Ein Werber erobert die Bühne
People Die Zeit wird immer schnelllebiger.
People Die Zeit wird immer schnelllebiger.Brauchte es früher ein ganzes Lebenswerk sowie einige Jahre «Ruhe in Frieden», bis eine Figur als historisch angesehen und damit vielleicht in einem Drama verewigt worden ist, so reichen heute bereits ein paar Monate Headlines und ein Logo, damit ein Charakter Bühnenreife erhält. «Das ist doch Tyler Brûlé», raunten jedenfalls alle im Publikum, als ein junger Typ mit unverkennbarer Werberfrisur am letzten Samstag durch das neueste Stück von Christoph Marthaler geisterte. Im Zürcher Schauspielhaus durfte die Brûlé-Parodie einen Art Director mimen und bei der heftig applaudierten Revue «Groundings» in einer Präsentation darlegen, wieso er als Werbung für die Swiss am liebsten Plakate mit nichts anderem als einer grauen Fläche aufhängen würde. Dazu hat der Bühnen-Brûle mehrmals sehr eigenartig gezuckt und mit Hilfe eines Bühnentricks dreimal veritabel auf die Bretter gekotzt, die bekanntlich die Welt bedeuten. «Der kokst», raunte es im Publikum. Aber im Programmheft konnte man beruhigt nachlesen: «Jede Ähnlichkeit mit ähnlichen Figuren ist rein zufällig.»
