Neues Arc Collective: «Im Miteinander entfaltet sich die Stärke, etwas bewirken zu können»
Das von Olivier Mächler und Karin Zürcher gegründete «Arc Collective» hat sich ganz der Nachhaltigkeit verschrieben. Gemeinsam wollen sie zukunftsfähige Projekte und Unternehmen mit ganzheitlicher Kommunikation und Beratungen für Kreativkonzepte im Sinne der ökologischen Nachhaltigkeit unterstützen. Im Interview sprechen sie über Nachhaltigkeitspionier:innen, Greenwashing und Gemeinschaft.

Wie ist ARC Collective entstanden?
Olivier Mächler: Ich habe in den letzten sechs Jahre in der Kommunikation für eine Agentur gearbeitet. Das Kundenfeld war divers. Mein Ziel war es immer, mit Menschen, die ich mag oder spannend finde, interessante Projekte umzusetzen, die auf Sinnhaftigkeit bauen. Die ersten zwei Punkte waren erfüllt, der letzte hat gefehlt. Darum habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, mit einer eigenen Agentur alle drei Punkte zu vereinen.
Karin Zürcher: Seit Jahren verfolge ich das Ziel, mit meiner Arbeit tiefgreifende Challenges anzugehen und Lösungen mit einem Impact zu erarbeiten. Mir ist es wichtig, bedürfnisorientiert zu gestalten. Nach meinen Erfahrungen im Innovation Unit von Ärzte ohne Grenzen und Raise Now habe ich mich bei Climeworks dem allgemeinen Verständnis und dem Zugang zum Klimawandel verschrieben. Es gibt viele Ansätze, um die Welt besser zu verlassen, als man sie antritt. Die Menschen müssen auch davon hören und einen Bezug dazu haben. Ich möchte Menschen inspirieren, vom Ungewissen ins Handeln zu treten – deshalb nun Arc. Wir werden ein Sprachrohr sein für all die grossartigen Ideen. Eine Bühne schaffen und die richtigen Menschen zueinander führen, die einander unterstützen.
Was bedeutet für Sie Sinnhaftigkeit?
Mächler: Für uns heisst das ökologische und soziale Nachhaltigkeit. Eine Gesellschaft, die es ermöglicht, dass die Generation von heute sowie die Generation von Morgen ein faires Leben haben kann.
Zürcher: Die grosse Frage hier ist Fairness. Allein in der Schweiz geboren zu werden heisst bereits, dass wir einen der höchsten Fussabdrücke der Welt haben. Ich kann zwar auf tierische Produkte oder das Fliegen verzichten. Trotzdem trage ich dazu bei, dass ich als Schweizerin über 2,5 Erden-Ressourcen verbrauche in meinem Leben. Wir haben aber nur die eine Welt.
Welche bisherigen Berufserfahrungen fliessen in die neue Agentur mit ein?
Mächler: In unserem Kollektiv fliessen verschiedenste Erfahrungen zusammen. Ein Team aus Freelancer:innen wird für das jeweilige Projekt ausgewählt. Unterschiedliche Personen müssen an Lösungen arbeiten – daran glauben wir fest. Sowohl in der Gesellschaft als auch bei uns als Kollektiv, oder wenn wir gemeinsam mit den Kunden nach Lösungen suchen: Neue Blickwinkel und Skills sind essenziell, um voranzukommen.
Was bedeutet der Name «Arc Collective»? Was ist Ihre Mission?
«Arc» symbolisiert den Bogen des Wandels. Das «Collective» steht für die Gemeinsamkeit. Im Miteinander entfaltet sich die Stärke, etwas bewirken zu können. Unsere Mission ist es, dass wir mit diesem Kollektiv innovative Lösungen fördern. Wir möchten mit kreativen Köpfen und Nachhaltigkeitspionier:innen zusammenarbeiten, die den Wandel aktiv vorantreiben wollen. Für sie entwickeln wir zukunftsfähige Projekte und ganzheitliche Kommunikation.
Richten Sie sich also an Unternehmen, die Nachhaltigkeit bereits leben?
Ja, das ist uns sehr wichtig. Wir wollen Unternehmen ganzheitlich bei ihrer Kommunikation unterstützen, die sich diese Werte auf die Fahne geschrieben haben. Wir wollen kein Greenwashing für Unternehmen betreiben. Nachhaltigkeit muss im Kern der Kund:innen sein, für die wir kommunizieren.
Zürcher: Wir arbeiten auf Hochtouren daran, ein engagiertes Netzwerk an Expert:innen im Feld der Nachhaltigkeit zu involvieren. Unternehmen, die erste Schritte in Richtung Nachhaltigkeit gehen wollen, beraten wir gerne mit Workshops und Nachhaltigkeit-Inputs. Im Austausch mit Unternehmen hat sich gezeigt, dass viele etwas verändern wollen, aber nicht wissen, wo anfangen. Oder die Ressourcen nicht haben, sich diesem wichtigen Thema zu widmen.
Mittlerweile schreiben sich viele Unternehmen Nachhaltigkeit auf die Fahne. Können Sie das überprüfen?
Eine wichtige Frage, über die wir viel diskutieren. Wir führen daher stets ein Erstgespräch mit potenziellen Kund:innen. Zu Beginn haben wir vielleicht noch nicht die Ressourcen, um zum Beispiel eine komplette Lieferkette bis ins Detail zu durchleuchten. Dennoch ist für uns entscheidend, herauszufinden, was das Kernanliegen des Unternehmens ist.
Mächler: Wenn wir erkennen, dass die Grundsätze eines Unternehmens nicht mit unserer Vision übereinstimmen, werden wir auf eine Zusammenarbeit verzichten oder als Brückenbauer zwischen den richtigen Personen agieren. In Zukunft werden wir uns darauf konzentrieren, eine beratende Rolle zu übernehmen, um Unternehmen nachhaltiger auszurichten.
Welche Dienstleistungen bieten Sie an? Wie unterscheiden Sie sich von anderen Agenturen?
Wir haben drei Fokus-Themen, einerseits die klassische Kommunikation, also On/Off-Kommunikation für bereits nachhaltige und progressive Unternehmen. Der zweite Fokus ist Kreation und Interaktion – wo wir beispielsweise über Webseiten und Storytelling zugeschnittene Marken-Erlebnisse schaffen. Der dritte Fokus ist der Nachhaltigkeit-Input. Dort setzen wir uns ein, den Unternehmen in Form von Workshops einen Einstieg zum Thema zu ermöglichen.
Für wen würden Sie gerne Konzepte kreieren?
Ich wünsche mir kreative Köpfe, die beispielsweise an der ETH oder bei sich in der Garage, an zukunftsfähigen Erfindungen tüfteln, die uns in vielen Bereichen der ökologischen Nachhaltigkeit weiterbringen. Also Fachspezialistinnen und -Spezialisten, die nun ihr Produkt an die Menschen bringen möchten. Oder auch etablierte Nachhaltigkeitspionier:innen, die bereits Produkte oder Dienstleistungen vermarkten, welche auf ihrem Weg mit kreativen Ideen unterstützen können. Ein konkretes Beispiel wäre zum Beispiel Luya, die in Bern pflanzliche Fleischalternativen aus ganzen Bio-Hülsenfrüchte produzieren.
Die Agentur startet am Dienstag. Wie wollen Sie zu Beginn Aufmerksamkeit generieren?
Um einen guten Start hinzulegen, setzen wir für kurze Zeit auf den «Arc Sprint». Innerhalb von nur fünf Tagen entwickeln wir kreative Konzepte und Lösungen für spezifische Herausforderungen. Durch diese Herangehensweise beschleunigen wir nicht nur die Ideenentwicklung, sondern festigen auch unsere Präsenz und knüpfen wertvolle Beziehungen.
Zürcher: Der «Arc Sprint» soll einen greifbaren und lösungsorientierten Zugang zum Thema schaffen. In fünf Tagen können bereits viele Ideen generiert und Weichen gestellt werden. Egal ob im Schnelldurchlauf oder in einem langfristigen Engagement: Wir freuen uns sehr, die Herausforderung anzunehmen, damit wir gemeinsam weiterkommen.
