Der Flügelmann

Christoph Matejka taufte als neuer Partner die Agentur Wings um und bricht mit ihr zu neuen Ufern auf.

Christoph Matejka taufte als neuer Partner die Agentur Wings um und bricht mit ihr zu neuen Ufern auf.
Nach 100 Tagen im Amt geben Bundesräte oder Topmanager meist das erste Interview. So viel Zeit hat sich auch Christoph Matejka ausbedungen, bevor er mehr über seine Ziele und Ideen mit der Wings Werbeagentur in Baar verraten wollte. Der neue Partner und Geschäftsführer kann zu diesem Stichtag gleich auch bekannt geben, dass die mit der «Flügel»-Werbung für Red Bull berühmt gewordene Wings in Zukunft Kastner & Partners heissen wird. Das soll ein Zeichen dafür sein, dass Matejkas Agentur künftig nicht mehr nur als «das grafische Büro» für die Kampagnen des berühmten Energy Drinks aus Salzburg wahrgenommen werden will. Flügel verleihen sollen der Agentur «mit internationaler Anbindung und nationaler Ausrichtung» auch Neukunden wie etwa die Schaffhauser Jezler Silbermanufaktur. Für diese will Kastner & Partners eine umfassende Marken-Neugestaltung erarbeiten. Die Aufgabe, bei der nun ein ganzes Jahr lang an der Strategie gearbeitet wurde, ist ein Paradebeispiel, mit welchen Aufgaben sich Matejka profilieren will. Nach dem Erfolg mit dem Markenaufbau für Red Bull hat Agenturinhaber Johannes Kastner nämlich festgestellt, dass sein Netzwerk «ein gutes Potenzial für weitere Kunden» hat.
Vor über zehn Jahren hat Kastner mit dem Energy-Drink-Pionier Dietrich Mateschitz zusammen die Marke Red Bull mit einer unverwechselbaren Kommunikationstechnik lanciert. Im Zuge der Markterweiterung von Österreich aus in die weite Welt wurden verschiedene Referenz-Agenturen gegründet. Die neuste der insgesamt zehn Agenturen ist in den USA eröffnet worden. Der Hauptsitz von Kastner & Partners befindet sich in Frankfurt. Der Agenturchef wohnt aber in Baar. Entsprechend nah ist die Verbindung zu Matejka. Kastner wird für ihn als CD fungieren.
Red Bull arbeitet auf der ganzen Welt mit denselben Spots, verzichtet auf Inserate und kommuniziert besonders erfolgreich über Events. Matejka ist überzeugt, dass die Marke ihren Siegeszug feiern konnte, weil das Konzept nie über einen Pitch an eine neue Agentur gegangen und damit einer Grundlinie untreu geworden ist.
Auch für Kastner & Partners in Baar wird Red Bull der am meisten Energie verleihende Kunde bleiben. Bereits im Juni soll aber der Entscheid über ein weiteres, völlig anders orientiertes Budget mit internationaler Ausrichtung fallen. Um solche Jobs zu bewältigen, arbeiten in Baar nur zwei Leute fest. Der Rest der variierenden Teams bilden je nach Auftrag spezialisierte Freelancer.
Matejka hat auf der Kundenseite wie auch in diversen Agenturen gearbeitet und verfügt über ein entsprechend breites Beziehungsnetz.
Eröffnet worden ist ihm die Welt der Werbung als KV-Stift bei Wirz Werbung. Noch Adolf Wirz persönlich habe ihm die wichtigsten Bücher «über Reklame» zu lesen gegeben. «Diese Koryphäe hat mich geprägt. Davon profitiere ich heute noch», denkt Matejka dankbar zurück. Dabei hätte er damals eigentlich lieber einen anderen Beruf ergriffen. Bei GC wurde dem Fussballtalent ein Vertrag als Nachwuchsprofi angeboten. Doch Vater Matejka hat die rote Karte gezeigt. So dribbelte sich der angehende Werber eben durch die Marketingabteilung bei Jelmoli und erkämpfte seine Siege als Einkäufer.
Als Jean Etienne Aebi seine erste Agentur gegründet hat, erinnerte sich ein früherer Lehrlingschef bei Wirz an Matejka und holte ihn zurück in die Werbung. Nach zwei Pionierjahren als Berater bei Aebi folgten als nächste Stationen GGK Zürich mit Swissair und schliesslich Grendene und Lanz mit Ikea. «Dann hatte ich für eine Zeit lang genug von der Agentur-Branche», erzählt er.
Unter einem Baum liegend im WK hat er sich auf ein Inserat bei der Migros gemeldet und wirkte nach dem Abgang von Fredy Collioud ab 1987 zehn Jahre als Werbeleiter Non Food, zusammen mit Paul Riesen.
Offenbar von kultigen Marken wie Ikea immer wieder angezogen, wechselte er 1996 zu Weber Hodel Schmid in die Smart Factory. Dort hat er neben der Beratung auch das internationale Vertriebsnetz mit den gläsernen Verkaufstürmen aufgebaut. «Das war spannend, weil wir ein noch virtuelles Produkt vermarkten mussten.» Als Nicolas G. Hayek seine Idee von einem Swatch-Auto an Daimler- Chrysler abgeben musste, hat auch Matejka in diesem neuen Umfeld seine Ideen nicht mehr weiter umsetzen wollen. Eine frische Branche lockte ihn 1998 als Head Corporate Communications an die Börse SWX Swiss Exchange.
Seit 2003 wirkte Matejka als freier Berater für Betriebswirtschaft. In dieser Zeit absolvierte er in St.Gallen ein Nachdiplomstudium in Betriebswirtschaft und ist als Dozent an die Zürcher Hochschule Winterthur berufen worden. Nach einem dreitägigen Test, bei dem er sein Ankommen bei den Studenten prüfen wollte, ist er bei dieser «faszinierenden Tätigkeit hängen geblieben» und unterrichtet inzwischen auch an der Hochschule für Wirtschaft und Verwaltung in Zürich an einem neuen Kurs über Corporate Communications. «Integrierte Unternehmenskommunikation», aber im Grunde würde er einfach aus seiner vielseitigen Praxis heraus «zeigen, wie eine Marke funktioniert».
Als ein «Hobby» nennt er, der in jungen Jahren geschmuggeltes Red Bull in illegalen Kellerclubs verkauft hat, die erfrischende Auseinandersetzung mit seiner 16-jährigen Tochter und seinem 21-jährigen Sohn.
Mehr als das «grafische Büro» von Red Bull: Christoph Matejka hat für die Werbeagentur Kastner & Partners bereits neue Kunden an Land gezogen.
Andreas Panzeri

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