Mahbube Ibrahimi gewinnt den Prix Courage des Beobachters
Mahbube Ibrahimi (20) flüchtete allein in die Schweiz, nun hilft sie anderen: Mit ihrer Online-Schule «Wild Flower» unterrichtet sie über 250 Afghaninnen und widersetzt sich den Taliban. Für ihr Engagement erhält sie den Prix Courage 2025.

Mahbube Ibrahimi kam mit 16 Jahren allein in die Schweiz, nachdem ihre Familie aus Afghanistan fliehen musste. Sie war psychisch am Tiefpunkt, isolierte sich im Durchgangszentrum und lernte über Youtube Deutsch. Langsam kämpfte sie sich zurück. Über ein Förderprogramm kam sie ans Gymi und begann, zwei afghanische Mädchen per Handy zu unterrichten. Daraus entstand «Wild Flower». Heute lernen über 250 Schülerinnen im Verborgenen, über Whatsapp oder Zoom. Damit trotzen sie dem Bildungsverbot der Taliban und gewinnen neue Hoffnung. «Wir öffnen ein Fenster zur Welt», sagt Mahbube Ibrahimi.
In ihrer Laudatio hebt Jurypräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf hervor: «Mahbube Ibrahimi setzt sich trotz schwierigster persönlicher Umstände für eines der zentralsten Rechte aller jungen Menschen ein, das Recht auf Bildung. Bildung ist ein fundamentales Menschenrecht. Bildung ist das Tor zu einem erfüllten, selbstbestimmten Leben. In zahlreichen Ländern, besonders auch in Afghanistan, haben Frauen dieses Recht nicht beziehungsweise nur sehr eingeschränkt. Frauen werden ausgegrenzt. Das System macht sie unsichtbar. Mit ihrem Hilfsprojekt «Wild Flower» gibt Mahbube Ibrahimi jungen Frauen Perspektiven.»
Die 20-Jährige ruht sich auf dem Erfolg von «Wild Flower» aber nicht aus. Ihr Engagement gilt auch afghanischen Männern in der Diaspora: Mit ihrem zweiten Projekt, «Growing Together», will sie in Workshops zur besseren Integration in der Schweiz beitragen und das gleichberechtigte Zusammenleben von Frau und Mann fördern.
Die Wahl der Gewinnerin des Prix Courage wurde in einem zweistufigen Verfahren entschieden. Für das Voting wurden sechs Nominationen berücksichtigt. Die drei Nominationen mit den meisten Publikumsstimmen wurden der sechsköpfigen Jury unter der Leitung von alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf vorgelegt. Das Gremium entschied, wer von den drei Finalistinnen und Finalisten mit dem Prix Courage ausgezeichnet wird.
Die Jury bestand aus Eveline Widmer-Schlumpf, der ehemaligen Bundesrätin und Präsidentin der Prix-Courage-Jury, sowie der Juristin Nora Scheidegger vom Max-Planck-Institut zur Erforschung von Kriminalität, Sicherheit und Recht in Freiburg im Breisgau. Ebenfalls Teil des Gremiums waren Sarah Akanji, Mitbegründerin des Frauenteams des FC Winterthur und ehemalige Zürcher SP-Kantonsrätin, die derzeit in Basel Gesellschaftswissenschaften im Master studiert, und Thomas Ihde-Scholl, Chefarzt der psychiatrischen Dienste Berner Oberland. Ergänzt wurde die Runde durch den Autor, Texter und Musiker Gian-Marco «Gimma» Schmid sowie Chantal Britt, die den Prix Courage 2024 gewonnen hatte.
