Zur Sache: Die Überraschung

Nun ist es endlich so weit, der neue SRG-Generaldirektor wurde gewählt. Dies rund ein Jahr nachdem Armin Walpen nach 14 Jahren seinen Rücktritt auf Ende 2010 angekündigt hatte. Nach monatelangem Geheimhaltungstheater und einer daraus resultierenden Spekulationslust der Medien ist die Sache nun endlich vollbracht.

Wer bei dieser Art von Wahl an poststalinistische Zustände denkt, liegt nicht ganz falsch. Das Versteckspiel im Vorfeld, das mit der Geheimhaltungspflicht den Kandidaten gegenüber erklärt wird, führte zur kompletten Intransparenz. Einer Intransparenz, die von einem zwar privatrechtlich organisierten, aber zu rund 75 Prozent über Gebühren finanzierten Medienunternehmen nicht akzeptiert werden darf. Handelt es sich bei der Wahl des SRG-Generaldirektors doch immerhin um die wichtigste Stelle im Schweizer Medien¬zirkus. Aber es kam dennoch gut!
Gewählt vom Verwaltungsrat wurde Roger de Weck als neuer SRG-Generaldirektor am Dienstag vom obersten SRG-Gremium, der Delegiertenversammlung, und in seinem zukünftigen Amt be¬stätigt.
Dass diese wichtige Stelle heute von einem wirklichen Topmann eingenommen werden wird, lässt das unsägliche Wahl-Theater beinahe vergessen. Der 56-jährige Roger de Weck wird sein Amt am 1. Januar 2011 antreten. «Sternstunden»-Moderator de Weck war Chefredaktor von Zeit und Tages-Anzeiger und Mitglied der Tamedia-Konzernleitung. Er ist Präsident des Institut de hautes études internationales et du développement (Graduate Institute) in Genf und freier Publizist. In Freiburg geboren, ist er in Genf und Zürich zweisprachig aufgewachsen. De Weck hat an der Universität St. Gallen Wirtschaft studiert und in Hamburg ein Trainee als Verlagskaufmann absolviert. Er ist Ehrendoktor der Universität Luzern.
Endlich einmal kein Funktionär an der Spitze der SRG, sondern ein Medien-Macher. Ein Mann, der als Top-Journalist die Medien à fond kennt. Was sich hingegen erst zeigen muss, sind seine Fähigkeiten, dem Koloss SRG den notwendigen harten Sparkurs zu verordnen und gleichzeitig die Qualität zu verbessern. Sparmassnahmen durchzusetzen war zu seinen Tamedia-Zeiten nicht unbedingt de Wecks Stärke.
Das wird also keine leichte Aufgabe werden. Umso mehr, als ihm von der politischen Rechten her ein scharfer Wind entgegenwehen wird. Denen ist die liberale proeuropäische Haltung von de Weck schon seit Langem ein Dorn im Auge.
Und die ewige Leier vom links unterwanderten Schweizer Fernsehen werden wir in Zukunft noch öfters zu hören bekommen. Ich glaube nicht, dass das de Weck stören wird.
Pierre C. Meier, Chefredaktor
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