Zürcher Journalistenpreis 2026: Felix Schaad und vier Recherchen prämiert
Die Stiftung Zürcher Journalistenpreis hat den Preis für das Gesamtwerk an den Karikaturisten Felix Schaad vergeben. Vier weitere Auszeichnungen gingen an investigative Recherchen aus der Deutschschweiz – vom Gaza-Krieg bis zum Umweltskandal am Bodensee.

Zürcher Journalistenpreis 2026: Karikatur, Krieg und Klima
Der Zürcher Journalistenpreis 2026 ist zum 46. Mal verliehen worden. Am Dienstagabend im Kaufleuten-Klubsaal in Zürich zeichnete die siebenköpfige Fachjury den Karikaturisten Felix Schaad mit dem Preis für das Gesamtwerk aus und prämierte vier weitere Arbeiten für ihre investigative Tiefe, sprachliche Brillanz und gesellschaftliche Relevanz. Für den diesjährigen Preis wurden insgesamt 201 Arbeiten aus der ganzen Deutschschweiz eingereicht.
Felix Schaad: mehr als ein Vierteljahrhundert politische Karikatur
Felix Schaad erhält den Preis für sein Wirken als einer der prägendsten und unverwechselbarsten Chronisten der Schweiz. Von 1999 bis zu seiner Pensionierung 2026 prägte er als Hauskarikaturist des «Tages-Anzeigers» das visuelle Profil der Zeitung. Mit scharfem Blick und markantem Strich hielt er die Schweizer Polit-Prominenz fest und erlangte durch seine pointierten Karikaturen sowie den mit Claude Jaermann entwickelten Comic-Strip «Eva» grosse Bekanntheit.
Karin Wenger und das Nachbeben des Gaza-Kriegs
Karin Wenger («Annabelle») wurde für ihre Reportage «Weg vom Schuss» ausgezeichnet. Darin beleuchtet sie das Leben israelischer Soldatinnen und Soldaten im panamaischen Küstenort Playa Venao, die dort versuchen, die Traumata des Gaza-Kriegs zu verarbeiten. Die Jury würdigte den Text als wichtiges Zeitdokument, das Reportage, politische Analyse und Essay meisterhaft verbinde, ohne dabei zu urteilen.
Das Recherche-Team Sascha Britsko, Oliver Zihlmann und Boris Gygax («Das Magazin») wurde für «Travis the Creator» prämiert. Mit einer dreijährigen Recherche gelang es dem Team, die Anatomie eines systematischen Missbrauchs in der Zürcher Party- und Modeszene aufzuzeigen. Die Arbeit rekonstruiere ein Machtgefälle, gebe den Opfern eine Stimme und thematisiere gleichzeitig die Grenzen des damaligen Sexualstrafrechts.
Bodensee-Skandal und Newcomer-Preis
Sandro Büchler, Jochen Tempelmann und Davide De Martis («St. Galler Tagblatt») wurden für ihre dreiteilige Serie «Umweltskandal am Bodensee» ausgezeichnet. Die Recherche thematisiert die Einleitung der krebserregenden Chemikalie PFOS in den Bodensee durch ein Industrieunternehmen. Besonders hervorgehoben wurde die Hartnäckigkeit der Journalisten: Erst nach zwei gewonnenen Prozessen vor Bundesgericht konnten sie das volle Ausmass der Vertuschung publik machen.
Den Newcomer-Preis des Zürcher Journalistenpreises 2026 erhielt Konstantin Kreibich («Zentralplus») für seine Recherche «Sie belogen die Ermittler – er wurde Multimilliardär». Kreibich belegte durch zahlreiche Quellen und Gespräche mit Betroffenen, wie Mitarbeitende auf Schweizer Kreuzfahrtschiffen unter grossem Druck dazu gebracht wurden, Inspektoren systematisch zu belügen.
KI als Thema der Gastrede
Im Rahmen der Preisverleihung hielt der Ethikprofessor Peter G. Kirchschläger eine Gastrede zum Thema «KI – Ende oder Neuanfang menschlicher Arbeit? Eine ethische Betrachtung». Er argumentierte, dass die Logik früherer Epochen bei der künstlichen Intelligenz nicht mehr gelte, da diese gezielt eingesetzt werde, um Menschen in beruflichen Aufgaben zu ersetzen. Dabei seien alle beruflichen Aufgaben – auch der Journalismus – betroffen, und nicht wie früher nur Jobs mit weniger oder keiner Qualifikation. Angesichts der schwindenden Erwerbsarbeit schlug Kirchschläger vor, die Existenzsicherung von der klassischen Erwerbsarbeit zu entkoppeln, um zu einem breiteren Verständnis von gesellschaftlicher Leistung zu gelangen.
Der Zürcher Journalistenpreis zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen für Journalismus in der Schweiz. Seit 1981 werden herausragende journalistische Leistungen aus Print- und Onlinemedien prämiert. Jeder der Hauptpreise ist mit 10 000 Franken dotiert, der Newcomer-Preis mit 5000 Franken. Die Stiftung wird getragen von den Medienhäusern CH Media, NZZ, Ringier und Tamedia.
Die ausgezeichneten Arbeiten und Laudationes sind verfügbar unter: https://www.zh-journalistenpreis.ch
