KI in der Reiseplanung: Wer fehlt, wird nicht gebucht
Jede fünfte Person in der Schweiz nutzt ChatGPT oder andere KI-Tools bereits für die Reiseplanung. Eine YouGov-Studie zeigt: Die Entscheidungsphase hat sich in den Chatbot verlagert – mit konkreten Folgen für Tourismusanbieter, die dort nicht sichtbar sind.

KI in der Reiseplanung: Die Entscheidung fällt im Chatbot
Jede fünfte Person in der Schweiz setzt ChatGPT, Gemini oder Copilot heute schon für die KI in der Reiseplanung ein. Bei den unter 45-Jährigen ist es fast jede dritte Person – und 71 Prozent der bisherigen Nutzer:innen wollen KI künftig noch häufiger einsetzen. Das zeigt eine repräsentative YouGov-Studie vom Januar 2026. Für Tourismusanbieter hat das weitreichende Konsequenzen, wie Dominik Habermacher, Managing Director bei Jung von Matt Impact, darlegt.
Die Inspirationsphase, die früher das Terrain von Reiseblogs, Magazinen und Tourismuswebsites war, findet zunehmend im Chatbot statt. Aktivitäten, Destinationen, Anfahrtswege – all das fragen Reisende zuerst die KI. Buchungsseiten öffnen sich erst, wenn die Wahl längst gefallen ist. Wer im Chatbot nicht erscheint, existiert für diese Person schlicht nicht.
Drei Thesen, die jetzt gelten
Die erste These: Wer in der KI-Antwort fehlt, ist aus der Entscheidung raus. Die Wahl für ein Hotel, eine Destination oder eine Aktivität fällt in der Konversation mit dem Chatbot – und nicht mehr auf der Website des Anbieters.
Die zweite These: Die eigene Website reicht nicht. ChatGPT zitiert bevorzugt Reisemagazine, Vergleichsportale und redaktionelle Listen. Ein Berghotel in Zermatt, das Outdoor-Aktivitäten anbietet, aber in keiner relevanten «Top Hotels für Wanderer»-Liste auftaucht, fehlt auch in der ChatGPT-Antwort. Das sei, so Habermacher, das neue Backlink-Building – nicht für Google, sondern für Erwähnungen in den richtigen Quellen.
Die dritte These: SEO bleibt Pflicht, reicht aber nicht mehr. Ein gutes Google-Ranking allein garantiere keine KI-Sichtbarkeit. ChatGPT, Perplexity und Claude hätten eigene Quellenpräferenzen und holten Seiten teils in Echtzeit ab. Antworte ein Server zu langsam, werde die Website einfach weggelassen.
KI in der Reiseplanung: Drei Schritte zur Sichtbarkeit
Habermacher empfiehlt Tourismusanbietern ein konkretes Vorgehen in drei Schritten. Zunächst gehe es darum, die eigene Sichtbarkeit zu messen: Wer nicht weiss, ob und wie er in KI-Antworten vorkommt, könne nichts optimieren. Spezialisierte Tools zeigten, bei welchen Fragen der eigene Brand erscheint und wo er fehlt. Parallel lohne sich ein Blick in die Server-Logs: Ein hoher Anteil abgebrochener Verbindungen durch KI-Bots (Status Code 499) bedeute direkten Sichtbarkeitsverlust.
Im zweiten Schritt gehe es um den gezielten Aufbau der Medienpräsenz. Reisemedien, Vergleichsportale und redaktionelle Bestenlisten seien die entscheidenden Hebel – nicht weil sie Traffic brächten, sondern weil sie die Quellen seien, die ChatGPT zitiere. Eine Erwähnung auf htr.ch oder einem Aktivitätsportal sei heute messbar wertvoll für die KI-Sichtbarkeit.
Drittens sollte der Content auf echte Nutzerfragen ausgerichtet werden. Nicht das Suchvolumen entscheide, sondern die tatsächlichen Fragen aus Chatbots und Prompt-Monitoring-Tools. Daraus entstünden FAQ-Bereiche und Themen-Seiten, die KI-Systeme als Quelle heranziehen würden.
Der Zeitvorteil ist jetzt
ChatGPT-Werbung ist in ersten Märkten bereits live. Der bezahlte Funnel verlagere sich in die grossen Sprachmodelle, parallel zur organischen Sichtbarkeit. Wer heute mit dem Monitoring beginne, habe in wenigen Wochen belastbare Daten – und treffe bessere Budgetentscheidungen im nächsten Jahr. Die Verschiebung passiere gerade, sie sei messbar und warte nicht.
Autor: Dominik Habermacher, Managing Director Jung von Matt IMPACT
