Back to the Future

Willkommen im 2015. Das Jahr, in dem sich die «Zukunft» aus der legendären Science-Fiction- Trilogie «Back to the Future» abspielt. Das Jahr der unsäglichen Mode (einfach mal Back to the Future Fashion 2015 googeln und Sie wissen, was ich meine).

Während uns Sachen wie die doppelte Krawatte, Griffs Hut oder dehydrierte Pizza zum Glück erspart blieben, sind andere wie die Computerbrille schon fast Realität.

Das am nächsten an der Welt aus Back to the Future ist übrigens die International Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas, die wahrscheinlich grösste Fachmesse für Unterhaltungselektronik der Welt. Einlass erhalten nur geladene Gäste wie Branchen- Fachleute, Journalisten und Insider. Trotzdem bin ich natürlich irgendwie (fast) live mit dabei – Social Media sei Dank.

Die Erwartung für dieses Jahr war klar «connecting everything»; von Uhren über Zahnbürsten bis zu virtuellen Welten. Und ja, die CES war im Zeichen des Internet of Things. Neben selbstfahrenden Autos und neuen Smartphones gab es an der CES auch Gadgets und zahlreiche weitere skurrile Produkte und Erfindungen. Ein paar Kuriositäten habe ich für euch zusammengetragen.

Ein praktisches Beispiel für alle ohne grünen Daumen: der intelligente Blumentopf mit dem Namen «Parrot Pot». Dieser misst Licht, Temperatur, Feuchtigkeit und Dünger und leitet diese Informationen weiter an das eigene Smartphone. Bei Bedarf versorgt der «Parrot Pot» den Inhalt sogar automatisch mit Wasser. Auch interessant ist die unauffällige Kamera «Netatmo Welcome» für das Wohn- oder Schlafzimmer, welche mit Gesichtserkennung ausgestattet ist und diese Daten dann auch gleich an ein iPhone oder eine Apple Watch übermittelt. So weiss man rund um die Uhr, wer sich in seinen eigenen vier Wänden aufhält. Perfekt für die Control Freaks unter uns, aber vielleicht trotzdem etwas übertrieben. So wie bestimmt für viele auch die nächste Erfindung, welche ein weitverbreitetes Problem, den Mundgeruch, lösen soll. Das handliche Gadget «Mint» von Breathometer analysiert über eine elektrochemische Zelle den Atem und teilt dem Nutzer auf einer App mit, ob nur ein Kaugummi benötigt wird oder doch lieber gleich die Zähne geputzt werden sollten.

Nützliche Tools oder doch Vorgeschmack auf die Welt von McFly & Co? Dies sei dahingestellt. Doch wer weiss, vielleicht haben einige davon das Potenzial zum künftigen Kassenschlager, denn mal im Ernst: Wer hätte vor ein paar Jahren an einen Stock mit Smartphone- Halter, einen sogenannten Selfie Stick, als erfolgreiches Gadget gedacht?

Mein Lieblings-Gadget in diesem «Back to the Future»-Jahr kommt allerdings nicht direkt aus der CES. Nein, das Hooverboard werden wir nicht auf den Strassen sehen. Aber sehr wahrscheinlich der selbstschnürende Turnschuh. Ja, Sie haben richtig gelesen. Gerüchten zufolge soll Nike den legendären Turnschuh der Hauptfigur Marty McFly entwickelt haben und noch dieses Jahr in die Läden bringen. Ob Marketing- Gag oder nicht, das Gerücht sorgt für Schlagzeilen. Wir dürfen gespannt sein, ob es dem Sportartikel- Gigant gelingt, den Schuh bis am 21. Oktober 2015 zu lancieren. Warum? Na, weil an diesem Tag Marty McFly in Hill Valley landen wird.

Manuel P. Nappo, Studienleiter CAS Social Media Management HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. www.fh-hwz.ch/smm
 

Back to the Future

Vor 47 Jahren erschien die erste gesamtschweizerische Leserschaftsstudie, die LF 67/68. Anlässlich des 18. Schweizerischen Medienforschungstages schaut die WEMF, mittlerweile 50 geworden, hauptsächlich in die Zukunft, wirft aber auch einen Blick zurück.

Um es gleich vorwegzunehmen, die WEMF blickt bei Weitem nicht bis ins Erscheinungsjahr der ersten Leserstudie zurück. Sie belässt es auf 10 Jahren. Die Verhaltens- und Profil-Veränderungen, die am Medienforschungstag präsentiert werden, beziehen sich auf die letzte Dekade. Wir schauen an dieser Stelle viel weiter zurück und präsentieren Ergebnisse aus der ersten Leserschaftsforschung. Altgediente Medienfachleute wissen, die Publikationsblätter mit den Leserzahlen erschienen damals in Grün, Rot und Blau. Genauso konnte man sich darüber ärgern, wenn das Sachverständnis abhanden kam. Nachdem sich die ersten zwei Studienpublikationen nur auf die Agglomerationsgebiete beschränkten, erschien 1967 die erste nationale Leserstudie. Damit hatten die Printmedien ein neues, professionelles Planungszeitalter eingeläutet. Neben den Gesamtleserzahlen, ausgedrückt in Leser pro Nummer, Woche, Monat oder Vierteljahr wurden auch verschiedene Aufgliederungen publiziert. Wichtiger als Einkommen und Interessengebiete waren Konfessionszugehörigkeit, Kaufkraftklassen und Bezugsart. Selbst ein Leserbindungsindex wurde errechnet.

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Vergleiche zwischen der LF Ausgabe von 1967 und der heutigen MACH sind weit hergeholt und im Grunde gar nicht statthaft. Wir wagen es trotzdem, im Wissen, dass seit 1967 mindestens ein halbes Dutzend Systemänderungen vorgenommen wurden und die meisten Titel durch Fusionen und Zukäufe massive Veränderungen erfahren haben. Doch es gibt auch solche, die sind geblieben, wie sie waren. Hier eine kleine Gegenüberstellung zum Amüsieren. Zwischen den beiden Kolonnen liegen 47 Jahre Medienforschung, schon damals unter dem Namen WEMF: Leser pro Woche, das waren noch Zeiten. Mittlerweile sind ganz andere Themen aktuell. Heute geht es vor allem darum, die Total Audience von Medien-Brands zu erfassen. Denn Zeitungen und Zeitschriften werden längst nicht nur auf Papier sondern zusätzlich auf ganz verschiedenen elektronischen Endgeräten wie PC, LAP oder Smartphone genutzt. 20 Minuten zum Beispiel hat neben den 1 571 00 Printnutzer auch 574 000 20minuten.ch Leser. Und 237 000 nutzen beide Quellen. Die WEMF hat in Zusammenarbeit mit NET Metrix Lösungen entwickelt, die dem veränderten Mediennutzungsverhalten Rechnung tragen und die Nutzung von digitalen Angeboten in Ergänzung zu den Druckprodukten zeigen. Die Ergebnisse der neuesten Teststudie werden am Medienforschungstag 2014 publiziert.

Otto Meier

PS: Neben den grünen, roten und blauen Tabellen der LF 67/68 gab es auch noch die gelben. Sie zeigten die Doppelleser. Schon damals!

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Back to the future

Ruedi Baur will das neue Institut für Design an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich zum Mekka der internationalen Grafik machen.

Ruedi Baur will das neue Institut für Design an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich zum Mekka der internationalen Grafik machen.In Zürich hat alles begonnen – und hier soll sich der Kreis schliessen. «Der Zyklus ist irgendwie fertig», räsoniert Ruedi Baur. Per 1. März dieses Jahres fungiert der 1956 in Paris geborene Doppelbürger der Schweiz und Frankreichs als Leiter des neu gegründeten Instituts für Design an der HGKZ, Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich. Baur ist einer der bekanntesten Schweizer Grafik-Designer. Seine Eltern sind aus dem Engadin nach Frankreich ausgewandert. Es war aber nicht die Kunststadt Paris, sondern die Limmatstadt Zürich, in der Baur damals seine Karriere starten wollte. «Für Architektur hätte ich Italien gewählt, für Design Zürich», blickt er zurück und beginnt zu schwärmen, dass Grafik aus der Schweiz zu jener Zeit weltweit in einer führenden Rolle wahrgenommen worden ist.An diese Vergangenheit will Baur anknüpfen. «Das ist eindeutig mein Ziel. Ich komme nicht nach Zürich, um die Zürcher Probleme zu regeln, sondern um den Standort Zürich zum weltweiten Zentrum für Design zu machen.» Die HGKZ habe dazu die Kapazität und Chance. Und auch Baur selber glaubt von sich: «Ich habe im Moment die Kraft, das durchziehen zu können», dem neuen Design zu einer gebührenden
Position in der Öffentlichkeit zu
verhelfen.
Ruedi Baurs Stärke ist das System-Design. Er will komplexe visuelle Sprachen entwickeln im Bereich der Identifikation, Orientierung und Information. Viele dieser Ideen spielen sich am Übergang vom Zweidimensionalen zum Dreidimensionalen ab. Eine seiner Visitenkarten, «die international sehr gut funktioniert», ist das Centre Pompidou in Paris. Dort hat Baur die ganze Reorganisation der Identität konzipiert, bis ins Detail der Beschilderung dieses Glasbaus von Rogers und Piano.
Unter den aktuellen Arbeiten verweist Baur auf den Flughafen Bonn-Köln. Auch hier geht es um das CD. Das Erscheinungsbild soll für einen Flughafen «sehr atypisch» werden, wenn demnächst auch hier eine umfassend neue Beschilderung angebracht wird. «Wir haben eine Schrift entwickelt, bei der die Piktogramme gleich mit inbegriffen sind», verrät er und meint, ein solch neues Design sei inzwischen «weit weg vom Label-Denken».
Auch für das Kongresszentrum Cité International in Lyon arbeitet Baur zurzeit an einem neuen Erscheinungsbild sowie an der Signetik eines ganzen Quartiers. Den gleichen Job des Corporate Designs macht er für die neu gegründete School of Marketing and Design in Essen. Eine «Aussenszenografie» gilt es für die nächsten Filmfestspiele in Berlin zu entwerfen.
Wie Ruedi Baur arbeitet, kann ab dem 9. März in konzentrierter Form im Designmuseum «mu.dac» in Lausanne studiert werden. «Work in Progress» nennt Baur diese Wanderausstellung mit immer neuen Aspekten. Sie war bis jetzt auch in Paris oder Leipzig zu sehen und geht anschliessend nach Montreal. Alles Stationen, an denen verschiedene Persönlichkeiten des Ateliernetzes Intégral Concept wirken.
Dieses von Ruedi Baur und Pippo Lionni bereits 1989 gegründete Netzwerk hat keine vorwiegend kommerziellen Funktionen, sondern soll ein Denk-Netzwerk sein. Architekten, Szenografen, Grafiker, Produkte-Designer suchen gemeinsam nach einer neuen Philosophie des Designs. An diesem theoretischen und pädagogischen Austausch beteiligen sich heute zum Beispiel Lars Müller in Baden, das Studio Vinaccia in Mailand oder Lipsky + Rollet in Paris. «Es gibt keine Obligation zusammenzuarbeiten. Alles baut auf Lust auf», erklärt dazu Ruedi Baur. Wer bei Intégral mitwirkt, darf aber auch unter diesem Namen öffentlich in Erscheinung treten.
Wer Ruedi Baurs Biografie studiert, dem fällt auf, dass neben der praktischen Arbeit das Pädagogische immer wieder eine wichtige Rolle gespielt hat. Unter den 18 Jahren, die der Designer bis jetzt insgesamt an Schulen gewirkt hat, sind sieben an der Ecole Nationale des Beaux Arts in Lyon. Seit 1995 ist er Professor an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo er vier Jahre auch als Rektor wirkte und 1999 das Institut für interdisziplinäres Design gründete. Wichtig war ihm auch eine Gastprofessur in Offenbach.
In Zürich wird die Lehre nicht mehr das Zentrum seines Wirkens sein. Baur will vorwiegend eine neue Forschung organisieren und Dissertationen betreuen.
«Zürich ist keine einfache Sache», gibt er dabei zu bedenken. An diesem Ort, wo die Konzentration der Designer sehr gross ist, fühlte er sich sehr stark überwacht. «Ich habe Zürich ein bisschen gefürchtet. Alles, was man hier macht, wird von anderen Gestaltern analysiert.» Baur, der mit seinem neuen Job in Zürich auch regelmässiger mit seiner schon länger hier ansässigen Familie zusammen sein kann, ist aber überzeugt, dass er inzwischen genug Selbstsicherheit hat, um diese neuen Herausforderungen angehen zu können.
Kraft dazu holt sich der zukünftige Institutsleiter beim Genuss der verschiedensten Formen von Kultur. Sehr gut «regenerieren» kann er sich aber auch beim Bergsteigen. «Ich bin kein Extrembergsteiger. Aber ich kann den Berg fühlen und bin deshalb sehr oft dort in den Alpen.»
Im neuen Institut für Design will Ruedi Baur an jene Zeit anknüpfen, als Grafik aus der Schweiz weltweit eine führende Rolle spielte.

Andreas Panzeri

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