Das verschwiegene Trinken der Lämmer
Alkoholprävention Eine neue Plakatkampagne von cRDDB Basel nimmt die Auswirkungen von risikoreichem Trinkverhalten unter die Lupe.
Alkoholprävention Eine neue Plakatkampagne von cRDDB Basel nimmt die Auswirkungen von risikoreichem Trinkverhalten unter die Lupe.«Risikoreiches Trinkverhalten» heisst die fachliche Definition für die paar «Cüplis» unter Freundinnen in der Disco oder das lautstarke Zuprosten unter echten Männern am Stammtisch. «Schau zu dir und nicht zu tief ins Glas» hat cRDDB Basel zur neuen Plakatkampagne des Bundesamtes für Gesundheit getextet. Die neue Kampagne läuft unter dem Motto «Alles im Griff» und will aufzeigen, wie der Mensch bei geselligem Beisammensein in Versuchung kommen kann, einen zu viel hinter die Binde zu kippen. Das mittlerweile bekannte und von cRDDB entwickelte Kampagnenglas soll der Kampagne die visuelle Kontinuität garantieren. Die Werbeagentur cRDDB betreut die 1999 gestartete Alkoholprävention des Bundesamtes für Gesundheit nun bereits zum fünften Mal.Die neuen Plakate fallen auf durch eine nüchterne Beschränkung auf einen Lupeneffekt. Die mit allgemeinem Trinkverhalten assoziierten Wörter wie «Ausgang», «lustvoll» oder «weekend» sind so hinter ein Glas mit Alkohol gesetzt, dass negativ besetzte Silben wie «end», «voll» oder «ko» dank der vergrössernden Wirkung des Glases als Blickfang erscheinen.
Diese Botschaften sollen gemäss Auftrag der Präventionskampagne gegen die Lust am Rausch wirken. Es wird «unter die Lupe genommen», wie anfänglich normale Situationen ins Negative kippen können, wenn die Alkoholkonsumierenden zu sich selber keine Sorge tragen. Die auch von der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme mitgetragene Kampagne will deshalb nicht grundsätzlich gegen Alkohol auftreten, sondern die Botschaft «Trinken mit Mass» propagieren, wie Hans Tanner, CD bei cRDDB erklärt.
Die Plakate richten sich entsprechend auch an eine weit gefasste Zielgruppe. «Wir wollen junge Alcopoppers in der Disco ebenso ansprechen wie ältere Biertrinker am Stammtisch», meint Tanner. Im Glaubenskrieg um Schockbilder in der Präventionswerbung hat der Konzepter für diese Kampagne bewusst nicht mit abschreckenden Sujets gearbeitet. «Suchtverhalten hat etwas mit mentaler Einwilligung zu tun», ist Tanner überzeugt. Seine Ideen sollen deshalb anregen, sich rund um das Thema Alkohol eine eigene Meinung zu bilden.
Die Plakate werden gesamtschweizerisch eingesetzt. Damit die Wortspiele funktionieren, hat die Agentur extra auch Texter italienischer und französischer Muttersprache an den Sujets arbeiten lassen. Neben allgemein argumentierenden Plakaten sind zusätzlich verschiedene Spezialplakate gestaltet worden, die gezielt an exponierten Stellen zum Einsatz kommen. Ein Plakat mit dem vergrösserten «weg» beim Wort «wegtreten» wird auf Kasernenplätzen aufgehängt. Ein Plakat mit dem dicken «aus» beim Wort «Führerausweis» findet sich in Parkhäusern. «No» beim «Snowboarden» soll in den Skigebieten zum gemässigten Trinken anhalten.
Gegen lammfrommes BechernAnders als die öffentlichen Plakate ist der neue Kinospot der Kampagne 2003 «mediengerecht», wie Tanner meint, besonders auf das junge Publikum im Kino zugeschnitten. Der Film «Herdentrieb», der ab dem 13. Februar in über 450 Kinos in der ganzen Schweiz zu sehen sein wird, vergleicht mit drei simplen Symbolszenen in der Gruppe trinkende junge Frauen in einer Lounge sowie Männer in einer Gartenbeiz mit Schafen in einer Herde. So wie die Schafe in der Herde keinen eigenen Willen haben und damit kein individuelles Verhalten zeigen, wird auch in der menschlichen Runde oftmals fremdbestimmt wie in einem Rudel getrunken. Der Spot will mit diesem tierischen Vergleich auf humorvolle Weise anregen, selbstständig zu entscheiden statt gedankenlos einem «Leithammel» zu folgen und dem Gruppendruck nachzugeben.
Unterstützt wird die Kampagne durch die Website www.alles-im-griff.ch. Der Infoteil stellt Fachleuten, Betroffenen und Hilfesuchenden ausführliche Informationen und weiterführende Links zur Verfügung. In «The Club» findet ein jugendliches Publikum spielerisch weitere interaktive Angebote, Links und Präventionsbotschaften. Das im März 2002 lancierte elektronische Spiel «Spacebar» hat bereits «die magische Zahl» von 140000 Downloads erreicht.
Lammfrommes Mitzechen soll bei Jugendlichen verpönt werden.
Andreas Panzeri
Diese Botschaften sollen gemäss Auftrag der Präventionskampagne gegen die Lust am Rausch wirken. Es wird «unter die Lupe genommen», wie anfänglich normale Situationen ins Negative kippen können, wenn die Alkoholkonsumierenden zu sich selber keine Sorge tragen. Die auch von der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme mitgetragene Kampagne will deshalb nicht grundsätzlich gegen Alkohol auftreten, sondern die Botschaft «Trinken mit Mass» propagieren, wie Hans Tanner, CD bei cRDDB erklärt.
Die Plakate richten sich entsprechend auch an eine weit gefasste Zielgruppe. «Wir wollen junge Alcopoppers in der Disco ebenso ansprechen wie ältere Biertrinker am Stammtisch», meint Tanner. Im Glaubenskrieg um Schockbilder in der Präventionswerbung hat der Konzepter für diese Kampagne bewusst nicht mit abschreckenden Sujets gearbeitet. «Suchtverhalten hat etwas mit mentaler Einwilligung zu tun», ist Tanner überzeugt. Seine Ideen sollen deshalb anregen, sich rund um das Thema Alkohol eine eigene Meinung zu bilden.
Die Plakate werden gesamtschweizerisch eingesetzt. Damit die Wortspiele funktionieren, hat die Agentur extra auch Texter italienischer und französischer Muttersprache an den Sujets arbeiten lassen. Neben allgemein argumentierenden Plakaten sind zusätzlich verschiedene Spezialplakate gestaltet worden, die gezielt an exponierten Stellen zum Einsatz kommen. Ein Plakat mit dem vergrösserten «weg» beim Wort «wegtreten» wird auf Kasernenplätzen aufgehängt. Ein Plakat mit dem dicken «aus» beim Wort «Führerausweis» findet sich in Parkhäusern. «No» beim «Snowboarden» soll in den Skigebieten zum gemässigten Trinken anhalten.
Gegen lammfrommes BechernAnders als die öffentlichen Plakate ist der neue Kinospot der Kampagne 2003 «mediengerecht», wie Tanner meint, besonders auf das junge Publikum im Kino zugeschnitten. Der Film «Herdentrieb», der ab dem 13. Februar in über 450 Kinos in der ganzen Schweiz zu sehen sein wird, vergleicht mit drei simplen Symbolszenen in der Gruppe trinkende junge Frauen in einer Lounge sowie Männer in einer Gartenbeiz mit Schafen in einer Herde. So wie die Schafe in der Herde keinen eigenen Willen haben und damit kein individuelles Verhalten zeigen, wird auch in der menschlichen Runde oftmals fremdbestimmt wie in einem Rudel getrunken. Der Spot will mit diesem tierischen Vergleich auf humorvolle Weise anregen, selbstständig zu entscheiden statt gedankenlos einem «Leithammel» zu folgen und dem Gruppendruck nachzugeben.
Unterstützt wird die Kampagne durch die Website www.alles-im-griff.ch. Der Infoteil stellt Fachleuten, Betroffenen und Hilfesuchenden ausführliche Informationen und weiterführende Links zur Verfügung. In «The Club» findet ein jugendliches Publikum spielerisch weitere interaktive Angebote, Links und Präventionsbotschaften. Das im März 2002 lancierte elektronische Spiel «Spacebar» hat bereits «die magische Zahl» von 140000 Downloads erreicht.
Lammfrommes Mitzechen soll bei Jugendlichen verpönt werden.
Andreas Panzeri
