Zur Sache: Auf los gehts los

Was zu erwarten war, ist eingetroffen. Nachdem das Konvergenz-Projekt der SRG SSR idée suisse dank unglücklicher, wenn nicht zu sagen stümperhafter Kommunikation zu Frust und als Folge dann auch zu personellen Wechseln beim Schweizer Fernsehen und beim Schweizer Radio geführt hat, fängt nun das Gerangel an.

Was zu erwarten war, ist eingetroffen. Nachdem das Konvergenz-Projekt der SRG SSR idée suisse dank unglücklicher, wenn nicht zu sagen stümperhafter Kommunikation zu Frust und als Folge dann auch zu personellen Wechseln beim Schweizer Fernsehen und beim Schweizer Radio geführt hat, fängt nun das Gerangel an.
Ähnlich wie bei einer Fussballnationalmannschaft, wo die ganze Nation es sowieso besser weiss als der Trainer, geht es bei der Besetzung des Chefpostens des Schweizer Fernsehens zu. In allen Gazetten melden sich Fachleute zu Wort. In Kolumen und Kommentaren geht es zur Sache.
Roger «Ich-habs-erfunden» Schawinski bemüht in der SonntagsZeitung die Vergangenheit, um seinen Erzfeind Armin Walpen in die Pfanne zu hauen: «So habe ich damals – übrigens in einer SonntagsZeitungs-Kolumne – den Namen Peter Schellenberg ins Gespräch gebracht. Dies wurde Teil einer heftigen öffentlichen Debatte. Vor dem offiziellen Schaulaufen bei den SRG-Gremien stellten sich die sieben (!) Kandidaten den versammelten TV-Mitarbeitern in einem mehrstündigen Hearing.» In der gleichen SonntagsZeitung doppelt Markus Gisler nach. Er will die SRG zu einer AG umbauen (vielleicht gar nicht so ein dummer Gedanke!) und meint: «Der Generaldirektor herrscht wie ein König. Walpen sitzt auf seinem Job, weil ihm die CVP diesen Posten zugeschachert hat. Managementfähigkeiten sind nicht gefragt.»
NZZ und Weltwoche titelten letzte Woche beinahe identisch: «Chaos-Management bei der SRG» hiess es an der Falkenstrasse, «Lexikon in Chaos-Management» an der Förrlibuckstrasse. Medien-Experte Kurt Zimmermann spielt auf den Mann und demontiert eine ganze Kolumne lang den ungeliebten Walliser: «Armin Walpen ist gross, wenn es um Politik geht. Er ist untauglich, wenn es um Betriebswirtschaft geht.» Rainer Stadler analysiert in gewohnt diplomatischer Weise das Spielgeschehen. Mehr in Richtung Foul-Spiel gehen dann aber die Reaktionen der Politiker zum Interimsvorschlag Ueli Haldimann, die in der NZZ auch zu lesen waren: «Personelle Schnellschüsse sind immer schlecht, auch wenn es sich um Übergangslösungen handelt», meint der FDP-Präsident Pelli schwammig. Darbellay von der CVP erklärt, dass seine Partei in letzter Zeit verschiedentlich Auseinandersetzungen hatte mit dem «von links kommenden» SF-Chefredaktor. Für den SVP-Präsidenten Toni Brunner ist Haldimann persona non grata. In einer dringlichen Anfrage erinnert der Nationalrat und Hobby-Beizer Brunner daran, dass Haldimann wegen seiner journalistischen Tätigkeit gerichtlich verurteilt worden sei.
Auf den weiteren Spielverlauf sind wir gespannt.
Pierre C. Meier, Chefredaktor
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