Big-Data-Analysen zeigen, dass Trump die Wahl wohl gewinnen wird

Wahlkampf wird längst nicht mehr nur mit Plakaten und Reden gemacht. Viel mehr verlagert sich das Wettrennen in den digitalen Raum. Das dürfte Donald Trump zugutekommen: Schweizer Forschende attestieren ihm anhand von Internet analysen den Sieg für November 2020 – entgegen aller Umfragewerte.

Umfragewerte

Donald Trump stiehlt seinem Konterfei Joe Biden im Internet die Show. Den Namen des amtierenden Präsidenten suchten US-Bürgerinnen und Bürger im Internet fünf Mal häufiger als den des demokratischen Präsidentschaftskandidaten.

Das fanden die Forschenden um Christoph Glauser vom IFAA Institut in Bern und Jacques Savoy von der Universität Neuenburg heraus. Sie werteten Suchanfragen auf insgesamt 200 Such- und Social-Media-Kanälen in den USA seit Anfang dieses Jahrs aus. Die vorläufigen Ergebnisse präsentierten sie am Donnerstag den Medien.

 

Der eifrige Twitterer: Visibility-Trump

Mit computergestützten Methoden analysierten die Forschenden die Tweets der beiden Kandidaten. Der amtierende Präsident setzte im Schnitt 37 Tweets pro Tag ab, Biden hingegen nur deren 14. «Gerade bei Personenwahlen ist Visibilität entscheidend», sagte der Politikwissenschaftler Glauser im Gespräch mit dem Nachrichtenportal Keystone-SDA.

Während Trump in seinen Nachrichten vor allem auf Emotionen wie Angst und Wut setzte, bestand Biden auf moralische Werte. Ebenfalls kritisierte er Trumps Vorgehen in der Covid-19-Pandemie.

Umfragewerte

Kein Profit aus Sanders Ausscheiden

Zwar schlitterten die Umfragewerte für Trump während der Pandemie in den Keller. Doch im Internet kam Biden auch in dieser Zeit mitnichten an seinen Widersacher heran. Ebenfalls nicht in den ersten zwei Wochen im August, als seine Kampagne dank der Ankündigung der Vizepräsidentschaftskandidatin Kamala Harris einen Aufschwung erlebte.

Auch gelang es ihm nicht – anders als Hillary Clinton vor vier Jahren – die Unterstützer von Bernie Sanders nach dessen Ausscheiden im Wahlkampf auf seine Seite zu ziehen. «Das haben die Demokraten wirklich verschlafen», sagte Glauser. So gewinne man keinen Wahlkampf. Bidens Suchvolumen reichte auch nicht einmal annähernd an dasjenige von Hillary Clinton im Jahr 2016 heran.

Umfragewerte

Schlechte Websites

Die Forschenden analysierten ebenfalls die Websites der Wahlkampfkampagnen – und stellen den Kandidaten eine schlechte Note aus: «Beide Websites sind wirklich nicht cool oder technologisch hochstehend», sagte Glauser. Allerdings: Trump trifft den Nerv seiner Wähler auf der Website zu sechs Prozent besser als Demokrat Biden.

 

Umfassendes Stimmungsbild

Vertraut Christoph Glauser selbst seinen Analysen? «Sicher mehr als allen Umfragen», meint er. «Unsere Auswertungen geben ein umfassenderes Gesamtbild der Stimmung in der Bevölkerung wieder.»

Als Beispiel nennt er etwa die Black-Lives-Matter-Bewegung. Obwohl nach dem Tod von George Floyd eine kraftvolle Protestwelle auf den Strassen ausbrach, nahm die Bewegung im Internet kaum Fahrt auf – und Biden profitierte nicht.

 

Präsident Trump schon 2016 vorhergesagt

Bereits im Wahlkampf 2016 wetteten alle Prognosen und digitalen Kanäle auf einen Sieg von Hillary Clinton. Schon damals aber zeigten Analysen des Forscherteams, dass wohl Trump als Präsident aus den Wahlen hervorgehen würde.

Das Team wird seine Internetanalysen nun noch bis über die Präsidentschaftswahlen hinaus weiterführen. Aber: «Ich würde mich schwer täuschen, wenn der demokratische Präsidentschaftskandidat seinen Rückstand bis im November noch wettmachen könnte», schloss Glauser. (SDA/swi)

More articles on the topic