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Kommentar René Worni über Printmedien zum Schnäppchenpreis.

Kommentar René Worni über Printmedien zum Schnäppchenpreis.Der vormalige Chefredaktor des Springer-Blattes Welt, Roger Köppel, seit nunmehr bald zwei Monaten wieder im Land und als Weltwoche-Chefredaktor in Amt und Würden, daselbst mit 60 Prozent als Anteilseigner zusätzlich unternehmerisch gefordert, hat, so lesen wir in der WOZ, seine Mehrheit an der neu gegründeten Weltwoche-Verlags AG zum Spottpreis von müden 1,2 Millionen Franken bekommen. Die Jean Frey AG ihrerseits bringt im Wert von 2 Millionen Franken ihr Flaggschiff in die neue AG ein und bleibt für 800’000 Franken mit 40 Prozent an selbiger beteiligt. Aha, da ist der Chefredaktor-Mehrheitseigner Köppel zu bestechend günstigen Bedingungen oder zu «sehr favorablen Konditionen» (Leutenegger) zur Weltwoche gekommen. Köppel ist ein wahrer Glückspilz – oder etwa nicht? Ausserdem führt er die Tradition einer aussterbenden Spezies von Verlegerpersönlichkeiten fort, die sowohl publizistisch als auch unternehmerisch tätig sind.
Wie ist das möglich? Gerne wird Köppel als Ziehsohn von Jean Frey Drittelseigner Tito Tettamanti portiert. Es wäre naiv anzunehmen, er habe dem frischgebackenen Jungverleger ein Geschenk gemacht und diesem so zur Mehrheit an der Weltwoche-Verlags AG verholfen. Ein einfacher Sachverhalt half weiter. Die Verlagsrechte am Titel Weltwoche, laut WOZ bis zu 10 Millionen Franken wert, tauchen in den Aktionärsbindungsverträgen nicht auf. Sie sind als immaterieller Wert vom Rest losgelöst und verbleiben – so ist anzunehmen – bei der Jean Frey. 
Mit diesen Konditionen konnte der Deal auf tiefem Niveau über die Bühne gehen, und allen ist dabei gedient: den neokonservativen Kreisen, die Köppel als einzig denkbare Figur im Chefsessel der Weltwoche haben wollten, und auch dem Jean Frey Verlag, dessen Unternehmensergebnisse die immer wieder schlingernde Weltwoche nach unten zog. Selbst wenn er wollte, könnte Köppel die Weltwoche also nicht im Alleingang verkaufen. Sollte sich der Axel Springer Verlag indessen tatsächlich für die Weltwoche interessieren, so hat Springer-Vorstandsvorsitzender Matthias Döpfner über seinen Ex-Untergebenen in Zürich immerhin einen bestens eingeführten Gewährsmann.
René Worni, Redaktor

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