Weihnachtskartenflaute – «Prix Carte de Noël» Jury zieht Bilanz

Die Weihnachtspostflaute erreicht einen Höhepunkt: Die Jury des «Prix Carte de Noël» von evoq erhält so wenig kreative Weihnachtskarten wie nie zuvor. Unternehmen setzen auf handgeschriebene Karten, während Hilfswerke laut Jury enttäuschen. Für 2023 wird kein Preis vergeben, stattdessen verspeist die Jury den Dreikönigskuchen selbst.

Die diesjährige «Prix Carte de Noël»-Jury der Zürcher Agentur evoq verzeichnet einen beispiellosen Rückgang an Weihnachtspost im Vergleich zu den Vorjahren. Sowohl die Quantität als auch die kreative Qualität der eingegangenen Weihnachts- und Grusskarten scheinen sich gefühlt halbiert zu haben. Die Frage, ob postkoronale Homeoffice-Auswirkungen oder die allgegenwärtige Präsenz von Künstlicher Intelligenz den endgültigen Abschied vom Physischen einleiten, liegt dabei im Raum.

In einer Zeit, in der Büros verwaist sind, bleibt die Feststellung nicht aus, dass ohne physische Anwesenheit niemand ChatGPT nach originellen Feiertagssprüchen befragen und entsprechende Weihnachtskarten versenden kann. Die aktuelle Festkommunikation scheint von einer gewissen Banalität und einem Mangel an kreativen Ideen geprägt zu sein. Einige bezeichnen dies positiv als «neue Nüchternheit», doch ob dies einen zukunftsweisenden Trend darstellt, bleibt fraglich.

Trotz des festgestellten Mangels an Kreativität gibt es vereinzelte Lichtblicke, darunter die Initiative von UMB, die den freiwilligen Einsatz von Lernenden zugunsten der Biodiversität auf originelle Weise mit Weihnachten verbindet. Outdoor Publishing überzeugt mit einer stimmigen Illustration einer Skifahrerin in einer Sanduhr, die jedoch solche Eigenkreationen mit inhaltlicher Tiefe als Seltenheit hervorhebt.

Unternehmen, die sich noch zu Weihnachten äußern, setzen vermehrt auf handgeschriebene Karten, wie sie beispielsweise von Tellco oder den Kantonalbanken versendet werden. Hier steht weniger das Design oder die Idee im Vordergrund, sondern vielmehr die Authentizität des von Herz und Hand Geschriebenen. Dabei werden oft Karten gemeinnütziger Institutionen oder Hilfswerke verwendet.

Hilfswerke hingegen scheinen bei ihrer eigenen Festtagspost teilweise hinter den Erwartungen zurückzubleiben. Entweder ist der Gruß deutlich von einem Spendenaufruf durchsetzt, oder die Kartenmotive wirken wenig inspiriert. Die Jury betrachtet dies als eine verpasste Chance.

Die gestellte Frage, ob die Weihnachtszeit und ihre Kommunikationsmittel noch zeitgemäß sind, wird angesichts der fortwährenden Unternehmenskommunikation auf verschiedenen Kanälen rund ums Jahr immer drängender. Die evoq-Jury regt dazu an, die Kräfte gerade zum Jahresende bewusst zu bündeln, um mit einer unternehmens- und markenspezifischen Idee in der allgegenwärtigen Belanglosigkeit positiv aufzufallen.

Die magere Ausbeute an kreativen Weihnachtskarten hat die evoq-Jury dazu veranlasst, für das Jahr 2023 keinen «Prix Carte de Noël» zu vergeben und den als Preis ausgelobten Dreikönigskuchen kurzerhand selbst zu verspeisen.

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