Der Spick für Väter

Zum 30. Geburtstag der Kinderzeitschrift Spick hat der Künzler Bachmann Verlag ein neues Heft lanciert: Big Spick – ein Magazin «extra für Väter». Wie kommt der «Spick für Grosse» bei der Zielgruppe an? Fünf Väter haben die Erstausgabe für die Werbewoche getestet.

Big ist er, der neue Bruder des Spicks. Auf rund 80 Seiten liefert Big Spick Ideen, wie man als Vater die Zeit mit seinen Kindern spielerisch und kreativ gestaltet. Die Macher setzen dabei auf einen Mix an journalistischen Formen: Reportagen, Portraits, Berichte, Kolumnen und Interviews. Für die Erstausgabe hat der Musikjournalist Reto Aschwanden mit Musikern dreier Kinderbands darüber diskutiert, wie politisch unkorrekt Kinderlieder sein dürfen. Der Kinderbuchautor Franz Hohler gibt Tipps fürs Vorlesen und Geschichtenerzählen.
 
Nicht zuletzt will das Heft Väter dazu animieren, «etwas für das eigene Kind im Manne zu tun». Zum Beispiel mit Ausflugstipps: Wo gibt es spektakuläre Hängebrücken, die man zu Fuss überqueren kann? Mit Bastelanleitungen: Wie baut man sich einen Bumerang? Oder mit Experimenten: Wie erzeugt man aus ein paar Zitronen Strom? Darüber hinaus setzt sich der Big Spick mit Erziehungs- und Rollenfragen auseinander. Bänz Friedli, «Hausmann der Nation», hat für den Erstling ein Plädoyer für den Job als Hausmann verfasst. Und der Dichter Michael Stauffer spielt den Beratungsonkel in Erziehungsfragen.
 
Das Layout ist verspielt und wirkt teilweise zusammengewürfelt. «Spickig» eben. Aber nicht nur in der optischen Aufmachung erinnert der Big Spick an das Schülermagazin, sondern auch in der Rubrikstruktur. Themen wie «Leben und Leute» oder «Natur und Wir» wurden neu aufgemacht. Und auch die Spick-Witze tauchen auf. Und was meint die Zielgruppe? Fünf Väter aus Werbung, Kommunikation und Medien haben den Big Spick unter die Lupe genommen. Häufig erwähnt wurde die Gestaltung. Den Befragten viel zudem auf, dass Themen mit einem Töchter-Bezug fehlen. Sind die Zielgruppe vor allem Väter mit Söhnen? Nein, sagt Verlagsleiter Roger Hartmann: «Der Big Spick will nicht nur Väter mit Söhnen, sondern genauso Väter mit Töchtern ansprechen.» Dass die Erstausgabe insbesondere viel für Väter mit Söhnen biete, sei nicht beabsichtigt. Vielmehr habe man Themen ausgewählt, ohne dabei diese Problematik realisiert zu haben. Das werde in der nächsten Ausgabe anders sein. Isabel Imper


Philipp Skrabal, Creative Director Wirz Werbung
 
1 Sohn (9) und 3 Töchter (8, 3, 1)
 
Der erste Eindruck: Die Aufmachung des Covers ist sehr traditionell und wird dem zeitgemässen Layout im Inneren nicht gerecht. Das Coverfoto ist klischiert und vermittelt wenig Kenntnis aus dem realen Alltag eines Vaters.
 
Gefallen hat: Die Idee, ein Vätermagazin zu machen finde ich ganz toll. Das erste Heft beweist bereits, wie vielschichtig das Thema angegangen werden kann. Ein gelungener Mix aus Tipps, Tricks und spannenden Interviews.
 
Nicht gefallen hat: Ich spreche jetzt von mir persönlich: Für mich wäre eine nützliche App viel spannender. Redaktionelles zum Lesen auf dem Klo, Ideen und Inspiration, schön gegliedert und zum thematischen Abrufen, für unterwegs. Und dank GPS, Ausflugsziele und Sehenswertes im Umkreis von 20 Kilometern auf dem Handy. Aber vielleicht ist ‹s ja gar nicht so blöd, das Handy mal auszuschalten!
 
Schon einen Tipp/Trick/Ausflug ausprobiert? Leider nein. Aber ich habe mir fest vorgenommen, mit meinen Kindern einen Bumerang zu bauen. Das wollte ich schon als Kind mal ausprobieren. Die Anleitung dazu ist super gemacht. Auch das Big-Spick-Experiment, mit Strom aus der Zitrone, werde ich an einem der nächsten, regnerischen Wochenenden durchführen.
 
Woran müssen die Macher noch feilen? Mit Sicherheit am Cover. Wer nicht schon aus der eigenen Kindheit eine starke Sympathie zur Marke Spick mitbringt, nimmt das Heft vermutlich nicht mal in die Hand. Wie viele Väter haben denn einen alten Rolls-Royce, geschweige denn die Zeit dafür? Weiss ein Vater mit Jahrgang 82 überhaupt noch, was das ist? Oder hätte man nicht lieber Vater und Sohn beim Hantieren an einem Tesla oder Twike fürs Foto inszeniert?


Ralph Hermann, Geschäftsführer Heads Corporate Communication
 
1 Sohn (14) und 1 Tochter (11)
 
Der erste Eindruck: Warum ist man nicht früher auf die Idee gekommen, ein Vätermagazin herauszugeben? Das Heft ist wirklich gut gemacht. Auch wenn das Cover etwas frecher sein dür fte.
 
Gefallen hat: besonders der hohe Lesernutzen: 39 Weblinks zu Artikeln und 18 für Freizeittipps. Daneben kommt das Kind im Vater nicht zu kurz: Beiträge über Oldtimer, Elektroflitzer und andere «Toys for Boys» zeigen Zielgruppenverständnis. Und mit «stahlharter Vater- Sohn-Action» (Filmtipp Real Steel), werde ich bei meinem 14-jährigen Sohn punkten. Die Väter-Porträts sind wirklich lesenswert.
 
Nicht gefallen hat: Ich kann mit den im Heft verstreuten Rätselseiten nichts anfangen. Die passen gut in den Spick, aber nicht in ein Vätermagazin. Einige Artikel haben nicht viel mit der Zielgruppe zu tun: ein Artikel über das Ehepaar Emil und Niccel, die zusammen zeichnen. Würde auch ohne gehen. Umfangreicher beschriebene Tipps statt nur kurze Themenanrisse würden dem Heft besser anstehen. Wenn Big Spick schon in der ersten Nummer 18 Veranstaltungstipps «verbratet» bin ich gespannt, was nach der vierten Nummer folgt. Und ein Lapsus: Als Tipp die Reise ins Conny-Land, bebildert mit einem springenden Delfin. Anfangs Juni war in der Presse zu lesen, dass das Delfinarium wohl (endlich!) geschlossen wird …
 
Schon einen Tipp/Trick/Ausflug ausprobiert? Noch nicht. Aber die Hängebrücke über den Triftgletscher werden wir wohl diesen August unter die Füsse nehmen.
 
Woran müssen die Macher noch feilen? Hilfreich wäre mehr Übersicht im Heft. Bei den Tipps wäre ein Altershinweis nützlich. Und man sollte nie vergessen, für wen man schreibt. Im Artikel über entspannte Zweisamkeit ohne Kinder findet sich folgender Frischluftromantik-Tipp: «Unterm Vollmondhimmel im Kornfeld auf dem Rücken liegen und zum Beispiel erst mal reden.» Liebe Autorin, Big Spick ist kein Mütter-, sondern ein Vätermagazin.


Philipp Landmark, Chefredaktor St. Galler Tagblatt
 
1 Tochter (7)
 
Der erste Eindruck: Da soll ein gut eingeführtes Produkt für eine naheliegende neue Zielgruppe adaptiert werden. Eine Zielgruppe, wo noch etwas zu holen sein sollte – traditionelle Eltern-Magazine sind wohl weitgehend Mütter-Magazine. Dabei gilt die Maxime Klotzen statt Kleckern: Der Big Spick ist ein «dickes Ding». Gesamteindruck: ambitioniertes Projekt, über weite Strecken gut umgesetzt. 
 
Gefallen hat: dass Tagblatt-Kolumnist Dieter Thomä über das Kind im Manne nachdenkt und die verschiedenen Facetten der Vaterrolle anschaulich beschreibt. Unterhaltsam und informativ ist das Interview mit den drei Kinderband-Protagonisten, worin unverkrampft auch kritische Punkte angesprochen werden (Lillibiggs-Banner auf der Bühne). Mir gefallen die Bilder von Fotograf Philipp Baer. Und schliesslich die unbeabsichtigte Doppeldeutigkeit der Empfehlung «Champagner soll in Massen auch gut sein» in einer sonst eher flauen und überflüssigen Geschichte über romantische Zweisamkeit. 
 
Nicht gefallen hat: Der Egotest «Sind Sie ein guter Vater?»: Auf solche «Frauenheftli-Psychologie» bin ich allergisch. Die wiederholte Verwendung des Begriffs «Jungs» in einer Schweizer Publikation (im Wissen, dass ich da im Glashaus sitze …). Beim Werkstattgespräch mit Emil und Niccel hätte ich gerne ein, zwei der Wochenblätter gesehen, um die sich alles dreht. Die Freizeittipps sind eine Ansammlung der «üblichen Verdächtigen». Die Idee mit dem Beratungsonkel ist nett, aber die Satire in homöopathischen Dosen noch etwas fad. Der Mann darf ruhig etwas mehr Gas geben. 
 
Schon einen Tipp/Trick/Ausflug ausprobiert? Nein. 
 
Woran müssen die Macher noch feilen? Die ganze Heftidee basiert auf einem Klischee. Dann dürfen die Klischees nicht auch noch weite Strecken des Inhalts dominieren. Weil oft (und wohl richtigerweise) der Bub im Papi angesprochen wird, fehlen Themen, die einen spezifischen Töchter-Bezug haben.


Alexander Jaggy, Executive Director und Mitinhaber Jung von Matt/Limmat
 
2 Söhne (12, 10) und 1 Tochter (6)
 
Der erste Eindruck: Die Medien entdecken die Väter als Zielgruppe. Anders ist es nicht zu erklären, dass im selben Jahr Big Spick und Yps für Erwachsene lanciert werden (siehe unten). Sogar das renommierte Wired- Magazin widmet sich in der aktuellen Ausgabe dem Thema «Geek Dad – Fun Science & Tech Projects for You and the Kids». Ich werde den Big Spick auf jeden Fall wieder lesen. Schon allein, um die Macher für den Mut zu belohnen, in Zeiten der digitalen Medienhysterie ein neues Printprodukt auf den Markt zu bringen.
 
Gefallen hat: Die Beiträge von Musikjournalist Reto Aschwanden, Schriftsteller Franz Hohler und Jerome Stern über die Elektromobile habe ich mit Genuss gelesen.
 
Nicht gefallen hat: Gegen hinten scheinen die spannenden Themen auszugehen, weshalb Hausmann-Emanze Bränz Friedli sein unzähligstes Revival erlebt.
 
Woran müssen die Macher noch feilen? Die Gestaltung erinnert manchmal an die Sprunghaftigkeit einer Maturitätszeitung. Da werden Fotostrecken, Aquarellzeichnungen und karierte Tischtuch-Hintergründe munter gemischt. Das ist natürlich gewollt und wird in der Spick-Sprache als «spickig» bezeichnet. Nur: Dass etwas «spickig» ist, darf nicht als Entschuldigung für mittelmässige Gestaltung dienen.
 
Schon einen Tipp/Trick/Ausflug ausprobiert? Ich werde das Heft archivieren. Eltern sind für Ideen immer dankbar. Wenn ich meine Kinder aber richtig überraschen möchte, nehme ich das «Dangerous Book for Boys» aus dem Bücherregal. Oder ich lese den Spick meines Sohnes.


Claudio Zuccolini, Komiker, Moderator und Werbefigur
 
1 Tochter (4)
 
Der erste Eindruck: ist sehr gut. Das Heft ist sehr vielfältig, hat aber auf einzelnen Seiten zu viele verschiedene Inhalte drin, sodass man vom Layout manchmal etwas erschlagen wird.
 
Gefallen hat: die Vielfältigkeit. Es ist wirklich von Wissen über Abenteuer bis hin zu Zaubertricks und Ferien-Tipps alles enthalten. Die Steinbock-Story hat mir als Bündner natürlich sehr gut gefallen.
 
Nicht gefallen hat: Es scheint mir, dass der Papi-Spick sehr auf Papis mit Söhnen ausgelegt ist. Doch gibt es, wie ich aus eigener Erfahrung weiss, auch Papis, die Töchter haben. Ich wünsche mir mehr «Was macht der Papi mit der Tochter, ohne dass dieser ein Sohn wird …» Und siehe unten: Der Ego-Test …
 
Schon einen Tipp/Trick/Ausflug ausprobiert? Ich habe noch nichts ausprobier t, konnte aber das eine oder andere Wissensthema sehr gut für mich selbst gebrauchen. Dinge, die ich nicht – oder nicht mehr – gewusst habe. Zum Beispiel die Zaubertricks und die verschiedenen Knoten. Oder auch die Anleitung, wie man das Alter eines Steinbocks anhand seiner Hörner bestimmt.
 
Woran müssen die Macher noch feilen? Ich gehöre glücklicherweise zu den Vätern, die viel Zeit zuhause verbringen können. Es gibt jedoch Väter, die oft unterwegs sind und denen die Zeit – sicher ungewollt – für ihre Kinder fehlt. Dafür muss mehr Verständnis gezeigt werden. Es hat mir das eine oder andere Mal zu viel «Mahnfinger »- und «Gutväter»-Themen. So fand ich zum Beispiel den Egotest, bei dem man herausfinden soll, ob man ein guter Vater ist, nicht gut.
 
Yps kommt zurück – neu für Erwachsene Auch das Comic-Magazin Yps, das zwischen 1975 und 2000 erschien und besonders für seine Beilagen, die Gimmicks, geliebt wurde, wagt einen Neustart. Die Rückkehr hat der Egmont Ehapa Verlag, der auch Micky Maus herausgibt, für diesen Oktober angekündigt. Nur sollen nicht mehr Kinder begeistert werden, sondern die Fans von früher – die heute 30- bis 45-Jährigen. Kann man mit 35 noch Geheimagent werden? Diese und andere Fragen wollen die Macher beantworten. Ansonsten sollen die Inhalte der jetzigen Lebenswelt des Zielpublikums angepasst werden. Ebenso die Gimmicks. Anstatt Urzeitkrebse und U-Boot-Bausätze gibt’s zum Beispiel zehn Zaubertricks für die nächste Party. 

vaterspick

Der Spick für Väter

Ab sofort gibt es den Spick nicht mehr nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Big Spick ist für Väter gemacht und bietet Themen und Ideen rund um Outdoor-Abenteuer, Unterhaltung und Spiele sowie Erziehungs- und Rollenfragen. 

Bereits im März hat der Künzler Bachmann Verlag anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Kinderzeitschrift Spick die Lancierung des «Big Spick – das Vätermagazin» angekündigt. Ursprünglich für Mai geplant, erscheint nun Ende Juni die Erstausgabe des Magazins für die Väter der Spick-Leser.
 

Das rund 80-seitige Heft will den Männern zeigen, weshalb es Spass macht, Vater zu sein. Es liefert Ideen, wie man die Zeit mit seinen Kindern spielerisch und kreativ gestalten kann und bietet nicht nur Themen rund um Action, Outdoor-Abenteuer, sondern beleuchtet auch Erziehungsfragen. «Big Spick soll dazu anregen, mit den Kindern Neues zu erleben, zusammen Spass zu haben sowie ab und zu auch etwas für das eigene Kind im Manne zu tun», so Herausgeber Max Künzler. Es solle den modernen Vätern gerecht werden, die mit ihren Kindern zusammen sein und die Beziehung pflegen wollen. «Ein Magazin extra für Väter, das ist neu und einzigartig in der Medienlandschaft», kommentiert Christian Kaiser, Chefredaktor Big Spick, die Lancierung.

Der Big Spick setzt auf einen Mix an journalistischen Formen: Reportagen, Portraits, Berichte, witzige Kolumnen und Interviews. Für die Erstausgabe hat zum Beispiel Bänz Friedli, «Hausmann der Nation», ein amüsantes Plädoyer für den Job als Hausmann verfasst. Der Musikjournalist Reto Aschwanden hat die Bandleader dreier Schweizer Kinderbands an einen Tisch gebracht und mit ihnen darüber diskutiert, wie politisch unkorrekt Kinderlieder sein dürfen. Der Kabarettist und Kinderbuchautor Franz Hohler gibt Tipps fürs Vorlesen und Geschichtenerzählen. Und der Bieler Dichter Michael Stauffer, auf Radio DRS 1 zu hören als «Professor Hämmerli», spielt für Big Spick den Beratungsonkel in Erziehungsfragen.

Das Magazin erscheint in einer Auflage von 55‘000 Exemplaren und ist ab 21. Juni am Kiosk erhältlich. Zudem wird der Big Spick der Juli-Ausgabe des Spick und des Familienmagazins Kidy Swissfamily beigelegt.

Interessierte können die erste Ausgabe auf Bigspick.ch gratis bestellen.
 

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