EY-Studie: Investitionen in der Schweiz brechen um 24 Prozent ein

Ausländische Investitionsprojekte in der Schweiz sind 2025 auf den tiefsten Stand seit Jahren gesunken. Die neueste EY-Studie zeigt, wer noch investiert – und warum deutsche Unternehmen ihre Projekte halbierten.

EY-Experte André Bieri sieht Schweiz weiterhin als US-Tor. Quelle: zvg

Die Zahl der ausländischen Direktinvestitionen in der Schweiz ist 2025 deutlich gesunken. Laut dem neuen European Attractiveness Survey von EY gingen die Investitionen in der Schweiz um 24 Prozent zurück – von 111 auf 84 angekündigte Investitionsprojekte. Damit zeigt sich hierzulande eine ähnliche Entwicklung wie in Europa insgesamt, wo die Projektanzahl um sieben Prozent auf 5’026 sank und damit den niedrigsten Stand seit elf Jahren erreichte. Weniger Investitionen waren zuletzt 2014 gezählt worden.

Investitionsklima in Europa unter Druck

Der Abwärtstrend bei ausländischen Direktinvestitionen in Europa hält an. Frankreich blieb trotz eines Rückgangs um 17 Prozent auf 852 Projekte Spitzenreiter, vor Grossbritannien (730 Projekte, minus 14 Prozent) und Deutschland (548 Projekte, minus zehn Prozent). Entgegen dem allgemeinen Negativtrend verzeichneten einige Standorte Zuwächse: Die Türkei legte um 20 Prozent auf 383 Projekte zu, Polen um zehn Prozent auf 285 und Spanien um sieben Prozent auf 376. Die Niederlande wuchsen um acht Prozent auf 159 Projekte. Die Schweiz und Österreich belegen in Europa die Plätze 13 und 14 – beide mit deutlichen Rückgängen.

André Bieri, Markets Leader Schweiz und Liechtenstein bei EY, erklärt den anhaltenden Investitionsrückgang in Europa so: «Die protektionistischen Initiativen der USA, zum Beispiel grosse Förderprogramme oder Zölle zugunsten heimischer Produktion, bremsen vor allem Investitionen in EU-Produktionsstandorte. Gleichzeitig herrscht eine Unsicherheit infolge geopolitischer Entwicklungen. Dazu zählt insbesondere die Gefahr einer Rezession in den USA, die auf Europa ausstrahlen könnte.»

USA bleiben grösster Investor, deutsche Projekte halbieren sich

US-Konzerne reduzierten ihre Investitionen in der Schweiz 2025 leicht von 27 auf 25 Projekte (minus sieben Prozent), schufen dabei jedoch 158 neue Arbeitsplätze – mehr als im Vorjahr (131). Die USA blieben damit der grösste Einzelinvestor in der Schweiz. Bieri ordnet die verhältnismässig geringe Projektanzahl ein: «Diese Zahl mag auf den ersten Blick gering erscheinen. Man sollte jedoch bedenken, dass in der Schweiz typischerweise Arbeitsplätze mit sehr hoher Wertschöpfung geschaffen werden – gerade im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, wo viele der neu geschaffenen Stellen dem Routinebereich zuzuordnen sind.»

Am stärksten betroffen sind die deutschen Investitionen in der Schweiz: Diese halbierten sich von 14 auf sieben Projekte (minus 50 Prozent), die Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze sank von 123 auf 14. Frankreich und Grossbritannien überholten Deutschland mit je neun Projekten. Es folgen China mit vier Projekten sowie Belgien und Japan mit je drei Projekten.

Zur Situation der Schweiz als Investitionsstandort sagt Bieri: «Die Schweiz fungiert trotz abnehmender Investitionen weiterhin als Tor zu Europa für US-Unternehmen, weshalb die Investitionen aus den USA hoch bleiben. Nach wie vor bietet die Schweiz altbekannte Standortfaktoren, kombiniert mit Rechtssicherheit und einem attraktiven Steuersystem. Ein etabliertes Umfeld für Forschung und Entwicklung sowie für neue Technologien und entsprechende Talente sind weitere Treiber, die unser Land auszeichnen.»

Schweizer Unternehmen investieren weniger im Ausland

Auch Schweizer Unternehmen haben ihre Investitionen im europäischen Ausland 2025 reduziert: Die Zahl der Projekte sank um 13 Prozent auf 214, wodurch 7’583 neue Arbeitsplätze in den Zielländern entstanden (2024: 11’872). Die Schweiz hält damit weiterhin Platz sechs der grössten Herkunftsländer von Investitionen in Europa – hinter den USA (943 Projekte), Deutschland (484), Grossbritannien (360), Frankreich (295) und China (261).

Schweizer Unternehmen investierten 2025 vor allem in Frankreich (35 Projekte, 1’260 neue Stellen) und Deutschland (34 Projekte, 851 Stellen). Spanien, Polen und die Türkei folgten mit je 17 Projekten, Italien mit 15. Die Investitionen in Frankreich und Deutschland gingen gegenüber dem Vorjahr jedoch deutlich zurück – um 39 respektive 28 Prozent.

Verteidigungssektor als Wachstumssegment

Einen starken Anstieg verzeichnet der Verteidigungssektor: Die Zahl der ausländischen Investitionsprojekte in diesem Bereich stieg europaweit um mehr als 80 Prozent – von 58 auf 107 Projekte. Grösste Zielländer waren Grossbritannien (20 Projekte), Frankreich (14) und die Ukraine (12). Haupttreiber waren US-Unternehmen, die ihre Projekte von neun auf 28 ausbauten. Deutsche Unternehmen bildeten die zweitwichtigste Investorengruppe im Verteidigungsbereich. Insgesamt entstanden durch Verteidigungsinvestitionen europaweit knapp 7’000 neue Stellen (2024: rund 3’150).

Mehr Informationen zur EY-Studie und zu den Ergebnissen für die Schweiz finden sich unter https://www.ey.com/ch.

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