Zur Sache: Zwängerei
Vor mehr als einem Jahr begann die Diskussion um einen zusätzlichen schweizerischen Fernseh-Kulturkanal. Gewissermassen ein schweizerisches Arte sollte er werden mit dem Ziel, den Zusammenhalt zwischen den einzelnen Sprachregionen zu fördern.
Synchronisierte oder untertitelte Beiträge über Kultur und Bildung, welche die SRG-Sender SF, TSR und TSI bereits gezeigt haben, sollten auf einem speziellen Kanal ausgestrahlt werden. Hinter der Idee standen kulturaffine Personen um Bernard Cathomas, dem ehemaligen Direktor des romanischen Radios und Fernsehens RTR.
Die Idee löste bei der SRG-Spitze begreiflicherweise wenig Begeisterung aus. Einerseits sprachen finanzielle Gründe gegen einen Senderausbau, doch auch konzeptionelle Gründe sprachen dagegen. Armin Walpen war der Meinung, dass ein solcher Spartenkanal vielmehr zur Ghettoisierung der Kultur beitragen würde. So erreiche Arte einen Marktanteil von weniger als 1 Prozent, und 3sat komme auf bloss 1,1 Prozent. Rainer Stadler meinte damals in der NZZ: «Man darf annehmen, dass die Diskussion um einen Kulturkanal schnell versanden wird. Sie dürfte kaum Wellen über die kulturaffinen Milieus hinaus schlagen.»
Diese Hoffnung war leider trügerisch, denn jetzt hat sich die Politik eingemischt. Ständerat Theo Maissen (CVP, Graubünden) und Nationalrat Hans Stöckli (SP, Bern) haben im eidgenössischen Parlament mit breiter Unterstützung Motionen für einen sprachraumübergreifenden Fernsehkanal eingereicht. Der Bundesrat wird beauftragt, die SRG anzuhalten, zur Förderung der nationalen Verständigung zwischen den Sprachregionen «einen schweizerischen Fernsehkanal zu realisieren, der bereits ausgestrahlte Sendungen wiederverwertet und in den jeweils anderen Landessprachen untertitelt oder synchronisiert sendet».
Warum um alles in der Welt braucht es denn dafür einen separaten Fernsehkanal, der nur marginal genutzt würde? Wäre es nicht viel sinnvoller, aktuelle Beiträge und aussergewöhnliche Produktionen aus den einzelnen Sendegebieten in den jeweils anderen Sprachgebieten in den dafür geeigneten Programmgefässen auszustrahlen? So wie es zum Beispiel der Kassensturz Anfang Jahr machte. Damit wäre sowohl das Problem der Ghettoisierung gelöst und die zusätzlichen Kosten wären auch vernachlässigbar. Vielleicht müsste man sich bei der SRG neben der geplanten Konvergenz Radio/Fernsehen auch vertiefte Gedanken über eine gemeinsame Clearingstelle für den Austausch einzelner Beiträge zwischen den Sprachregionen machen. Und zwar bevor die Politik neue unsinnige SRG-Regeln aufstellt.
Pierre C. Meier, Chefredaktor
[email protected]
Die Idee löste bei der SRG-Spitze begreiflicherweise wenig Begeisterung aus. Einerseits sprachen finanzielle Gründe gegen einen Senderausbau, doch auch konzeptionelle Gründe sprachen dagegen. Armin Walpen war der Meinung, dass ein solcher Spartenkanal vielmehr zur Ghettoisierung der Kultur beitragen würde. So erreiche Arte einen Marktanteil von weniger als 1 Prozent, und 3sat komme auf bloss 1,1 Prozent. Rainer Stadler meinte damals in der NZZ: «Man darf annehmen, dass die Diskussion um einen Kulturkanal schnell versanden wird. Sie dürfte kaum Wellen über die kulturaffinen Milieus hinaus schlagen.»
Diese Hoffnung war leider trügerisch, denn jetzt hat sich die Politik eingemischt. Ständerat Theo Maissen (CVP, Graubünden) und Nationalrat Hans Stöckli (SP, Bern) haben im eidgenössischen Parlament mit breiter Unterstützung Motionen für einen sprachraumübergreifenden Fernsehkanal eingereicht. Der Bundesrat wird beauftragt, die SRG anzuhalten, zur Förderung der nationalen Verständigung zwischen den Sprachregionen «einen schweizerischen Fernsehkanal zu realisieren, der bereits ausgestrahlte Sendungen wiederverwertet und in den jeweils anderen Landessprachen untertitelt oder synchronisiert sendet».
Warum um alles in der Welt braucht es denn dafür einen separaten Fernsehkanal, der nur marginal genutzt würde? Wäre es nicht viel sinnvoller, aktuelle Beiträge und aussergewöhnliche Produktionen aus den einzelnen Sendegebieten in den jeweils anderen Sprachgebieten in den dafür geeigneten Programmgefässen auszustrahlen? So wie es zum Beispiel der Kassensturz Anfang Jahr machte. Damit wäre sowohl das Problem der Ghettoisierung gelöst und die zusätzlichen Kosten wären auch vernachlässigbar. Vielleicht müsste man sich bei der SRG neben der geplanten Konvergenz Radio/Fernsehen auch vertiefte Gedanken über eine gemeinsame Clearingstelle für den Austausch einzelner Beiträge zwischen den Sprachregionen machen. Und zwar bevor die Politik neue unsinnige SRG-Regeln aufstellt.
Pierre C. Meier, Chefredaktor
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