Abfallpolitik mit eigener Zeitung
Undurchsichtig bleibt weiterhin, wer hinter dem Gratis-Abendblatt Ticino oggi steht
Undurchsichtig bleibt weiterhin, wer hinter dem Gratis-Abendblatt Ticino oggi stehtSeit einem Monat ist das Gratis-Abendblatt Ticino oggi auf dem Markt. Zwar verlief der Start am 2. September alles andere als optimal, doch mittlerweile hat sich das Blatt stetig verbessert, sowohl punkto Druckqualität und Inhalt als auch punkto Distribution. Die Nachfrage wird jedoch unterschiedlich eingeschätzt. «Das Publikum lässt Ticino oggi grösstenteils in den Boxen und Restaurants liegen», sagt Renato Cassis, Mitinhaber des Verlags Mediatik und Mitherausgeber des diese Woche erstmals erscheinenden Ausgehmagazins Re.set. «Etwa die Hälfte jeder Ausgabe wird gelesen. Und hin und wieder wird ein Kommentar von Chefredaktor Flavio Maspoli sogar zum Gesprächsthema», sagt dagegen Verleger Matteo Cheda. Die Inserenten halten sich zurück: Pro Ausgabe finden sich höchstens drei Anzeigenseiten – trotz Einführungstarif im September.
«Ticino oggi hat bis jetzt keine Primeurs. Und für eine Tageszeitung ist die Inlandseite sehr unvollständig», kritisiert Cheda. Ein Teil der redaktionellen Mitarbeiter stamme zudem aus Italien und kenne sich kaum aus in der Schweizer Politik. Das zeige sich auch in der Verwendung bestimmter Vokabeln, die im Tessiner Journalismus nicht gebräuchlich seien.
Nach den schrillen Tönen folgen nun die leisen
Unklar ist weiterhin, wer das Startkapital von drei Millionen Franken eingesetzt hat. Auf Grund von Äusserungen Maspolis gehen sowohl Cheda als auch Cassis weiterhin davon aus, dass die Firma Thermoselect, die Verbrennungsanlagen baut, direkt oder indirekt zu den Geldgebern gehört. Allgemein war darum ein Kampfblatt gegen die Tessiner Regierung erwartet worden, weil Thermoselect mit ihr in einem Rechtsstreit liegt.
Schon einmal hatte die Firma ein Maspoli-Blatt – die 1996 eingestellte L’Altra Notizia – massiv unterstützt und sie als Propagandakanal gegen die Tessiner Abfallpolitik benutzt. Doch im Gegensatz zur schrillen L’Altra Notizia kommt Ticino oggi geradezu ruhig und brav daher. Von Propaganda ist noch wenig zu spüren. Immerhin hat sich Maspoli aber in einem seiner ersten Kommentare die Position von Thermoselect in der Tessiner Abfallpolitik zu Eigen gemacht. Doch bei Thermoselect wird eine Beteiligung hartnäckig dementiert.
Cassis bleibt jedoch skeptisch. «Thermoselect hat bloss eine andere Strategie gewählt: Sie kommen jetzt leise daher, um im geeigneten Moment – etwa auf die Kantonsratswahlen im kommenden Frühling hin – lautere Töne anzuschlagen», glaubt er. Cheda vermutet dagegen, dass Thermoselect keine so plumpe Propaganda mehr machen werde wie früher, «sondern eher jenen Politikern und Kandidaten eine Plattform geben wird, die auf der eigenen Linie sind». Markus Knöpfli
«Ticino oggi hat bis jetzt keine Primeurs. Und für eine Tageszeitung ist die Inlandseite sehr unvollständig», kritisiert Cheda. Ein Teil der redaktionellen Mitarbeiter stamme zudem aus Italien und kenne sich kaum aus in der Schweizer Politik. Das zeige sich auch in der Verwendung bestimmter Vokabeln, die im Tessiner Journalismus nicht gebräuchlich seien.
Nach den schrillen Tönen folgen nun die leisen
Unklar ist weiterhin, wer das Startkapital von drei Millionen Franken eingesetzt hat. Auf Grund von Äusserungen Maspolis gehen sowohl Cheda als auch Cassis weiterhin davon aus, dass die Firma Thermoselect, die Verbrennungsanlagen baut, direkt oder indirekt zu den Geldgebern gehört. Allgemein war darum ein Kampfblatt gegen die Tessiner Regierung erwartet worden, weil Thermoselect mit ihr in einem Rechtsstreit liegt.
Schon einmal hatte die Firma ein Maspoli-Blatt – die 1996 eingestellte L’Altra Notizia – massiv unterstützt und sie als Propagandakanal gegen die Tessiner Abfallpolitik benutzt. Doch im Gegensatz zur schrillen L’Altra Notizia kommt Ticino oggi geradezu ruhig und brav daher. Von Propaganda ist noch wenig zu spüren. Immerhin hat sich Maspoli aber in einem seiner ersten Kommentare die Position von Thermoselect in der Tessiner Abfallpolitik zu Eigen gemacht. Doch bei Thermoselect wird eine Beteiligung hartnäckig dementiert.
Cassis bleibt jedoch skeptisch. «Thermoselect hat bloss eine andere Strategie gewählt: Sie kommen jetzt leise daher, um im geeigneten Moment – etwa auf die Kantonsratswahlen im kommenden Frühling hin – lautere Töne anzuschlagen», glaubt er. Cheda vermutet dagegen, dass Thermoselect keine so plumpe Propaganda mehr machen werde wie früher, «sondern eher jenen Politikern und Kandidaten eine Plattform geben wird, die auf der eigenen Linie sind». Markus Knöpfli
