FORZA! live im Papiersaal: Blick-Podcast wird zur Bühne

Die erste Liveausgabe des «Blick»-Podcasts FORZA! im Zürcher Papiersaal zeigte, wie Fussballdebatte als Bühnenshow funktioniert – mit Tobias Wedermann und Florian Raz als Hosts sowie Blerim Dzemaili, Alex Frei und Pascal Schürpf auf dem Podium.

Wer Podcasts hört, kennt das Phänomen: Nach einigen Folgen entsteht eine eigentümliche Nähe. Stimmen werden vertraut, Running Gags werden wiedererkannt, Einschätzungen lösen Widerspruch oder Zustimmung aus – und irgendwann fühlt sich ein Format nicht mehr wie Content an, sondern wie ein Treffpunkt.

Im Papiersaal in Zürich bekam dieser Treffpunkt eine Adresse. Rund 200 Gäste füllten den Raum, als FORZA! – der Fussballpodcast des «Blick», gestartet im September 2024 – zum ersten Mal live vor Publikum aufgezeichnet wurde. Aus dem «Play» auf Smartphone und Computer wurde ein gemeinsamer Abend: nicht als Talkshow-Kopie, sondern als Verlängerung dessen, was das Format im Digitalen bereits ist.

Talkrunde im Papiersaal in Zürich: Florian Raz, Tobias Wedermann, Alex Frei, Blerim Dzemaili und Pascal Schürpf

679 Super-League-Spiele auf dem Podium

Tobias Wedermann (Fussball-Chef) und Florian Raz (Fussball-Reporter) führten als Hosts durch den Abend – mit jener Mischung aus Struktur und Lockerheit, die Podcasts so oft stark macht. Für die Livepremiere holten sie ein Panel, das nicht nur Namen mitbringt, sondern Rollen:

  • Blerim Dzemaili, FCZ-Legende und Ex-Nationalspieler
  • Alex Frei, Rekordtorschütze der Nationalmannschaft und frühere FCB-Ikone
  • Pascal Schürpf, aktiver Super-League-Spieler und erfahrener Stürmer

Die Zahl, die im Raum mitschwang: 679 Super-League-Spiele, dazu 11 Meistertitel und 7 Cupsiege – als verdichtete Fussballbiografie, die dem Gespräch sofort Schwerkraft gab, ohne dass es feierlich werden musste.

Keine Stammtischkulisse, sondern Reibung mit Substanz

Live-Podcasts kippen schnell in zwei Richtungen: Entweder wird es zu brav, weil die Bühne hemmt – oder zu laut, weil das Publikum «Momente» will. FORZA! fand einen dritten Weg: Unterhaltend, ja. Aber nicht als Slapstick. Sondern als Debatte, die auch dort genauer wird, wo es wehtut.

Das Zürcher Stadion als Dauerthema

Beim Thema Infrastruktur wurde der Ton spürbar ernster. Dzemaili nannte es «beschämend», dass Zürich kein reines Fussballstadion habe. Frei knüpfte an eigene Erinnerungen an den alten Hardturm an und beschrieb, wie die Leichtathletikbahn im Letzigrund Distanz schafft – räumlich und atmosphärisch. Es war einer dieser Momente, in denen der Raum kurz stiller wird: weil das Publikum nicht nur zuhört, sondern mitdenkt.

GC, Identität und ein Verein zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Auch die Lage bei GC wurde nicht als Pointe verhandelt, sondern als Entwicklung. Frei legte dar, dass der Rekordmeister sportlich über Jahre zu wenig Konstanz gezeigt habe – mit Folgen für Wahrnehmung, Ambition und die Frage, wofür der Klub heute steht. In der Diskussion wurde deutlich: Wenn ein Verein seine Linie verliert, verliert er nicht nur Punkte, sondern auch Erzählung – und damit ein Stück Marke.

Alex Frei, ehemaliger Nationalspieler und neuer U21-Natitrainer für die Schweiz

Taktik, Transferpolitik und die Frage nach «Typen»

Besonders konkret wurde es bei der Kaderlogik. Frei thematisierte den Jugendwahn, den er bei Clubs beobachtet: Es brauche eine Achse erfahrener Spieler (27 bis 30), damit junge Talente nicht nur laufen, sondern wachsen können. Schürpf ergänzte aus Spielerperspektive: In Krisen brauche es «Typen», die Verantwortung übernehmen – nicht nur Versprechen auf den nächsten Schritt ins Ausland.

Florian Raz (rechts) ist Ende 2024 zum Schweizer Sportjournalisten des Jahres ausgezeichnet worden.

Kabinengeschichten als Klebstoff

Was live anders funktioniert als im Studio: Anekdoten setzen sofort. Schürpf erzählte von Trainingsalltag, von Reibung, die früher auch mal handfest wurde, «um die Luft zu reinigen» – und davon, wie sich Dynamiken verändern, wenn überall Kameras sind und jede Szene potenziell skandalisiert wird. Es waren diese Einblicke, die das Publikum hörbar abholen: nicht, weil sie spektakulär sind, sondern weil sie das Spiel hinter dem Spiel zeigen.

Vom Podcast zur Bühne: Produktlogik statt Einzelgag

Aus m&k-Sicht ist an diesem Abend weniger die «Show» interessant als die Strategie dahinter: Der «Blick» führt ein digitales Format in die physische Welt – und macht aus einer regelmässigen Publikation einen Anlass. Das schafft Bindung, weil es die Beziehung umdreht: Nicht nur das Medium kommt zum Publikum, das Publikum kommt zum Medium.

Tobias Wedermann beschrieb im Gespräch genau diese Dynamik: «Es gibt so eine Community… und ich glaube, das ist ein gesellschaftlicher Trend, dass man sich dann so trifft und zusammen live voll macht.» Übersetzt in Medienlogik: Audio wird Event, Reichweite wird Begegnung, Content wird Ritual.

Und: Solche Abende öffnen neue Vermarktungsflächen, ohne dass es zwingend nach klassischer Werbung aussehen muss. Gerade mit Blick auf die WM 2026 sind Liveformate eine Plattform, auf der Marken im Fussballkontext präsent sein können – nicht als Unterbruch, sondern als Teil des Erlebnisses.

Ausblick: Das Format will reisen

Die Zürcher Premiere soll nicht zwingend ein Einzelstück bleiben. Wedermann deutete an, dass weitere Gastspiele in Fussballstädten wie St. Gallen, Luzern oder Bern denkbar sind. Wenn es dazu kommt, wäre das die nächste Stufe derselben Idee: FORZA! nicht nur als Podcast, sondern als wanderndes Lagerfeuer der Schweizer Fussballöffentlichkeit.

Fazit: FORZA! live zeigt, wie ein Medienformat seine eigene Plattform erweitert: vom Feed in den Raum. Nicht als PR-Gag, sondern als nachvollziehbarer Schritt in einer Zeit, in der Community, Nähe und Wiedererkennung zu harten Währungen geworden sind.

 

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