Der Motz von Butz: Im Format klotzen, im Layout kleckern

Wie schlecht es um die Gestaltungsbranche bestellt ist, zeigt das Beispiel Nespresso im HB Zürich.

Um was es geht: Über die Weihnachts- und Neujahrstage hing in der ehrwürdigen Zürcher Bahnhofhalle ein mindestens 30×10 m grosses Plakat von Nespresso. Diese Kampagne mit George Clooney ist vom Konzept her eine meiner Lieblinge. Aber die Art, wie diese Bildidee mit dem Heiligenschein auf dieses Format gesetzt und gestaltet wurde, ist dilettantisch. Dieses Billboard kostet laut Recherche für einen Monat gerade mal 80'000 Franken. Für eine clevere Gestaltung wurde wohl aber der Lehrling beauftragt.

Meine Theorie: Am Bahnhof Zürich gehen täglich – ich schätze – 100‘000 Leute vorbei. Ich habe 30 davon befragt, ob sie die Idee mit dem Heiligenschein auf Clooneys Haupt gesehen haben. Keiner hat das bemerkt. McCann Paris hatte die Idee und auch das Artwork dazu an die Filialen verschickt. Der Berater oder der Medialeiter oder vielleicht der Kunde hat dann beschlossen, wir machen ein Billboard im Bahnhof. Ein Desktopper hat dann husch husch das Artwork auf dieses spezielle Format 30×10 m umgestaltet. Das Resultat: Alle, wenn überhaupt, verstehen nur Bahnhof.

Dies ist einfach zu erklären: Die überflüssige Kaffeemaschine lenkt vom zu kleinen Heiligenschein ab, ebenso die Logos und Texte in verschiedenen Typos. Weniger ist mehr. Ich habe da mal aufgeräumt. Siehe Bild.

Der Content ist das Wichtigste. Stimmt dieser nicht oder ist verpufft, ist auch der stolze Preis für ein Werbeposter rausgeworfenes Geld. Ich will damit sagen, dass ich über dieses Phänomen schon öfters gemotzt habe.

Ich schlage vor, dass die SBB in Zukunft durch eine Art Fifa entscheiden lassen, ob ein Plakat «spielberechtigt» ist oder nicht. Sie sollten sich mal überlegen, ob es in dieser ehrwürdigen Halle überhaupt möglich sein soll, solch grosse und hässliche Poster aufzuhängen. Was sagt denn die Nicki de Saint Phalle dazu? Oder der Architekt Röbi Hausmann, der diese Halle aufgeräumt und ihr ihren ursprünglichen Glanz zurück gegeben hat? Die Passagiere, die täglich durch die Halle eilen, konzentrieren sich primär auf ihr Gleis oder auf die Bar links oder das Federal oder auf den Schatz, den sie unter der Uhr abholen. Erst dann kommt die Werbung. Und wenn die nicht reduziert und witzig daherkommt, verstehen von den Hunderttausenden eben, ich wiederhole mich, alle nur Bahnhof.

Der Aufsteller ist, dass ich mir vorgenommen habe, dieses Jahr als Ausnahme einmal statt «Der Motz von Butz» eine Kolumne mit dem Titel «Das gefiel Theophil» zu schreiben.

Theophil Butz, einst Starwerber (Ringier), heute Inspirator und ab jetzt auch noch Motzer. «Nicht eine einfache, aber eine notwendige Rolle, die ich hier alle 14 Tage wahrnehme.» Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected].

Dieses Poster kostet 80'000 Franken monatlich. Für eine optimale Gestaltung wurde wahrscheinlich kein Rappen ausgegeben. Oben das Original, unten meine Korrektur.

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