«Wir müssen die alten Strukturen aufbrechen»
Mit «Grow» startet ein aussergewöhnliches Mentoringprogramm für die Content-Marketing-Branche: Junge Talente unterstützen junge Talente. Werbewoche.ch hat mit zwei Vertreterinnen gesprochen.

Wie können Agenturen den Nachwuchs in der Content-Marketing-Branche fördern und an sich binden? Wie können sie effektiv Hilfestellungen leisten, damit sich Young Talents wohlfühlen? Die Antwort des Branchenverbandes Content Marketing Forum (CMF) auf diese Fragen heisst «Grow». Das Angebot wurde erdacht von der Anfang des Jahres ins Leben gerufenen «NextGen», dem CMF-Gremium für die jungen Talente im Content Marketing. Mit «Grow» helfen junge Talente anderen jungen Talenten der Content-Marketing-Branche, es soll Berufseinsteiger:innen Orientierung und Hilfestellungen bieten sowie den Austausch und die Diversität in der Branche fördern.
Gemeinsames Wachsen und Ideenaustausch
Im Kern geht es darum, Distanz und Barrieren zwischen Mentee und Mentor:in abzubauen und einfacher ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. So können die Berufseinsteiger:innen von Personen lernen, die erst kürzlich ähnliche Erfahrungen wie sie selbst gemacht haben. Davon sollen am Ende nicht nur der/die Mentee, sondern auch die Mentor:innen selbst profitieren können. Der Fokus liegt auf dem gemeinsamen Wachsen und Weiterentwickeln, dem Ideenaustausch und dem voneinander Lernen.
Auftakt für den Mentoringprozess ist ein eintägiges Event, bei dem sich alle Mentor:innen und Mentees kennenlernen, sich austauschen und als Mentoring-Teams zusammenfinden können. Anfang des Jahres hat das CMF die NextGen geschaffen. Ein neues, innovatives Gremium aus jungen Vertreter:innen verschiedener CMF-Mitgliedsunternehmen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich.
Werbewoche.ch hat mit zwei Vertreterinnen über das neue Programm gesprochen: Corinne Brönnimann, Digital Marketing & Communications bei Swisscontent in Zürich, und Florine Geller, Senior Digital Consultant bei muehlhausmoers in Berlin.
Werbewoche.ch: Wenn ihr an eure Agentur-Anfänge zurückdenkt – bei welchen Themen hättet ihr selbst gerne Unterstützung gehabt?
Corinne Brönnimann: Ich hätte mich gerne mit jemandem auf Augenhöhe ausgetauscht, um meine Bedenken und Unsicherheiten einordnen und relativieren zu können. Das schafft Orientierung. Diese kann Sicherheit und Bestätigung geben oder den entscheidenden Mut zur Veränderung anstossen. Handeln muss man zwar selbst, doch Austausch inspiriert und motiviert. Die Hemmschwelle, sich über solche Themen mit einem Vorgesetzten auszutauschen, ist deutlich höher.
Ich hätte mich gerne mit jemandem auf Augenhöhe ausgetauscht
Florine Geller: Ich hätte vor allem gern Unterstützung in der Vorbereitung von Personalgesprächen und Verhandlungen gehabt. Gerade bei dem Thema Gehalt herrscht nach wie vor ein großes Hierarchiegefälle.
Was könnt ihr nun selbst als Unterstützung für Mentees, die gar nicht viel jünger sind als ihr, einbringen?
Corinne Brönnimann: Berufliche Erfahrung ist wertvoll und aus fachlicher Sicht profitiert man davon als Einsteiger:in. Doch was ist mit all den persönlichen Fragen und Unsicherheiten? Mit solchen und ähnlichen Überlegungen haben wir uns im Rahmen der «NextGen» auseinandergesetzt. Die „NextGen“ ist ein eigenständiges Gremium, das neben dem CMF-Vorstand besteht und sich zum Ziel gesetzt hat, die Agenturlandschaft nachhaltig zu verjüngen und den Austausch zwischen den Generationen zu fördern. Im Zuge dessen ist «Grow» unsere erste Initiative. Sie zielt bewusst auf den Austausch und die Unterstützung auf Augenhöhe ab. Es geht also nicht darum, super erfahren zu sein, um mentoren zu können. Vielmehr soll man Lust haben, sich auszutauschen, gegenseitig zu unterstützten und gemeinsam zu lernen. Wir können von eigenen Erlebnissen und Erfahrungen berichten, die wir kürzlich selbst durchlebt haben. Das schafft eine andere, sehr wertvolle Vertrauensbasis. Hier sehen wir einen echten Mehrwert.
Guten Nachwuchs in den Agenturen zu halten ist eine große Herausforderung – inwiefern trägt das «Grow»-Programm dazu bei?
Florine Geller: Mit der NextGen und dem Mentoringprogramm möchten wir Young Talents eine Anlaufstelle bieten, bei der sie sich aufgehoben fühlen und an die sie sich stets wenden können. Wir geben den Young Talents eine Stimme und sorgen dafür, dass sie gehört werden. Im Idealfall sorgt dies für ein Umdenken in der Agenturlandschaft und dann letztendlich auch dafür, dass sich Nachwuchskräfte in der Branche wohler fühlen.
Wir geben den Young Talents eine Stimme
Und was muss sich in der Content Marketing-Branche tun, damit sie attraktiver wird für gute Nachwuchskräfte?
Corinne Brönnimann: Sie muss sich öffnen, der nächsten Generation zuhören und sich auf ihre Bedürfnisse einstellen. Es gibt viele motivierte Nachwuchskräfte. Es braucht nur jede:r eine Chance, loslegen und ausprobieren zu dürfen.
Florine Geller: Absolut. Wir müssen in einen ehrlichen Austausch zwischen Nachwuchs und erfahrenen Kräften kommen und voneinander lernen. Das bedeutet eben auch, dass wir die alten Strukturen aufbrechen und jungen Talenten mehr Möglichkeiten der Entwicklung einräumen müssen – sei es in höheren Positionen, in der Weiterentwicklung und Fortbildung, in angemessenen Gehältern, etc.
