Drucken ist keine Kunst mehr
Normierung Burki & Scherer arbeitet bei der Einführung des ISO-Standards 12647 mit Druckereien zusammen.
Normierung Burki & Scherer arbeitet bei der Einführung des ISO-Standards 12647 mit Druckereien zusammen.An einer Druckmaschine soll ein Auftrag produziert werden. Doch auch nach stundenlangem Abstimmen ist keine Annäherung des Druckergebnisses an den Farbreferenz-Proof in Sicht. Ratlose Gesichter und Enttäuschung seitens des Werbers und Kunden sowie ein unzufriedener Drucker sind das Resultat. Dies ist leider kein seltenes Szenario – und müsste auch nicht vorkommen. Denn eine standardisierte Produktion zum Beispiel nach der ISO-Norm 12647 (siehe Kasten) räumt mit diesem Dilemma auf.
ISO-Norm kontra HausstandardDas Unternehmen für visuelle Kommunikation und Medientechnik, die Burki & Scherer AG in Oftringen, setzt sich seit fast zwei Jahren intensiv mit dieser Thematik auseinander. Dort weiss man aus Erfahrung, dass die Mehrheit der Druckereien heute nach eigenen, so genannten Hausstandards arbeitet. Das führt zwar betriebsintern zu einer mehr oder weniger guten Beherrschung der Prozesse, dabei wird aber vom Trugschluss ausgegangen, dass die Druckergebnisse einem absoluten Qualitätsanspruch genügen.
Ein weiteres Beispiel aus der Praxis: Für eine internationale Kampagne werden Teilauflagen an unterschiedlichen Standorten gedruckt. Am Ende erhält der Kunde so viele verschiedene Druckresultate, wie Druckereien an der Ausführung beteiligt waren. Keiner der involvierten Auftragnehmer kann allerdings den eindeutigen Beweis antreten, nach allgemein anerkannten und gültigen Regeln produziert zu haben. Spätestens hier wird offensichtlich, dass Hausstandards nicht ausreichen.
Schwarze Kunst oder Qualität?Wenn die Druckindustrie den Schritt zur Industrialisierung schaffen will, muss sie sich von der Vorstellung, das Erbe der «Schwarzen Kunst» fortführen zu müssen, verabschieden. Vor dem Hintergrund einer Internationalisierung des Wettbewerbs sind nicht nur auf operativer Ebene entsprechende Massnahmen zu treffen. Auch beim Qualitätsverständnis gilt es, Schritte zur Rationalisierung sowie Beweisgrundlagen zu erarbeiten, die einerseits zu einer speditiven Abwicklung von Druckaufträgen führen, andererseits Werbeagenturen, Druckereien und den Kunden die Sicherheit für nachvollzieh- und wiederholbare Resultate geben. Von daher ist ein allgemein gültiger Standard wünschenswert, der klare Leitlinien von der Reproduktion der Vorlagen und der Herstellung des Proofs über die Plattenbelichtung bis zum Druckprozess eindeutig vorgibt.
Für die grafische Industrie heisst dieser Standard ISO 12647. Dieser wurde vom deutschen Bundesverband Druck, der deutschen Forschungsgesellschaft Fogra, der European Color Initiative ECI sowie dem Schweizer Kompetenzzentrum für Druckereitechnologie Ugra erarbeitet. Der Standard geht vom Ergebnis auf der Druckmaschine aus und legt, in Abhängigkeit unterschiedlicher Papierklassen (Qualitäten/Stoffklassen, P-qualität), die maschinenspezifischen Tonwertzunahmen und den abzubildenden Farbraum fest. Mit diesen vorgegebenen Eckdaten steht der Vorstufe, dem Proof, der Plattenbelichtung und der Druckerei eine absolut sichere Kommunikationsgrundlage zur Verfügung.
Zusammenarbeit mit DruckereienBei Burki & Scherer sieht man messbare Qualität als ganzheitlichen Prozess. Um diesem Anspruch bis zum gedruckten Endprodukt gerecht zu werden, sucht der Vorstufenbetrieb die Zusammenarbeit mit Druckereien, die ihre Prozesse ebenso auf den ISO-Standard ausgerichtet haben. Dabei stellen die Oftringer Bildspezialisten den Druckereien ihr Know-how und die Erfahrungen bei der Umsetzung der Norm zur Verfügung. Mit eigens entwickelten Kontrollkeilen liefern sie zugleich ein unbestechliches Mittel, mit dem Abweichungen von Soll-Werten visuell schnell erkannt und messtechnisch verifiziert werden können. Gleichzeitig übernimmt das Unternehmen für seine Kunden die Funktion eines «Treuhänders» und überwacht die strenge Einhaltung des Prozessstandards – von der Herstellung der Bilddaten bis zum fertig gestellten Auftrag.
Mehrere Druckereien haben bereits mit Unterstützung von Burki & Scherer die Norm erfolgreich eingeführt. Der Kunde profitiert schliesslich, denn bei den produzierten Drucksachen haben sowohl national wie international tätige Unternehmen die Gewissheit, dass ihre an verschiedenen Orten hergestellten Drucksachen den einheitlichen Auftritt ihrer Marke unterstützen – und dies sowohl visuell sichtbar als auch messtechnisch nachweisbar.
Kein Abstimmen nötigWW Herr Scherer, wofür steht die ISO-Norm 12647?
Toni Scherer Die ISO-Norm beschreibt einen weltweit anerkannten Standard für den Druckprozess und übernimmt die Funktion eines Beweismittels; der Farbreferenz-Proof wird auf jeder Druckmaschine, die innerhalb der Norm produziert, erreicht.
Wer profitiert vom Standard – und wie ist die Akzeptanz in der Schweiz?Die grafische Industrie wie auch die Auftraggeber profitieren von dieser Standardisierung. Weltweit arbeitet fast jede Branche nach einer ISO-Norm – endlich wird auch in der Schweizer Druckindustrie die Notwendigkeit dieses ISO-Standards erkannt.
Sind uns hier andere Länder voraus?Das ist sehr unterschiedlich. In Deutschland ist der ISO-Standard längst eingeführt. Dazu ein eindrückliches Beispiel: Eine renommierte Fahrzeugmarke vergibt ihre Printaufträge nur an ausgewählte Druckereien, die nach diesem Standard arbeiten. Im Ergebnis führt dies zu einer erhöhten Produktionssicherheit, einer verbesserten Qualität und Wirtschaftlichkeit für sowohl den Auftraggeber als auch die Agentur und Druckerei.
Welches Ziel verfolgen Sie und wie wollen Sie vorgehen?Der ISO-Standard 12647 muss in der gesamten Branche umgesetzt werden. Bei der Einführung des Standards werden wir Druckereien weiter unterstützen und für unsere Kunden die Einhaltung der Norm über den ganzen Druckprozess hinweg sicherstellen. Unabhängig davon, ob Drucksachen lokal oder Teilauflagen weltweit gestreut produziert werden, müssen die Druckresultate messbar identisch sein. Zudem wird das aufwändige und unsinnige Abstimmen an der Druckmaschine damit überflüssig. Interview: Jürg Marti
Burki & Scherer Als einer der Ersten in der Schweiz hat der Vorstufenbetrieb Burki & Scherer die ISO-Norm eingeführt. Das 25-köpfige Unternehmen zählt unter anderem Firmen aus der Uhrenbranche, dem Lebensmittelsektor, der Maschinenindustrie sowie Werbeagenturen zu seiner Kundschaft. Seit fast zwei Jahren wird konsequent nach dem ISO-Standard 12647 produziert. Die Kompetenz der Firma beginnt im eigenen Fotostudio und reicht über die Aufbereitung von Bilddaten bis zur Beratung für die Plattenbelichtung und Auflagenproduktion der an der Auftragsabwicklung beteiligten Druckereien. (jm)
Druckstandard Die ISO-Norm 12647 ist ein weltweit verbindlicher Standard, um Druckerzeugnisse nach objektiven Qualitätskriterien zu beurteilen. Dies führt zu einem einfachen und wirtschaftlichen Gesamtprozess bei der drucktechnischen Reproduktion. Der Standard sichert im Dreiecksverhältnis Agentur, Vorstufe, Druck eine rationelle und zuverlässige Arbeitsweise, da ein entsprechender Proof auf jeder Druckmaschine, die innerhalb der Norm produziert, erreicht wird. Er ist Massstab und Beweisinstrument bei der Drucksachenherstellung. (jm)
Toni Scherer, Inhaber und Geschäftsführer bei Burki & Scherer, forciert den Druckprozess nach ISO 12647.
Jürg Marti
ISO-Norm kontra HausstandardDas Unternehmen für visuelle Kommunikation und Medientechnik, die Burki & Scherer AG in Oftringen, setzt sich seit fast zwei Jahren intensiv mit dieser Thematik auseinander. Dort weiss man aus Erfahrung, dass die Mehrheit der Druckereien heute nach eigenen, so genannten Hausstandards arbeitet. Das führt zwar betriebsintern zu einer mehr oder weniger guten Beherrschung der Prozesse, dabei wird aber vom Trugschluss ausgegangen, dass die Druckergebnisse einem absoluten Qualitätsanspruch genügen.
Ein weiteres Beispiel aus der Praxis: Für eine internationale Kampagne werden Teilauflagen an unterschiedlichen Standorten gedruckt. Am Ende erhält der Kunde so viele verschiedene Druckresultate, wie Druckereien an der Ausführung beteiligt waren. Keiner der involvierten Auftragnehmer kann allerdings den eindeutigen Beweis antreten, nach allgemein anerkannten und gültigen Regeln produziert zu haben. Spätestens hier wird offensichtlich, dass Hausstandards nicht ausreichen.
Schwarze Kunst oder Qualität?Wenn die Druckindustrie den Schritt zur Industrialisierung schaffen will, muss sie sich von der Vorstellung, das Erbe der «Schwarzen Kunst» fortführen zu müssen, verabschieden. Vor dem Hintergrund einer Internationalisierung des Wettbewerbs sind nicht nur auf operativer Ebene entsprechende Massnahmen zu treffen. Auch beim Qualitätsverständnis gilt es, Schritte zur Rationalisierung sowie Beweisgrundlagen zu erarbeiten, die einerseits zu einer speditiven Abwicklung von Druckaufträgen führen, andererseits Werbeagenturen, Druckereien und den Kunden die Sicherheit für nachvollzieh- und wiederholbare Resultate geben. Von daher ist ein allgemein gültiger Standard wünschenswert, der klare Leitlinien von der Reproduktion der Vorlagen und der Herstellung des Proofs über die Plattenbelichtung bis zum Druckprozess eindeutig vorgibt.
Für die grafische Industrie heisst dieser Standard ISO 12647. Dieser wurde vom deutschen Bundesverband Druck, der deutschen Forschungsgesellschaft Fogra, der European Color Initiative ECI sowie dem Schweizer Kompetenzzentrum für Druckereitechnologie Ugra erarbeitet. Der Standard geht vom Ergebnis auf der Druckmaschine aus und legt, in Abhängigkeit unterschiedlicher Papierklassen (Qualitäten/Stoffklassen, P-qualität), die maschinenspezifischen Tonwertzunahmen und den abzubildenden Farbraum fest. Mit diesen vorgegebenen Eckdaten steht der Vorstufe, dem Proof, der Plattenbelichtung und der Druckerei eine absolut sichere Kommunikationsgrundlage zur Verfügung.
Zusammenarbeit mit DruckereienBei Burki & Scherer sieht man messbare Qualität als ganzheitlichen Prozess. Um diesem Anspruch bis zum gedruckten Endprodukt gerecht zu werden, sucht der Vorstufenbetrieb die Zusammenarbeit mit Druckereien, die ihre Prozesse ebenso auf den ISO-Standard ausgerichtet haben. Dabei stellen die Oftringer Bildspezialisten den Druckereien ihr Know-how und die Erfahrungen bei der Umsetzung der Norm zur Verfügung. Mit eigens entwickelten Kontrollkeilen liefern sie zugleich ein unbestechliches Mittel, mit dem Abweichungen von Soll-Werten visuell schnell erkannt und messtechnisch verifiziert werden können. Gleichzeitig übernimmt das Unternehmen für seine Kunden die Funktion eines «Treuhänders» und überwacht die strenge Einhaltung des Prozessstandards – von der Herstellung der Bilddaten bis zum fertig gestellten Auftrag.
Mehrere Druckereien haben bereits mit Unterstützung von Burki & Scherer die Norm erfolgreich eingeführt. Der Kunde profitiert schliesslich, denn bei den produzierten Drucksachen haben sowohl national wie international tätige Unternehmen die Gewissheit, dass ihre an verschiedenen Orten hergestellten Drucksachen den einheitlichen Auftritt ihrer Marke unterstützen – und dies sowohl visuell sichtbar als auch messtechnisch nachweisbar.
Kein Abstimmen nötigWW Herr Scherer, wofür steht die ISO-Norm 12647?
Toni Scherer Die ISO-Norm beschreibt einen weltweit anerkannten Standard für den Druckprozess und übernimmt die Funktion eines Beweismittels; der Farbreferenz-Proof wird auf jeder Druckmaschine, die innerhalb der Norm produziert, erreicht.
Wer profitiert vom Standard – und wie ist die Akzeptanz in der Schweiz?Die grafische Industrie wie auch die Auftraggeber profitieren von dieser Standardisierung. Weltweit arbeitet fast jede Branche nach einer ISO-Norm – endlich wird auch in der Schweizer Druckindustrie die Notwendigkeit dieses ISO-Standards erkannt.
Sind uns hier andere Länder voraus?Das ist sehr unterschiedlich. In Deutschland ist der ISO-Standard längst eingeführt. Dazu ein eindrückliches Beispiel: Eine renommierte Fahrzeugmarke vergibt ihre Printaufträge nur an ausgewählte Druckereien, die nach diesem Standard arbeiten. Im Ergebnis führt dies zu einer erhöhten Produktionssicherheit, einer verbesserten Qualität und Wirtschaftlichkeit für sowohl den Auftraggeber als auch die Agentur und Druckerei.
Welches Ziel verfolgen Sie und wie wollen Sie vorgehen?Der ISO-Standard 12647 muss in der gesamten Branche umgesetzt werden. Bei der Einführung des Standards werden wir Druckereien weiter unterstützen und für unsere Kunden die Einhaltung der Norm über den ganzen Druckprozess hinweg sicherstellen. Unabhängig davon, ob Drucksachen lokal oder Teilauflagen weltweit gestreut produziert werden, müssen die Druckresultate messbar identisch sein. Zudem wird das aufwändige und unsinnige Abstimmen an der Druckmaschine damit überflüssig. Interview: Jürg Marti
Burki & Scherer Als einer der Ersten in der Schweiz hat der Vorstufenbetrieb Burki & Scherer die ISO-Norm eingeführt. Das 25-köpfige Unternehmen zählt unter anderem Firmen aus der Uhrenbranche, dem Lebensmittelsektor, der Maschinenindustrie sowie Werbeagenturen zu seiner Kundschaft. Seit fast zwei Jahren wird konsequent nach dem ISO-Standard 12647 produziert. Die Kompetenz der Firma beginnt im eigenen Fotostudio und reicht über die Aufbereitung von Bilddaten bis zur Beratung für die Plattenbelichtung und Auflagenproduktion der an der Auftragsabwicklung beteiligten Druckereien. (jm)
Druckstandard Die ISO-Norm 12647 ist ein weltweit verbindlicher Standard, um Druckerzeugnisse nach objektiven Qualitätskriterien zu beurteilen. Dies führt zu einem einfachen und wirtschaftlichen Gesamtprozess bei der drucktechnischen Reproduktion. Der Standard sichert im Dreiecksverhältnis Agentur, Vorstufe, Druck eine rationelle und zuverlässige Arbeitsweise, da ein entsprechender Proof auf jeder Druckmaschine, die innerhalb der Norm produziert, erreicht wird. Er ist Massstab und Beweisinstrument bei der Drucksachenherstellung. (jm)
Toni Scherer, Inhaber und Geschäftsführer bei Burki & Scherer, forciert den Druckprozess nach ISO 12647.
Jürg Marti
