetreiber.
- Die Kapazität von 5G ist besonders innerhalb von Gebäuden stark eingeschränkt.
- Der Ausbau von 5G wird durch den Widerstand der Bevölkerung gebremst. Der Autor des Whitepapers bezeichnet diesen als «zugegebenermassen irrational».
Konkurrenz könnte von Übernahme profitieren
Die NZZ am Sonntag fügt weitere Vorteile einer Übernahme an. Etwa könnten die teuren Sportrechte, welche der UPC-Sender MySports erwirbt, auf mehr Kunden verteilt werden. Zudem würde Sunrise den Markteintritt eines ausländischen Konkurrenten verhindern und die Position als Nummer zwei im Land auf Jahre hinweg zementieren.
Die Zeitung gibt aber auch zu bedenken, dass gerade Aktionäre, welche sich kurz- oder mittelfristig bei Sunrise engagieren, mehr zu verlieren als zu gewinnen haben. Die Integration von UPC in Sunrise wird weder schnell, noch reibungslos über die Bühne gehen. Darin sieht laut ZKB-Analyst Andreas Müller auch die Konkurrenz eine Chance: In der Übergangsphase hoffe beispielsweise die Swisscom, Kunden, die man in den letzten Jahren an Sunrise verloren habe, wieder zurückzugewinnen.
