Zeichen unserer Zeit

Abstände messen, Kunden zählen und in die richtige Richtung weisen: Digitale Screens im Handel bieten während der Coronapandemie zahlreiche Vorteile. Über den neuen Einsatz lernen sie den Kunden ständig besser kennen.

Digitale Screens im Handel

Der Kunde steht vor dem Geschäft: Darf er einfach eintreten oder ist drin zu viel los? Regeln, die sich während der Corona-Pandemie ständig ändern und nicht überall gleich sind, lassen ihn zögern. Händler können jedoch einiges tun, um ihren Gast schon an der Tür willkommen zu heissen. «Ein Lampensystem signalisiert ihm, wann er den Laden betreten kann und über Schaufenster-Screens erhält er wichtige Informationen zum Hygienekonzept», sagt Simon Lütenegger, Chief Consulting & Sales Officer beim Digital-Signage-Anbieter JLS in Luzern.

Ein solches Konzept hat Lütenegger für eine Apothekenkette umgesetzt. Über Bildschirme im Schaufenster werden Besucher informiert, bei Krankheitssymptomen nicht einzutreten, sondern eine Notfallnummer zu wählen. «Die korrekten lokalen Nummern an gut 100 Standorten werden automatisiert eingeblendet», erklärt er. Dafür musste lediglich ein Spot produziert werden. Diese Lösung kommt laut dem JLS-Manager gut an: «Gerade in Zeiten des Lockdowns haben sich ja die Massnahmen zum Teil innert weniger Tage wieder verändert. Da war die schnelle Distribution neuer Inhalte per Knopfdruck natürlich ein grosser Vorteil.»

Auch im Laden selbst hilft Indoor Signage dem Kunden weiter: Digitale Anzeigen an Desinfektionsständern erinnern den Besucher etwa daran, Sicherheitsabstände zu wahren, und geben ihm die Möglichkeit, seine Hände zu reinigen. Eine grosse Nachfrage nach solchen Lösungen stellt auch Simone Bächle, General Manager bei Westiform in Niederwangen, fest: «Es wird immer wichtiger, Kunden wie Mitarbeitenden gegenüber transparent zu kommunizieren, welche Massnahmen zum Schutz ihrer Gesundheit getroffen werden.» Gerade seit Corona seien Systeme zur Besucherstromanalyse sehr gefragt, die ausserdem allgemeine Informationen zu Abstand und Hygiene sowie unternehmenseigene Inhalte zum Schutzkonzept anzeigen. Westiform hat dafür eigene Lösungen im Angebot, zum Beispiel Desinfektionsstelen mit Screens oder den Luftreiniger Clean Air Tower. «Wir kombinieren Handdesinfektion, Zugangssteuerung, Luftreinigung mit der Informationsklarheit von Digital Signage», beschreibt Bächle das Angebot. Unternehmen können damit dafür sorgen, dass ihre Besucher nicht durch widersprüchliche und verwirrende Informationen auf zahlreichen Zetteln überfordert werden.

Individualisierte Inhalte

Mit diesen Informationen kommen Unternehmen nicht nur ihrer Sorgfaltspflicht nach – sie können auch individualisiert mit den Kunden kommunizieren. Die Daten zum Kundenverhalten, die von Systemen zur Besucherstromanalyse gemessen werden, legen dazu den Grundstein, um am Point of Sale passende Angebote anzuzeigen. «Das reicht von Vorschlägen zu Anwendungen, Kombinationen oder Erweiterungen bis hin zu Empfehlungen, Verfügbarkeit von Produkten sowie individualisierten Simulationen etwa bei Kleidung», sagt Bächle.

Die Herausforderung: Die gängigen Touch-Applikationen sind aufgrund der Ansteckungsgefahr nicht länger die erste Wahl, um im Geschäft Informationen abzurufen. Irene Stutz, Gesellschafterin bei der Signaletik-Agentur Signito in Zürich, hat ohnehin nie an die Touch-Stelen geglaubt, wie sie sagt: «Kunden, die mit einem öffentlichen Screen interagieren, möchten nicht, dass andere ebenfalls sehen, was sie gerade suchen», urteilt sie. «Hinzu kommt nun, dass keiner mehr gerne etwas anfasst, was zuvor schon jemand anderer berührt hat.» Doch gibt es für Stutz einen Ausweg aus dem Dilemma: «Wenn sich die Informationen vom Bildschirm aufs Handy als das persönliche Endgerät des Kunden spielen lassen, hat sie der Kunde bei sich und kann sie dort abspeichern und ortsungebunden abrufen.»

Bei solchen Szenarien kommen Technolgien wie Near Field Communications (NFC), Bluetooth Beacons sowie auch QR-Codes zum Einsatz, die Stelen mit dem Smartphone verbinden. Die Kunden können somit mit Stelen auf der Ladenfläche, aber auch mit Screens im Schaufenster interagieren. Fabio Vareni sieht darin die Zukunft. «Flexibilität ist das Schlagwort von morgen», sagt der Geschäftsleiter bei Frontwork in Wallisellen. Er geht davon aus, dass viele Unternehmen künftig verstärkt in innovative, digitalisierte Schaufenster- und In-Store-Kommunikationskonzepte investieren werden. «Damit können sie ihre Kundschaft auch Remote beraten», erklärt Vareni. «Informationen werden dabei auf verschiedenen Kanälen ausgespielt und greifen nahtlos ineinander.»

Wenn der Roboter berät

Beraten mit dem nötigen Sicherheitsabstand – das vermögen auch Roboter. Die Agentur Wepro aus Wolfhausen hat ihre eigene Signage-Roboter-Dame Chiara auf den Markt gebracht. Im Laden wandelt sie selbstständig herum und spricht die Besucher auf Schweizerdeutsch an. Dabei zeigt sie ihnen auf ihrem Screen Werbespots an, um sie auf die neuesten Aktionen aufmerksam zu machen. Wenn es draussen regnet, können das zum Beispiel Regenschirme sein, wie es in einer Mitteilung der Agentur heisst. Durch die Face Recognition Software sammelt Chiara zudem Daten zu Konsumentenverhalten und Besucherzahlen und unterstützt die Mitarbeiter im Verkaufsprozess – auch indem sie den Kunden den jeweiligen Standort der beworbenen Produkte direkt anzeigt. Eine Hilfe für das Personal ist es ausserdem, dass sie Kunden auf einen fehlenden Mund-Nasen-Schutz hinweist. Bei der TopPharm-Apotheke in der Zürcher Europaallee ist Chiara bereits im Einsatz. Neue Signage-Konzepte halten auch bei der Kommunikation mit Mitarbeitern Einzug. Schon länger spielen in modernen Unternehmen New-Work-Konzepte eine Rolle. Die Coronapandemie hat diesen Trend noch verstärkt. Im Fokus dabei steht, wie sich in neuen Räumlichkeiten am besten kommunizieren lässt, sowohl vor Ort als auch vom Homeoffice aus. «Büroräumlichkeiten werden zum Zentrum des Austauschs umfunktioniert und das Arbeiten per Remote, also von zu Hause oder aus der Ferne, ermöglichen neue Chancen», sagt Frontwork-Chef Vareni. Für ihn gehören dabei digitale Raumschilder zum Inventar, zum Beispiel solche, die Arbeitsflächen und Sitzungszimmer flexibel buchbar machen. Oder auch anzeigen, ob ein Raum frei, besetzt oder frisch gereinigt ist.

Für eine moderne – papierlose – Kommunikation sorgen ausserdem koppelbare Screens für den Laptop oder frei bewegbare interaktive Whiteboards, die zum Präsentieren oder für Onlinemeetings genutzt werden können, zählt Vareni auf: «Data Dashboard Displays visualisieren aktuelle Unternehmenszahlen und KPIs für alle sichtbar an grossen Screens», sagt er. Auch in den Büros wird der Zettelwirtschaft damit der Garaus gemacht. Hygienischer und nachhaltiger ist es allemal.


Digital Signage: Die wichtigsten Trends

  1. Besucherströme richtig lenken: Digital Signage sorgt für klare Informationen zu aktuellen Anweisungen und hilft gegen Verwirrung der Kunden.
  2. Datenlese: Bei der Datenerhebung über Besucherströme kommen Indoor-Signage-Systeme nicht nur ihrer Sorgfaltsplicht nach, sondern schaffen auch neue Optionen für individualisierte Inhalte am Point of Sale.
  3. Touch Screen, nein danke! Weil öffentlich genutzte Touchscreens heute nicht gerne genutzt werden, müssen persönliche Endgeräte bei der Informationsübermittlung eingebunden werden.
  4. Vernetzung trotz Homeoffice: New-Work-Konzepte mit Digital Signage: Sie ermöglichen, dass Mitarbeiter vor Ort, aber auch im Homeoffice dieselben Präsentationen sehen können.

Weg vom Touchscreen

Wenn sich Informationen vom Bildschirm aufs Handy des Kunden spielen lassen, hat er sie bei sich, kann sie dort abspeichern und ortsungebunden abrufen. Bei solchen Szenarien kommen Technologien wie Near Field Communications (NFC), Bluetooth Beacons sowie auch QR-Codes zum Einsatz, die Stelen mit dem Smartphone verbinden.

More articles on the topic