Auftakt in eine neue Ära

Neue Angebote für die Werbung – Nachfrage ist aber noch zurückhaltend

Neue Angebote für die Werbung – Nachfrage ist aber noch zurückhaltendVon Daniel Schifferle Die erste Weltwoche im Magazinformat ist im Markt. Das völlig umgekrempelte Blatt unterscheidet sich im Auftritt von kontinentaleuropäischen Nachrichtenmagazinen und setzt sich inhaltlich von der Sonntagspresse ab. Die Werbeauftraggeber sind allerdings noch zurückhaltend.
Eine lange Tradition ist zu Ende: Die Weltwoche als Zeitung gibt es nicht mehr. Genau 69 Jahre und einen Monat lang erschien die 1933 gegründete Wochenzeitung. Mit der Ausgabe vom 2. Mai 2002 ist sie nun im stattlichen Alter in Pension gegangen.
Die neue Ära hat am vergangenen Mittwoch begonnen. Die Qualitäten, auf die das frisch
geborene Magazin setzt, erklärte Chefredaktor Roger Köppel in der letzten Ausgabe im Zeitungsformat. Die neue Weltwoche werde sich «allen Anbiederungen an modische Strömungen und an bestimmte Alters- und Kaufkraftklassen verweigern».
Auch gegenüber Nachrichtenmagazinen wie Facts und gegenüber der Sonntagspresse grenzt sich die neue Weltwoche im Magzinformat ab: «Sie soll eine klare Differenz setzen zu den eher bildlastigen politischen Illustrierten und Nachrichtenmagazinen Kontinentaleuropas, aber auch zu den Sonntags- und Tageszeitungen, die sich in den letzten Jahren verstärkt zu täglichen Wochenzeitungen entwickelt haben», schreibt Köppel. In diesem Sinne sei der grafische Auftritt konzipiert worden: «Effektfrei, unaufgeregt, ausgerichtet auf die Bedürfnisse von Leuten, die handwerkliche Sorgfalt zu schätzen wissen und gerne lesen.» Eine «ruhige, schnörkellose Gestaltung» sei angesagt, mit dem Zweck, die Beiträge der Autorinnen und Autoren möglichst leserfreundlich und stilvoll zur Geltung zu bringen.
Werbemarkt übt sich noch in vornehmer Zurückhaltung
Eine neue Ära hat aber nicht nur für die Lesenden, sondern auch für die Anzeigenkunden begonnen. Im Unterschied zur Zeitung sind jetzt auch all die zusätzlichen Werbeformate möglich, die eine Zeitschrift bietet: Auffalter, Altarfalz und Beikleber. Ebenfalls neu ist der Einheitstarif für schwarzweisse und vierfarbige Inserate (1/1 Seite kostet 13728 Franken).
Allerdings sind die Anzeigenkunden noch zurückhaltend. Laut Weltwoche-Verlagsleiterin Uli Rubner war zwar die erste Nummer rasch ausgebucht. In den folgenden Ausgaben stehe aber noch reichlich Werberaum zur Verfügung. «Viele potenzielle Inserenten sagen, sie wollen das Heft zuerst sehen. Ich gehe davon aus, dass das Interesse nach Erscheinen der ersten Ausgabe deutlich anziehen wird», erklärt Rubner.
Die schwierigste Hürde bei der Neulancierung im Magazinformat sei gewesen, die Inserenten zu überzeugen, dass die neue Weltwoche eine längerfristige Angelegenheit sei. «Nachdem die Weltwoche in den vergangenen Jahren mehrmals die Erwartungen der Anzeigenkunden enttäuschte, trifft man jetzt verbreitet auf die Haltung: Die sollen erst einmal beweisen, dass es ihnen wirklich ernst ist.»
Weltwoche-Magazin soll auch Stellenanzeigen enthalten
Trotz dieser vorläufigen Zurückhaltung macht Rubner aber auch neue Potenziale aus – dank Zeitschriftenformat und besserer Druckqualität. «Inserenten aus dem Bereich Luxusgüter und gehobene Konsumgüter, die in der Zeitung nicht inserieren wollten, zeigen jetzt Interesse», sagt sie.
Ebenfalls für den Stellenmarkt will sich die Weltwoche weiterhin als Plattform anbieten, auch ohne Mitgliedschaft beim Executive-Kombi (mit HandelsZeitung und NZZ). Dass die erste Ausgabe noch keine Stellenanzeigen enthalte, sei in der Hektik der Lancierungsphase begründet, bei der anderes Vorrang gehabt habe.
Rubner ist davon überzeugt, dass sich auch das Magazinformat sehr gut als Stellenplattform eignet. «Der Economist in England, der reichlich Stelleninserate hat, beweist das ganz klar». Markante finanzielle Einbussen im Stellenmarkt erwarte man deshalb nicht. «Zumal das Executive-Kombi die Erwartungen ohnehin nie richtig erfüllt hat», ergänzt die Weltwoche-Verlagsleiterin.

More articles on the topic