Dünner!
Werbewoche-Redaktor René Worni über das Werdstrassen-Mantra
Wir erinnern uns: Vor dreieinhalb Jahren rief der Tages-Anzeiger sein strategisches Credo aus, der Tagi müsse in seinem Kerngebiet, im Zürcher Speckgürtel, wachsen. Denn zuvor war misslungen, das Blatt zu einer grossauflagigen nationalen Tageszeitung zu machen. Die Strategen an der Werdstrasse bauten daraufhin ein kostspieliges Netz mit Regionalredaktionen auf, womit man den angestammten Regionaltiteln die Abonnenten und die Inserenten abjagen wollte. Zwei Jahre Tagi-Lokaljournalismus später hat sich der gewünschte Effekt (noch) nicht eingestellt. Der Tagi hat massiv an Reichweite eingebüsst, und auch die Grossauflage vermochte die Zürcher Landzeitungen nicht ansatzweise in die Knie zu zwingen. Und noch immer vermögen die Split-Redaktionen mit viel zu früh angelegten Abschlusszeiten die Konkurrenz nicht ins Schwitzen zu bringen, fehlen zwei wichtige Tagi-Splits im Limmattal und in Winterthur und wird die Grossauflage bei weitem nicht flächendeckend verteilt. Die Strategie sei auf fünf bis zehn Jahre angelegt, murmelt man das Mantra an der Werdstrasse. Der Tagi steckt in der Sackgasse – Zeit, das Flaggschiff den Zeichen der Zeit anzupassen und mutig – dünner! – zu überholen.
