«Alle Welt würde Genf als Beispiel zitieren»

Drahtlose Zukunft In der Stadt Genf laufen seit dem Sommer WiFiPilotprojekte, doch Widerstand regt sich.

Drahtlose Zukunft In der Stadt Genf laufen seit dem Sommer WiFiPilotprojekte, doch Widerstand regt sich.Genf als Internet-Hauptstadt wäre laut
Werbefachmann Charly Schwarz für relativ bescheidene Kosten zu haben.
Er schätzt die nötigen Investitionen auf rund anderthalb Millionen
Franken. «Dann aber würde alle Welt Genf als Beispiel zitieren.»
Doch ganz im Gegensatz zum Prinzip «weniger Staat» soll die öffentliche
Hand dieses Projekt finanzieren. Die Stadtregierung ist deshalb längst
nicht so begeistert von der Idee. Christian Ferrazino, Mitglied der
Alliance de Gauche und der linken Exekutive der Stadt, meint: «Genf hat
andere Prioritäten als die Einrichtung von Gratis-Internetzugängen.»
Immerhin war die Stadt bereit, ein Pilotprojekt zu starten, das seit
dem Sommer im Parc des Bastions, dem grossen Stadtpark in der Nähe der
Universität, läuft. Bis Oktober will Ferrazino evaluieren, wie häufig
die Hot Spots benützt werden und welche Kosten es mit sich bringt.
Falls der Versuch positiv ausfällt, soll das kostenlose WiFi-Netz auf
weitere Gebiete – zunächst wohl die Genfer Quais – ausgedehnt werden.
Die Installierung der Antennen – die Datenübertragung vom Laptop aus
erfolgt per Funk – ist allerdings nicht unumstritten. «Die
Strahlenbelastung ist kleiner als bei einer Mobiltelefonantenne, aber
es handelt sich um eine zusätzliche Belastung», warnt Ferrazino. Auch
die Grüne Partei fordert eine Studie zur Risikoabschätzung, bevor die
Entscheide fallen.

Versuche mit Wimax-Technologie
«Wir stehen in der Tradition von Smart Geneva», wirbt derweil Schwarz
weiter für seine Idee. Smart Geneva war das Projekt des damaligen
Regierungsrats Guy-Olivier Segond, der in den Neunzigerjahren alle
Haushalte mit Glasfaserkabeln versorgen wollte, um den Zugang zu den
neuen Kommunikationstechnologien zu demokratisieren. «Die Stadt
Philadelphia in den USA hat öffentliche WiFi-Antennen in den
benachteiligten Vierteln installiert, um den digitalen Graben zu
verhindern», weiss Schwarz – er spricht vom Graben, der sich auftut
zwischen jenen, die Zugang zu den neuen Technologien haben, und jenen,
die keinen Zugang haben. Genf könnte sich sogar eine flächendeckende
Installation leisten: «Genf ist klein – das ist seine Grösse!» Doch
Ferrazino winkt ab: «Der digitale Graben droht zwischen Norden und
Süden, sicher nicht in der Stadt Genf!» Er glaube auch nicht, dass der
drahtlose Internetzugang denselben Boom erleben werde wie das drahtlose
Telefon. Da gebe es schon technische Grenzen. Anders als mit dem Handy
könne man nicht einfach von einer Antenne zur andern wechseln. «Ich bin
durchaus für Service public auch in diesem Bereich, aber nicht, wenn
die Dienstleistung nach kürzester Zeit technisch überholt ist.»
Tatsächlich laufen bereits Pilotprojekte für die so genannte
Wimax-Technologie (Worldwide Interoperability for Microwave Access).
Wimax ist eine Art Super-WiFi mit einer Reichweite von 50 Kilometern.
Dafür braucht es aber eine vom Bakom vergebene nationale Lizenz, für
die die Ausschreibungen bis Ende Jahr laufen. Insgesamt sollen drei
Lizenzen vergeben werden – was bedeutet, dass nur die grossen
Operateure zum Zug kommen werden. (hb)

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