«Ich habe mich überflüssig gemacht» – wenn Texter und KI zusammenarbeiten

Der Zürcher Texter Simon Kümin hat etwas getan, wovor sich viele Kreative fürchten: Er hat seine eigene Arbeit teilweise automatisiert. Im Podcast spricht er über den Umbruch in der Kommunikationsbranche – und darüber, warum er darin keine Bedrohung, sondern eine Chance sieht.

 

Simon Kümin, seit über zehn Jahren als selbstständiger Texter tätig, hat gemeinsam mit dem Schweizer Anbieter Campfire eine eigene KI-Lösung entwickelt. Sie ist auf seinen Stil trainiert und kann Texte in seiner Tonalität verfassen – bis hin zu Pressemitteilungen, die er unverändert veröffentlicht. «Ich wollte zeigen, dass KI gute Texte schreiben kann – und dass man sie produktiv einsetzen kann, statt sie zu fürchten», sagt Kümin im Videopodcast-Gespräch mit Christoph Soltmannowski

Vom Handwerk zur hybriden Kreativität

Im Gespräch wird deutlich, wie stark sich die Branche verändert. Viele Agenturen stünden unter Druck, Budgets schrumpften, Kundinnen und Kunden nutzten selbst KI-Tools. Gleichzeitig verändere sich die Rolle der Texter:innen: Weg von der reinen Umsetzung, hin zu Strategie, Beratung und konzeptioneller Arbeit. «KI kann Routineaufgaben übernehmen, aber sie versteht keine Geschäftsmodelle, keine Zwischentöne und keine Emotionen», betont Kümin.

Mit seiner Lösung verfolgt er daher ein hybrides Modell: Kund:innen können eigenständig mit der KI arbeiten und bei Bedarf Kümin im Chat hinzuziehen. So entsteht eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine – effizient, flexibel und skalierbar.

Mittelmass oder Meisterwerk?

Im Podcast geht es auch um die Gefahr des textlichen Mittelmasses. «KI nivelliert die Qualität – es gibt weniger schlechte, aber auch weniger brillante Texte», so Kümin. Seine Antwort darauf: Qualität als Differenzierungsmerkmal. Wer handwerklich sauber arbeitet, kreative Ideen entwickelt und die Perspektive der Kund:innen wirklich versteht, bleibe auch im KI-Zeitalter gefragt.

Kümin greift im Gespräch das Bild vom Schuster auf: «Maßgeschneiderte Schuhe sind selten geworden – aber sie halten länger und sitzen besser.» Kümin nickt: «Es wäre schön, wenn mehr Kundinnen und Kunden wieder Lust auf handgemachte Texte hätten.»

Fazit: Die Zukunft ist hybrid

Die Episode zeigt eindrucksvoll, wie sich der Beruf des Texters wandelt – und warum Anpassungsfähigkeit zur wichtigsten Kompetenz wird. Künstliche Intelligenz ersetzt keine Kreativität, sie erweitert sie. Wer sie richtig einsetzt, kann Routinearbeiten abgeben und mehr Zeit für das nutzen, was Menschen besser können: Denken, fühlen, gestalten.


Der Videopodcast «AI und Gesellschaft – Wege in die neue Welt» wird produziert von der Stiftung Text Akademie. Monatlich erscheinen zwei Folgen, auf Spotify, Youtube und weiteren Podcast-Plattformen.

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