Aufgefallen: Adonis bestes Stück und Pamelas Brüste haben eins gemeinsam: Beide Körperteile sind Blickfänger. Was zur Folge hat, dass manche Anzeige total auf das Abbilden des «Träger»-Gesichts verzichtet.
AufgefallenAdonis bestes Stück und Pamelas Brüste haben eins gemeinsam: Beide Körperteile sind Blickfänger. Was zur Folge hat, dass manche Anzeige total auf das Abbilden des «Träger»-Gesichts verzichtet. Jüngstes Beispiel stammt aus der Westschw
Aufgefallen Adonis bestes Stück und Pamelas Brüste haben eins gemeinsam: Beide Körperteile sind Blickfänger. Was zur Folge hat, dass manche Anzeige total auf das Abbilden des «Träger»-Gesichts verzichtet. Jüngstes Beispiel stammt aus der Westschweiz und wirbt nicht etwa für den Frühling oder fürs Ostereiersuchen, sondern für eine Wochenendzeitung. Verwirrend nicht? Zumal man(n) bei Calvin Klein weiss, was in der Unterhose steckt. Ob sich beim dimanche.ch-Ständer nicht eine zusammengerollte SonntagsZeitung im Lendenschutz befindet, bleibt ein Geheimnis. Des Rätsels Lösung werden wir wohl nie erfahren, auch nicht nach der Lektüre auf Seite 14. Und genau so wenig werden wir wissen, warum die kopflose Erektion ein Handtuch in der Hand hält.
Chandra Kurt [email protected]
Business Lunch Kleine Rangelei mit einer kalten Zitronentarte
Das Lokal ist uralt und erst noch ein Zunfthaus. Von der Rôtisserie zum Storchen ist die Rede. Und von der Hoffnung, dass das Intérieur unter Denkmalschutz gestellt wird. Es ist hinreissend: Holztäfer, Blick auf die Limmat, dunkles Polster mit Birnenmotiven, gemütliche Stühle mit Armlehne, hohe Fenster – Zürich diskretester Gastro-Charme mit viel Platz für Business Talks.
Zum Lunch versammeln sich bisweilen schon schwer angegraute Damen und Herren. Sie sitzen an runden, liebevoll dekorierten Tischen (Orchideen schwimmen in viereckiger Vase auf einem Bananenbaumblatt), speisen auf crèmefarbenen Tischtüchern mit Stoffservietten und erfreuen sich eines charmanten Services, den der Chef Peer Kublank diskret dirigiert. Und, ach, bevors vergessen geht: In der Rôtisserie gibts eine kleine Bankreihe, die für Single-Gourmets mit Blick auf den Fluss reserviert ist.
Wem der Dreigänger zu viel ist, kann sich auch mit zwei Tellern begnügen (55 statt 65 Franken). Freundlich notiert der Service, dass man lieber Nachtisch statt Vorspeise möchte. Deshalb gehts gleich zur Sache: Ochsenbacke mit Rotwein-Zwiebel-Confit, in Butter gedämpfte Karotten und Sellerie, belegt mit einer kross gebackenen Coppascheibe und einem Rosmarinzweig verziert. Fächerartig war die auf den Punkt gegarte Ochsenbacke mit reichlich Sauce angerichtet, das Gemüse grad recht knackig, und hübsch zitierten zwei birnenförmige Kartoffelkroketten die Corporate Identity des Polsterbezugs. Aber diesen Ausbackfirlefanz – den brauchts nicht, weil er den Geschmacksnerven nichts Neues beibringt. Unnötig auch das Zwiebelconfit, weil die Ochsenbacke keine Verstärkung braucht.
Zum Dessert die dickflüssige Überraschung. Warme Zitronentarte mit Kumquat-Confit. Wäre doch perfekt gewesen, die Harmonie der zuckersüssen Tarte mit der bitteren Note der kleinwüchsigen exotischen Zitrusfrucht. Aber die Tarte war kalt, eh! Und das Confit klebte zuckerzäh auf dem Teller. So entwickelte sich eine kleine Rangelei auf dem Teller. Vermutlich war in der Eile vergessen gegangen, den Teller husch von Mikrowellen beschiessen zu lassen.
Drei offene Rot- und Weissweine, gute Qualität. Das reicht schon. Handys hört man hier ungern klingeln. Parkieren ist in der City – wie immer – Glückssache.
Carlo Bernasconi
[email protected]
Rôtisserie zum StorchenAm Weinplatz 2
8001 Zürich
Tel. 01 227 27 27
Fax 01 227 27 00
BewertungEssen …………………..3
Getränke ………………3
Bedienung …………….4
Businessfaktor ……….4
5=top, 4=sehr gut, 3=o.k., 2=naja, 1=flop
Kolumne ADSL/ISDN/
Bluetooth
von Mike Müller
Wer schätzt nicht eine schnelle Leitung zum Netz der Netze? Das Problem ist, wie bei allen technischen Innovationen, der Mensch. Und ich weiss jetzt auch, wo die problematischsten aller Menschen sitzen: an den Helpdesks.
Früher haben wir doch still über unsere Schulkameradinnen mit Berufswunsch Krankenschwester gelächelt. Ja, Helfersyndrom, war uns allen klar und irgendwie auch o.k., so lange das Gesundheitswesen so funktioniert. Das stille Lächeln ist einem heute abhanden gekommen, denn an den Helpdesks unserer grossen Telefonanbieter sitzen Leute, die vom Helfersyndrom so weit weg sind wie Microsoft von den Kundenbedürfnissen. «Eigentlich müsste dieses Modem bei Ihnen funktionieren.» – «Schon, nur Ihr Apple-Support sagt mir gerade, dass dieses Modem nicht funktioniert.» – «Das stimmt nicht.» – «Dann darf ich das jetzt Ihrem Apple-Support ausrichten, und die verweisen mich dann wieder an Sie?» – «Mhm.» Könnte man eine Briefbombe faxen, ich hätte es getan. Sowieso ist das Lieblingswort der IT-Leute «eigentlich müsste es laufen». So wie der Garagist bei meinem stotternden Auto sagt: «Komisch, bei mir macht er
es nicht.» Der Zahnarzt beteuert: «Schmerzen sollten Sie jetzt keine mehr haben.» Wenn das Schule macht, sagen Kabarettisten bald von der Bühne herab: «Da hätten Sie jetzt aber lachen können.»
Für Bühnenkünstler jedoch unerreichbar sind die Unschuldsmiene und der Unschuldston dieser Helpdesk-Menschen. Da kann die Kacke noch so am Dampfen sein, am Telefon bringen die bei vollgemachter Windel eine frühkindliche Überzeugung zum Schwingen, wie das kein Schauspieler hinkriegt. Aber ich übe: Bei der Lektüre von Online-beilagen tue ich so, als ob mir das Zeugs am Arsch vorbei ginge. Blöd nur, dass ich mein Zeitungsstudium nicht für Fr. 4.23 in der Minute irgendeinem Dussel verrechnen kann.
[email protected]
Mike Müller ist Darsteller.
Chandra Kurt [email protected]
Business Lunch Kleine Rangelei mit einer kalten Zitronentarte
Das Lokal ist uralt und erst noch ein Zunfthaus. Von der Rôtisserie zum Storchen ist die Rede. Und von der Hoffnung, dass das Intérieur unter Denkmalschutz gestellt wird. Es ist hinreissend: Holztäfer, Blick auf die Limmat, dunkles Polster mit Birnenmotiven, gemütliche Stühle mit Armlehne, hohe Fenster – Zürich diskretester Gastro-Charme mit viel Platz für Business Talks.
Zum Lunch versammeln sich bisweilen schon schwer angegraute Damen und Herren. Sie sitzen an runden, liebevoll dekorierten Tischen (Orchideen schwimmen in viereckiger Vase auf einem Bananenbaumblatt), speisen auf crèmefarbenen Tischtüchern mit Stoffservietten und erfreuen sich eines charmanten Services, den der Chef Peer Kublank diskret dirigiert. Und, ach, bevors vergessen geht: In der Rôtisserie gibts eine kleine Bankreihe, die für Single-Gourmets mit Blick auf den Fluss reserviert ist.
Wem der Dreigänger zu viel ist, kann sich auch mit zwei Tellern begnügen (55 statt 65 Franken). Freundlich notiert der Service, dass man lieber Nachtisch statt Vorspeise möchte. Deshalb gehts gleich zur Sache: Ochsenbacke mit Rotwein-Zwiebel-Confit, in Butter gedämpfte Karotten und Sellerie, belegt mit einer kross gebackenen Coppascheibe und einem Rosmarinzweig verziert. Fächerartig war die auf den Punkt gegarte Ochsenbacke mit reichlich Sauce angerichtet, das Gemüse grad recht knackig, und hübsch zitierten zwei birnenförmige Kartoffelkroketten die Corporate Identity des Polsterbezugs. Aber diesen Ausbackfirlefanz – den brauchts nicht, weil er den Geschmacksnerven nichts Neues beibringt. Unnötig auch das Zwiebelconfit, weil die Ochsenbacke keine Verstärkung braucht.
Zum Dessert die dickflüssige Überraschung. Warme Zitronentarte mit Kumquat-Confit. Wäre doch perfekt gewesen, die Harmonie der zuckersüssen Tarte mit der bitteren Note der kleinwüchsigen exotischen Zitrusfrucht. Aber die Tarte war kalt, eh! Und das Confit klebte zuckerzäh auf dem Teller. So entwickelte sich eine kleine Rangelei auf dem Teller. Vermutlich war in der Eile vergessen gegangen, den Teller husch von Mikrowellen beschiessen zu lassen.
Drei offene Rot- und Weissweine, gute Qualität. Das reicht schon. Handys hört man hier ungern klingeln. Parkieren ist in der City – wie immer – Glückssache.
Carlo Bernasconi
[email protected]
Rôtisserie zum StorchenAm Weinplatz 2
8001 Zürich
Tel. 01 227 27 27
Fax 01 227 27 00
BewertungEssen …………………..3
Getränke ………………3
Bedienung …………….4
Businessfaktor ……….4
5=top, 4=sehr gut, 3=o.k., 2=naja, 1=flop
Kolumne ADSL/ISDN/
Bluetooth
von Mike Müller
Wer schätzt nicht eine schnelle Leitung zum Netz der Netze? Das Problem ist, wie bei allen technischen Innovationen, der Mensch. Und ich weiss jetzt auch, wo die problematischsten aller Menschen sitzen: an den Helpdesks.
Früher haben wir doch still über unsere Schulkameradinnen mit Berufswunsch Krankenschwester gelächelt. Ja, Helfersyndrom, war uns allen klar und irgendwie auch o.k., so lange das Gesundheitswesen so funktioniert. Das stille Lächeln ist einem heute abhanden gekommen, denn an den Helpdesks unserer grossen Telefonanbieter sitzen Leute, die vom Helfersyndrom so weit weg sind wie Microsoft von den Kundenbedürfnissen. «Eigentlich müsste dieses Modem bei Ihnen funktionieren.» – «Schon, nur Ihr Apple-Support sagt mir gerade, dass dieses Modem nicht funktioniert.» – «Das stimmt nicht.» – «Dann darf ich das jetzt Ihrem Apple-Support ausrichten, und die verweisen mich dann wieder an Sie?» – «Mhm.» Könnte man eine Briefbombe faxen, ich hätte es getan. Sowieso ist das Lieblingswort der IT-Leute «eigentlich müsste es laufen». So wie der Garagist bei meinem stotternden Auto sagt: «Komisch, bei mir macht er
es nicht.» Der Zahnarzt beteuert: «Schmerzen sollten Sie jetzt keine mehr haben.» Wenn das Schule macht, sagen Kabarettisten bald von der Bühne herab: «Da hätten Sie jetzt aber lachen können.»
Für Bühnenkünstler jedoch unerreichbar sind die Unschuldsmiene und der Unschuldston dieser Helpdesk-Menschen. Da kann die Kacke noch so am Dampfen sein, am Telefon bringen die bei vollgemachter Windel eine frühkindliche Überzeugung zum Schwingen, wie das kein Schauspieler hinkriegt. Aber ich übe: Bei der Lektüre von Online-beilagen tue ich so, als ob mir das Zeugs am Arsch vorbei ginge. Blöd nur, dass ich mein Zeitungsstudium nicht für Fr. 4.23 in der Minute irgendeinem Dussel verrechnen kann.
[email protected]
Mike Müller ist Darsteller.
