Die Anderen eine Szene machen
Die Streuns mögens effektvoll: Jürg (57), Ivan (26) und Nicolas (22) Streun sorgen dafür, dass Firmeneventszum besonderen Erlebnis werden. Mit Videos, Grafiken, Dekoration, Bühnenbau und Showeinlagen kreieren sie einen unvergesslichen Anlass aus einem Guss – und nennen dieses Vergnügen Szenografie.

Manchmal ist die Arbeit von Jürg Streun zum Heulen. Jedenfalls, wenn er sie gut macht. Dann nämlich bringt der gelernte Dekorationsgestalter seine Klientel zum Weinen. Aber auch Lachen hat Streun im Programm, ganz wie sein Kunde es wünscht. Jürg Streun und seine beiden Söhne Ivan und Nicolas sind die Köpfe von Streun Communications. Die Firma produziert Filme, TV-Spots und Corporate-Videos und bietet unter dem Brand «Die Szenografen» Event-Szenografie an. «Szenografie ist die Kunst, Botschaften virtuos und multimedial in Szene zu setzen und den richtigen Effekt zum richtigen Zeitpunkt zu platzieren, so dass der Betrachter ein Event mit starken Emotionen verlässt», definiert Jürg Streun. Kurz: Szenografie will eine Botschaft erlebbar machen. Das geht zum Beispiel so: Fiat plant eine Händlertagung für rund 400 Personen. Mit dem Anlass will der Autokonzern seine Leute motivieren, ihnen Unterhaltung bieten und ihre Mägen fürstlich verwöhnen. Am Schluss soll es für jeden ein kleines Geschenk geben, das an den Anlass erinnert. Gewünscht ist ausserdem ein Moderator, der auf Deutsch, Italienisch und Französisch durch den Abend führt, sowie ein roter Faden, der alle Elemente des Anlasses miteinander verbindet. Autos müssen an dem Abend nicht unbedingt zu sehen sein.
Nun kommen die Streuns auf den Plan: «Zuerst haben wir geschaut, dass wir eine geeignete Location für das Event finden», erklärt Jürg Streun. «Wir entschieden uns für die StageOne-Eventhalle in Zürich Oerlikon.» Hier fanden die drei Eventprofis neben der verkehrsgünstigen Lage das für die Inszenierung nötige technische Equipment sowie eine grosse Leinwand für eine wirkungsvolle Multimediapräsentation. «Unsere Grundidee für den Anlass war, die Welt der Arbeit mit der Glamourwelt zu verbinden. Dann haben wir ein Thema für die Veranstaltung entwickelt: Grazie – Danke, und ein dazu passendes Logo entworfen», sagt Streun. «Das Logo brachte einerseits die Botschaft von Fiat an seine Händler auf den Punkt, andererseits diente es uns als roter Faden, der die einzelnen Elemente der Veranstaltung verknüpfte.» Auch auf dem Give-away, einem Schoggiherz von Sprüngli, tauchte das Logo wieder auf.
Drei Männer und ein Anlass
Das Catering organisierten die Szenografen ebenfalls. Allerdings nicht weil Jürg Streun ein leidenschaftlicher Hobbykoch ist, sondern weil Speis und Trank die Botschaft des Events unterstreichen sollten. «Wir kümmern uns bei einer Veranstaltung um alle Elemente, die etwas mit der zu übermittelnden Aussage zu tun haben», erklärt Streun. «Das unterscheidet uns von einer Eventagentur.» Auch eine Moderatorin, die Deutsch, Französisch und Italienisch spricht, engagierten die Streuns für den Fiat-Anlass, ausserdem einige Showacts, deren Auftritte wie das Catering in die Gesamtbotschaft integriert wurden: Die A-capella-Truppe A-Live zum Beispiel trat nicht einfach auf die Bühne und sang, sondern begann während der Rede des CEO die Bühne zu fegen. Dieser reagierte gespielt
gereizt auf die Reinigungsarbeit und wies darauf hin, dass putzen jetzt unnötig sei – wenn sie singen könnten, dann wäre es etwas anderes … Und schon erhoben die Sänger ihre Stimmen. «Uns ist bei unserer Szenografie ganz wichtig, dass nicht irgendwelche Veranstaltungsversatzstücke aneinandergereiht werden», erklärt Streun sein Konzept. «Jede Facette der Veranstaltung soll notwendig sein, damit das Event funktioniert. Erst dann ist alles aus einem Guss. Und erst dann sind wir zufrieden.» Zufrieden war auch Fiat. «Unser Kunde hat uns mitgeteilt, dass der Anlass ein riesiger Erfolg gewesen sei», sagt Streun. «Alle Anwesenden seien begeistert gewesen und einige Händler hätten vor Begeisterung sogar Tränen vergossen.»
Mit allen Medien für alle Sinne
Weil Streun grossen Wert auf sorgfältige Planung legt, bekommt er auch Komplikationen in den Griff: Vor einigen Jahren brannte bei einem Anlass eine Stunde vor Beginn das halbe Hotel ab, in dem das Event inszeniert werden sollte. «Wir haben einen grossen Teil unseres Equipments in ein anderes Gebäude verlegt und den Anlass mit einer Stunde Verspätung gestartet», erinnert sich Streun. «Ausserdem haben wir auf der Leinwand Bilder des brennenden Hotels eingespielt, die in verschiedenen Nachrichtensendungen gebracht wurden. Schliesslich gehörte dieses Ereignis nun zu unserem Anlass dazu.» Eine selbst verursachte Panne hat Streun noch nie erlebt: «Auf die warte ich schon lange, aber bisher ist noch nie etwas schiefgegangen. Dafür träume ich vor Anlässen oft, dass alles zusammenbricht. Schliesslich ist ja jedes Event einmalig und wir haben keine Chance, es zu wiederholen. Ich hoffe deshalb, dass es auch weiterhin beim Träumen bleibt.»
Laubengänger aus Leidenschaft
Jürg Streun ist in Bern geboren und aufgewachsen, die Stadt hat ihn geprägt: «Als Kind bin ich oft mit meiner Mutter unter den Lauben hin und her spaziert und habe die sich ständig wandelnden Schaufenster bewundert», erinnert er sich. «Ich fand es toll, was die Dekorateure Saison für Saison Neues zauberten, so etwas wollte ich später auch einmal machen.» Geträumt, getan: Streun lässt sich nach der Schule zum Dekorationsgestalter ausbilden. Er lernt, wie man Räume und Schaufenster nicht nur dekoriert, sondern mit Fotos, Dekorelementen und der zu verkaufenden Ware gekonnt inszeniert. «Ein Dekorateur muss in vielem gut sein: Er kann malen, schreinern, fotografieren und dreidimensional gestalten», erklärt Streun. «Das ist immer ein bisschen verdächtig und eine Beleidigung für jeden Spezialisten – aber es ist nun einmal so. Ich habe von dieser Ausbildung enorm profitiert.» Vor allem schult Streun eine Eigenschaft, die die entscheidende Basis für seine Arbeit als Szenograf ist: Vorstellungskraft. «Ich musste mir damals schon vorstellen können, was herauskommt, wenn ich verschiedene Elemente zu einem Ganzen verknüpfe», sagt er. Nur wer dieses Spiel im Geiste beherrscht, ist ein guter «Bühnenbildner», egal ob es um Schaufenster oder um grosse Firmenanlässe geht.
Nach seiner Lehre im Globus Bern arbeitet Streun mehrere Jahre als Dekorateur bei Globus und Jelmolí in Zürich. Mit 24 packt ihn die Reiselust: Er geht nach Berlin, Paris und London, in Berlin arbeitet er unter Peter Stein an der Schaubühne am Halleschen Ufer als Bühnencacheur. 1976 kehrt Streun in die Schweiz zurück und nimmt einen Job als Eventberater und Techniker im Kongresshotel Holiday Inn in Regensdorf an. «Das Holiday Inn, das heutige Mövenpick-Hotel, hatte damals einen grossen Schulungsbereich mit einem Studio für audiovisuelle Kommunikation, der Schulungen für die Mitarbeiter der Mövenpick-Unternehmungen anbot», erzählt Streun. «In diesem Schulungs-
zentrum arbeitete ich als Eventberater und war verantwortlich für die Bühnentechnik im Kongresssaal. So konnte ich sehr viel Erfahrung sammeln, vor allem weil in dieser Zeit die Videotechnik aufkam.» Doch auf Dauer ist Streun diese Tätigkeit nicht kreativ genug. Er kündigt seine Anstellung und arbeitet vier Jahre lang bei diversen Fernseh- und Theaterprojekten mit. Nebenbei erwirbt er Wissen in Marketing und Kommunikation.
Wenn der Vater mit den Söhnen
1982 wagt Streun den Schritt in die Selbstständigkeit: Er gründet sein erstes Unternehmen, AVS – Audio Vision Streun, das er später in Streun Produktion umbenennt. Bis 2001 produziert Streun Filme, TV-Spots und multimediale Events. Dann entschliesst er sich, seine Firma zu liquidieren und nach neuen Herausforderungen zu suchen. Ein Restaurant eröffnen, mal etwas ganz anderes machen, schwebt ihm vor. Bereits zwei Monate später gründet Streun erneut eine Firma im Multimediabereich: Streun.com – Streun Communications. «Mein Sohn Ivan wollte mit mir gemeinsam ein Geschäft aufziehen», erklärt Streun. «Eigentlich hatte ich gerade damit abgeschlossen, aber es reizte mich dann doch, mit meinem Sohn zusammenzuarbeiten. Ausserdem kamen ehemalige Kunden mit Aufträgen auf mich zu. Also gründeten wir die neue Firma und einigten uns darauf, dass Ivan ab 2003 die Geschäftsführung übernimmt und ich als Seniorberater mein Wissen einbringe.» Auch Streuns jüngerer Sohn Nicolas arbeitet im Familienunternehmen, als Grafik-Freelancer, während er die Matura nachholt. «Wir arbeiten perfekt zusammen und sind gut darin, alle Medien in unsere Produktionen einzubeziehen», sagt Streun. «Ivan ist sehr kreativ, geduldig und ausdauernd, ein Technikfreak und absoluter Profi in der Postproduktion. Nicolas ist ein toller Grafiker und wahnsinnig genau. Ich habe viel Erfahrung in der Filmproduktion und unzählige Kontakte. Ausserdem sind wir alle drei davon besessen, perfekte Inszenierungen zu erarbeiten. Das passt zusammen.»
Vor allem passt das zu den Ansprüchen der Auftraggeber: «Jeder unserer Kunden hat andere Anforderungen, aber sie sind immer hoch und jeder will die perfekte Inszenierung», weiss Jürg Streun. Wie die Szenografen bei ihrer Arbeit vorgehen, hängt vom Briefing des Auftraggebers ab. Manche Firmen wissen bereits genau, was sie wollen, andere haben bloss eine vage Botschaft oder eine aktuelle Werbekampagne, die irgendwie in den Anlass einbezogen werden soll. «Der schwierigste Schritt ist, die richtige Location zu finden», sagt Streun, «dann ist schon ein wichtiger Teil der Arbeit erledigt. Die szenografische Umsetzung von Events hat eine Unmenge Facetten: Dekor, Film, Übersetzung, Moderation, Musik, Essen und Trinken. Natürlich leisten die drei Männer nicht all das selbst. Streun Communications agiert als Generalunternehmer, der für jeden Handgriff die richtigen Leute einbindet: Veranstaltungstechniker, Dekorationsateliers, Requisiteure, Showleute, Moderatoren.
Etwa ein bis zwei Monate dauert es, die Szenografie für einen Anlass zu entwickeln und umzusetzen. «Wir übernehmen auch gern kurzfristige Projekte, bei denen alles ganz schnell gehen muss», betont Jürg Streun. «Dann sind alle Beteiligten entscheidungsfreudiger.» Engagiert wird Streun Communications entweder direkt vom Unternehmensmarketing oder von Werbeagenturen, die sich die Szenografiespezialisten für einen Auftrag ins Boot holen. «Oft gilt es, eine laufende Kampagne in ein Event einzubeziehen», sagt Streun. «Dann ist es natürlich gut, wenn wir eng mit den Werbern zusammenarbeiten.»
Ein Anlass für 200 bis 300 Personen ist ab 20′ 000 Franken zu haben, ein grosses Event kann rasch einmal 500’000 Franken kosten. Das hängt davon ab, welche Acts und Special Effects der Kunde wünscht. Allein für einen Star, der am Abend auftritt, müsse man 10 000 bis 50 000 Franken einkalkulieren, rechnet Streun vor. «Wir merken, dass bei den Unternehmen das Geld für Eventinszenierungen im Moment nicht so locker sitzt», sagt er. «Aber Panik ist unnötig, gute Anlässe braucht es immer.»
Fäden ziehen mit Effekt
Das streunsche Terzett scheint gut zu funktionieren: Streun Communications betreut national und international agierende Kunden wie Fiat, Chevrolet, Kia, Renault, Hyundai, Harley-Davidson, den EHMA-Kongress, Schwabe Pharma, Cantavino, das Internationale Country-Music-Festival oder Opel Ruckstuhl. Events haben die drei bereits für den Fiat-Konzern, BMW und Chevrolet inszeniert. Alles Auto? «In der Tat gibt es fast keine in der Schweiz vertretene Autofirma, für die wir noch nicht gearbeitet haben», sagt Streun. «Ich bin ein Auto- und Töff-Freak, aber ich mache auch andere Aufträge gern – immer den am liebsten, an dem ich gerade arbeite.» Trotzdem: Streun träumt davon, einmal eine grosse LKW-Präsentation zu inszenieren, am liebsten auf einer riesengrossen Leinwand mit riesengrossen Trucks in einem Stadion. Einem riesengrossen, versteht sich. Hauptsache, es wirkt.
Anne-Friederike Wilhelm
Nun kommen die Streuns auf den Plan: «Zuerst haben wir geschaut, dass wir eine geeignete Location für das Event finden», erklärt Jürg Streun. «Wir entschieden uns für die StageOne-Eventhalle in Zürich Oerlikon.» Hier fanden die drei Eventprofis neben der verkehrsgünstigen Lage das für die Inszenierung nötige technische Equipment sowie eine grosse Leinwand für eine wirkungsvolle Multimediapräsentation. «Unsere Grundidee für den Anlass war, die Welt der Arbeit mit der Glamourwelt zu verbinden. Dann haben wir ein Thema für die Veranstaltung entwickelt: Grazie – Danke, und ein dazu passendes Logo entworfen», sagt Streun. «Das Logo brachte einerseits die Botschaft von Fiat an seine Händler auf den Punkt, andererseits diente es uns als roter Faden, der die einzelnen Elemente der Veranstaltung verknüpfte.» Auch auf dem Give-away, einem Schoggiherz von Sprüngli, tauchte das Logo wieder auf.
Drei Männer und ein Anlass
Das Catering organisierten die Szenografen ebenfalls. Allerdings nicht weil Jürg Streun ein leidenschaftlicher Hobbykoch ist, sondern weil Speis und Trank die Botschaft des Events unterstreichen sollten. «Wir kümmern uns bei einer Veranstaltung um alle Elemente, die etwas mit der zu übermittelnden Aussage zu tun haben», erklärt Streun. «Das unterscheidet uns von einer Eventagentur.» Auch eine Moderatorin, die Deutsch, Französisch und Italienisch spricht, engagierten die Streuns für den Fiat-Anlass, ausserdem einige Showacts, deren Auftritte wie das Catering in die Gesamtbotschaft integriert wurden: Die A-capella-Truppe A-Live zum Beispiel trat nicht einfach auf die Bühne und sang, sondern begann während der Rede des CEO die Bühne zu fegen. Dieser reagierte gespielt
gereizt auf die Reinigungsarbeit und wies darauf hin, dass putzen jetzt unnötig sei – wenn sie singen könnten, dann wäre es etwas anderes … Und schon erhoben die Sänger ihre Stimmen. «Uns ist bei unserer Szenografie ganz wichtig, dass nicht irgendwelche Veranstaltungsversatzstücke aneinandergereiht werden», erklärt Streun sein Konzept. «Jede Facette der Veranstaltung soll notwendig sein, damit das Event funktioniert. Erst dann ist alles aus einem Guss. Und erst dann sind wir zufrieden.» Zufrieden war auch Fiat. «Unser Kunde hat uns mitgeteilt, dass der Anlass ein riesiger Erfolg gewesen sei», sagt Streun. «Alle Anwesenden seien begeistert gewesen und einige Händler hätten vor Begeisterung sogar Tränen vergossen.»
Mit allen Medien für alle Sinne
Weil Streun grossen Wert auf sorgfältige Planung legt, bekommt er auch Komplikationen in den Griff: Vor einigen Jahren brannte bei einem Anlass eine Stunde vor Beginn das halbe Hotel ab, in dem das Event inszeniert werden sollte. «Wir haben einen grossen Teil unseres Equipments in ein anderes Gebäude verlegt und den Anlass mit einer Stunde Verspätung gestartet», erinnert sich Streun. «Ausserdem haben wir auf der Leinwand Bilder des brennenden Hotels eingespielt, die in verschiedenen Nachrichtensendungen gebracht wurden. Schliesslich gehörte dieses Ereignis nun zu unserem Anlass dazu.» Eine selbst verursachte Panne hat Streun noch nie erlebt: «Auf die warte ich schon lange, aber bisher ist noch nie etwas schiefgegangen. Dafür träume ich vor Anlässen oft, dass alles zusammenbricht. Schliesslich ist ja jedes Event einmalig und wir haben keine Chance, es zu wiederholen. Ich hoffe deshalb, dass es auch weiterhin beim Träumen bleibt.»
Laubengänger aus Leidenschaft
Jürg Streun ist in Bern geboren und aufgewachsen, die Stadt hat ihn geprägt: «Als Kind bin ich oft mit meiner Mutter unter den Lauben hin und her spaziert und habe die sich ständig wandelnden Schaufenster bewundert», erinnert er sich. «Ich fand es toll, was die Dekorateure Saison für Saison Neues zauberten, so etwas wollte ich später auch einmal machen.» Geträumt, getan: Streun lässt sich nach der Schule zum Dekorationsgestalter ausbilden. Er lernt, wie man Räume und Schaufenster nicht nur dekoriert, sondern mit Fotos, Dekorelementen und der zu verkaufenden Ware gekonnt inszeniert. «Ein Dekorateur muss in vielem gut sein: Er kann malen, schreinern, fotografieren und dreidimensional gestalten», erklärt Streun. «Das ist immer ein bisschen verdächtig und eine Beleidigung für jeden Spezialisten – aber es ist nun einmal so. Ich habe von dieser Ausbildung enorm profitiert.» Vor allem schult Streun eine Eigenschaft, die die entscheidende Basis für seine Arbeit als Szenograf ist: Vorstellungskraft. «Ich musste mir damals schon vorstellen können, was herauskommt, wenn ich verschiedene Elemente zu einem Ganzen verknüpfe», sagt er. Nur wer dieses Spiel im Geiste beherrscht, ist ein guter «Bühnenbildner», egal ob es um Schaufenster oder um grosse Firmenanlässe geht.
Nach seiner Lehre im Globus Bern arbeitet Streun mehrere Jahre als Dekorateur bei Globus und Jelmolí in Zürich. Mit 24 packt ihn die Reiselust: Er geht nach Berlin, Paris und London, in Berlin arbeitet er unter Peter Stein an der Schaubühne am Halleschen Ufer als Bühnencacheur. 1976 kehrt Streun in die Schweiz zurück und nimmt einen Job als Eventberater und Techniker im Kongresshotel Holiday Inn in Regensdorf an. «Das Holiday Inn, das heutige Mövenpick-Hotel, hatte damals einen grossen Schulungsbereich mit einem Studio für audiovisuelle Kommunikation, der Schulungen für die Mitarbeiter der Mövenpick-Unternehmungen anbot», erzählt Streun. «In diesem Schulungs-
zentrum arbeitete ich als Eventberater und war verantwortlich für die Bühnentechnik im Kongresssaal. So konnte ich sehr viel Erfahrung sammeln, vor allem weil in dieser Zeit die Videotechnik aufkam.» Doch auf Dauer ist Streun diese Tätigkeit nicht kreativ genug. Er kündigt seine Anstellung und arbeitet vier Jahre lang bei diversen Fernseh- und Theaterprojekten mit. Nebenbei erwirbt er Wissen in Marketing und Kommunikation.
Wenn der Vater mit den Söhnen
1982 wagt Streun den Schritt in die Selbstständigkeit: Er gründet sein erstes Unternehmen, AVS – Audio Vision Streun, das er später in Streun Produktion umbenennt. Bis 2001 produziert Streun Filme, TV-Spots und multimediale Events. Dann entschliesst er sich, seine Firma zu liquidieren und nach neuen Herausforderungen zu suchen. Ein Restaurant eröffnen, mal etwas ganz anderes machen, schwebt ihm vor. Bereits zwei Monate später gründet Streun erneut eine Firma im Multimediabereich: Streun.com – Streun Communications. «Mein Sohn Ivan wollte mit mir gemeinsam ein Geschäft aufziehen», erklärt Streun. «Eigentlich hatte ich gerade damit abgeschlossen, aber es reizte mich dann doch, mit meinem Sohn zusammenzuarbeiten. Ausserdem kamen ehemalige Kunden mit Aufträgen auf mich zu. Also gründeten wir die neue Firma und einigten uns darauf, dass Ivan ab 2003 die Geschäftsführung übernimmt und ich als Seniorberater mein Wissen einbringe.» Auch Streuns jüngerer Sohn Nicolas arbeitet im Familienunternehmen, als Grafik-Freelancer, während er die Matura nachholt. «Wir arbeiten perfekt zusammen und sind gut darin, alle Medien in unsere Produktionen einzubeziehen», sagt Streun. «Ivan ist sehr kreativ, geduldig und ausdauernd, ein Technikfreak und absoluter Profi in der Postproduktion. Nicolas ist ein toller Grafiker und wahnsinnig genau. Ich habe viel Erfahrung in der Filmproduktion und unzählige Kontakte. Ausserdem sind wir alle drei davon besessen, perfekte Inszenierungen zu erarbeiten. Das passt zusammen.»
Vor allem passt das zu den Ansprüchen der Auftraggeber: «Jeder unserer Kunden hat andere Anforderungen, aber sie sind immer hoch und jeder will die perfekte Inszenierung», weiss Jürg Streun. Wie die Szenografen bei ihrer Arbeit vorgehen, hängt vom Briefing des Auftraggebers ab. Manche Firmen wissen bereits genau, was sie wollen, andere haben bloss eine vage Botschaft oder eine aktuelle Werbekampagne, die irgendwie in den Anlass einbezogen werden soll. «Der schwierigste Schritt ist, die richtige Location zu finden», sagt Streun, «dann ist schon ein wichtiger Teil der Arbeit erledigt. Die szenografische Umsetzung von Events hat eine Unmenge Facetten: Dekor, Film, Übersetzung, Moderation, Musik, Essen und Trinken. Natürlich leisten die drei Männer nicht all das selbst. Streun Communications agiert als Generalunternehmer, der für jeden Handgriff die richtigen Leute einbindet: Veranstaltungstechniker, Dekorationsateliers, Requisiteure, Showleute, Moderatoren.
Etwa ein bis zwei Monate dauert es, die Szenografie für einen Anlass zu entwickeln und umzusetzen. «Wir übernehmen auch gern kurzfristige Projekte, bei denen alles ganz schnell gehen muss», betont Jürg Streun. «Dann sind alle Beteiligten entscheidungsfreudiger.» Engagiert wird Streun Communications entweder direkt vom Unternehmensmarketing oder von Werbeagenturen, die sich die Szenografiespezialisten für einen Auftrag ins Boot holen. «Oft gilt es, eine laufende Kampagne in ein Event einzubeziehen», sagt Streun. «Dann ist es natürlich gut, wenn wir eng mit den Werbern zusammenarbeiten.»
Ein Anlass für 200 bis 300 Personen ist ab 20′ 000 Franken zu haben, ein grosses Event kann rasch einmal 500’000 Franken kosten. Das hängt davon ab, welche Acts und Special Effects der Kunde wünscht. Allein für einen Star, der am Abend auftritt, müsse man 10 000 bis 50 000 Franken einkalkulieren, rechnet Streun vor. «Wir merken, dass bei den Unternehmen das Geld für Eventinszenierungen im Moment nicht so locker sitzt», sagt er. «Aber Panik ist unnötig, gute Anlässe braucht es immer.»
Fäden ziehen mit Effekt
Das streunsche Terzett scheint gut zu funktionieren: Streun Communications betreut national und international agierende Kunden wie Fiat, Chevrolet, Kia, Renault, Hyundai, Harley-Davidson, den EHMA-Kongress, Schwabe Pharma, Cantavino, das Internationale Country-Music-Festival oder Opel Ruckstuhl. Events haben die drei bereits für den Fiat-Konzern, BMW und Chevrolet inszeniert. Alles Auto? «In der Tat gibt es fast keine in der Schweiz vertretene Autofirma, für die wir noch nicht gearbeitet haben», sagt Streun. «Ich bin ein Auto- und Töff-Freak, aber ich mache auch andere Aufträge gern – immer den am liebsten, an dem ich gerade arbeite.» Trotzdem: Streun träumt davon, einmal eine grosse LKW-Präsentation zu inszenieren, am liebsten auf einer riesengrossen Leinwand mit riesengrossen Trucks in einem Stadion. Einem riesengrossen, versteht sich. Hauptsache, es wirkt.
Anne-Friederike Wilhelm
