Agenturcheck: Brinkertlück Creatives
Brinkertlück Creatives hat sich am 1. Januar 2021 erfunden und beschäftigt inzwischen 60 Mitarbeitende. Die Werteagentur macht nicht für jede:n Werbung, Haltung ist «key». Vor vier Jahren hievten sie SPD-Kanzler Olaf Scholz ins Amt, 2025 probierten sie es erneut. Dennis Lück verrät Details, aber auch, warum seine Crew unsichtbares Geld verdient.

- Name: Brinkertlück Creatives
- Gründungsdatum: 01.01.2021
- Gründer: Dennis Lück + Raphael Brinkert
- Agenturchefs: Dennis Lück + Raphael Brinkert
- Mitarbeitende: 60
- Aktuelle Kund:innen (Schweiz): Zurich Versicherung, Graubündner Kantonalbank, Feldschlösschen (Pepsi & Valaisanne), Swisscom, Ex Libris, JobRad inkl. SC Freiburg, Dr. Oetker, World Vision, Die Schweizerische Post, Volksbund, Graubünden Ferien, Schweiz Tourismus, Greenfield, Frauenzentrale Zürich, Arosa Lenzerheide, Aargau Tourismus
- Standorte: Zürich/Chur
m&k: Auf welche Kampagne aus den vergangenen zwölf Monaten seid ihr besonders stolz?
Dennis Lück: Hui, die Frage ist ja fast so schlimm wie «Welches Kind ist dein liebstes?». Wir fördern mit Pepsi den Frauenfussball, wir wecken mit Ex Libris die Lesefreude, wir sorgen mit der GKB für die beste Zukunft. Da gäbe es einige. Mein momentanes Highlight ist aber eine Kampagne für Graubünden Ferien in Kooperation mit der ÖKK. Weil die Luft in Graubünden so gesund ist, kann man eine Hotelübernachtung bei der Krankenkasse, also bei der ÖKK, einreichen und erhält die Kosten easy zurückerstattet. Ob man Kunde ist oder nicht. Das ist natürlich ein feiner kreativer Genie-Streich.
Die bisher wichtigste Kampagne der Agenturgeschichte – und wieso?
Da muss ich zwei Kampagnen nennen. Zum einen die Kampagne, die die Kanzlerkandidatur von Olaf Scholz vor vier Jahren begleitet hat. Das hat uns sofort auf den Radar gebracht und endete dann ja auch in der Wahl zur «Agentur des Jahres». Und zum zweiten die strategische Neupositionierung der GKB hier in der Schweiz. Nur zwei Stunden nach der Gründung wurde die GKB Kundin von uns und ist es auch heute noch. Das ist eine ganz wunderbare und sehr verbindende Story.
Der ausgefallenste Ort, an den sich Eure Kreativen zum kreativ sein zurückziehen?
Da funktioniert ja jeder anders. Hier in der Agentur ist die Couch-Ecke besonders beliebt. Sobald es wärmer wird, gehen die Leute in unseren Garten vor der Tür. Bei mir ist es ganz unspektakulär: Schreibtisch, Kaffee und los. Nur die Uhrzeit ist bei mir ausgefallen für einen Kreativen. Ich lege täglich um fünf Uhr los.
Was macht ihr bei Denkblockaden?
Druck aufsetzen, Peitsche schwingen, rumschreien. Nee, Spass beiseite. Ganz ehrlich: Ich habe noch nie, nie, nie eine Denkblockade erlebt. Wirklich nie. Das geht in einem funktionierenden Team überhaupt nicht. Da gibt es so viele Hilfsmittel, beispielsweise Kreativitäts-Techniken, dass das nicht vorkommt.
Was ist Eure Agentur-Philosophie?
Werteagentur statt nur Werbeagentur. Werbung für Trockenpulver-Tomatensuppen machen wir nicht. Aber alles, was einen kleinen, feinen oder einen grossen, gesellschaftlichen Wert erzeugen soll, damit kommt man bitte zu uns.
Warum sollten Talente unbedingt zu Euch arbeiten kommen?
Hier spielt das Werte-Thema auch eine grosse Rolle. Wir sind das nicht nur hübsch nach aussen, sondern auch nach innen. Talente werden hier gefördert und gecoacht und haben sofort Verantwortung. Jeder hier erhält eine Kader-Lösung für die PK. Jeder hier ist Bonus-berechtigt. Wenn wir gemeinsam gut arbeiten, profitieren wir auch gemeinsam. Das macht uns absolut einzigartig auf dem Markt.
«Wir sind nicht nur hübsch nach aussen, sondern auch nach innen.»
Wie lang bleiben Mitarbeitende im Durchschnitt bei Euch?
Unsere Fluktuation ist ultratief. Die Hälfte aller Leute begleitet uns schon seit der Gründung 2021.
Wie alt ist euer jüngster, wie alt der älteste Mitarbeitende?
Unser jüngstes Team-Mitglied ist 19 und das älteste 61. Unser Teamgefüge ist echt und auf natürliche Art und Weise divers. Heisst: Wir haben Talente aus England, Portugal, Deutschland, Österreich und sogar aus dem Aargau (lacht). Spass beiseite. Schön zu sehen ist, dass eine Leistungskultur kein Alter, keine Herkunft oder sonstwas bei uns kennt.
Wie hoch sind die Löhne, die ihr zahlt, im Vergleich zum Branchenschnitt?
Wir zahlen gute und faire Grundlöhne als immer noch junge Agentur. Und wie gesagt: Wenn die Kasse gesamthaft klingelt, dann klingelt sie auch bei jedem einzelnen. Das hängt an uns selbst. Darüber hinaus bezahlen wir ja auch noch «unsichtbares Geld», also unsere Top-Vorsorgelösungen für alle.
Lohntransparenz: Wissen die Mitarbeitenden untereinander, wer wieviel verdient?
Ihr habt es ja schon bei der vorherigen Frage gespürt: Transparent muss ich nach innen sein, nicht nach aussen. Wir haben keine angeordnete Lohntransparenz, aber natürlich wird hier und da geredet, und das ist voll okay.
Wie lang bekommt man bei Euch Mutterschafts- und wie lang Vaterschaftsurlaub?
Die Hälfte unseres Teams hat Kinder – von Kleinkindern bis ins Teenager-Alter. Generell halten wir uns da an alle gesetzlichen Vorgaben. Aber: Wir pflegen einen sensationell verständnisvollen Umgang mit Familien-Themen. Family first ist immer die Devise. Für mich selbst und auch für alle anderen.
Wie ist bei euch Homeoffice geregelt?
Wir haben zwei fixe Office Days, montags und mittwochs, ansonsten ist es frei wählbar, ob man in die Agentur kommen möchte. Die Hälfte des Teams ist aber fast immer da. Das liegt wohl am Charme unseres Backsteinhäuschens– übrigens eine ehemalige ETH-Bibliothek.

Beschäftigt ihr Praktikant:innen?
Ja, natürlich. Aktuell sind wir auf der Suche nach Unterstützung in der Projektleitung und ab August auch wieder für den Bereich Grafik.
Wie hoch ist aktuell die Frauenquote?
Genau 50 Prozent über alle Stufen hinweg, sprich von GL bis Praktikant:innen. Und das ist natürlich gewachsen ohne selbst auferlegte Quote. So soll es sein.
Veranstaltet ihr Teamevents?
Es gibt sehr viele kleine und spontane Events. Vom Konzert über Eishockey-Matches oder einfach nur Bierchen und Pizza bis hin zu den grossen und geplanten Team-Events ist alles dabei. Die letzte Weihnachtsfeier haben wir zum Beispiel auch mit den Kollegen:innen aus Hamburg im Gerolds Garten gefeiert. Im März geht es wieder ins Bündnerland. Da ist die Luft ja so gut (siehe erste Antwort).
Wo trinkt ihr Euer Feierabendbier?
In unserem wunderschönen Garten. Ab diesem Jahr machen wir aus unseren Früchten nun Schnaps und Konfitüre. Natürlich selbstgemacht.
Welche Mandate beschäftigen Euch zurzeit am meisten?
Das ist gerade die Zurich Versicherung mit ihrer neuen strategischen Ausrichtung. Da passiert ordentlich was und es macht richtig Freude zu sehen, wohin und wie sich die Marke entwickelt. Dicht gefolgt von JobRad, die wir auch aus der Schweiz heraus betreuen. Da stehen Jahres-Kampagne und Sponsoring-Kampagne für und mit dem SC Freiburg an. Und natürlich der Wahlkampf in Deutschland. Der hält uns auch ordentlich auf Trab und beschert uns einen super Start ins Jahr.
Wann war klar, dass ihr mit der Werbekampagne für die SPD und den Kanzlerkandidaten Olaf Scholz schon sehr viel früher beginnen müsst, als gedacht? Habt ihr zeitgleich wie wir normalen Mitbürger:innen davon erfahren oder wurdet ihr vorher informiert, dass die Ampel platzt?
Nein, das haben wir nicht früher erfahren.
Wie habt ihr den Wahlkampf strategisch gestaltet?
Unsere Kampagne heisst «Mehr für dich. Besser für Deutschland». Die Kampagne konzentriert sich also voll und ganz auf die Inhalte des Wahlprogramms. Wir wollen so viele Menschen wie möglich dazu bringen, sich mit den Inhalten zu beschäftigen. Denn da liegt auch die Stärke der SPD. Das Programm ist durchdacht, fördert das Gemeinwohl, stärkt die Wirtschaft, kümmert sich um die Renten – und all das mit einem durchgerechneten Plan. Da gibt es andere, die verrechnen sich auch mal gerne um knapp 100 Milliarden Euro.
Wie habt ihr das zeitlich hinbekommen?
Wir haben ein hocheffizientes, hochkreatives Team aufgestellt, das sich nur darum kümmert. Und Highspeed-Einsätze sind wir ja gewöhnt, nicht nur von Wahlkämpfen.
Die Filme sind gedreht, wie reagiert ihr jetzt noch auf die letzten Wochen, muss man da anpassen?
Jetzt gilt es, immer reaktionsbereit zu sein. Es klingt nach wenig Zeit, aber es kann noch so, so viel passieren. Ein falscher Satz eines Kandidaten und die Lage ist eine völlig neue. Der reaktive Teil ist jetzt also enorm wichtig und je nach Situation vielleicht sogar «Matchentscheidend». Der Highspeed-Modus gilt also bis 23. Februar 2025.
Dieser Artikel erschien zuerst in der Printausgabe 1-2/2025. Das Interview wurde vor der Bundestagswahl 2025 geführt.






