Hahnenwasser statt Coca-Cola: Guerilla-Kampagne überklebt Plakate
Mit einer Guerilla-Sticker-Aktion hat Gesundheitsförderungs-Programm Gorilla das Trinken von Hahnenwasser propagiert: Wer Wasser trinkt, spart viel Geld und lebt gesünder.

Seit 14 Jahren engagieren sich junge Freestylesportprofis und Ernährungscoaches für die Stiftung Schtifti Foundation, die Kinder und Jugendliche für einen aktiven Lebensstil, ausgewogene Ernährung und einen nachhaltigen Konsum sensibilisiert. Aus dem Programm Gorilla ist inzwischen eine internationale Bewegung geworden, die von über 100 Botschafterinnen und Botschaftern unterstützt wird.
«Die Strategie der Grosskonzerne ist einfach zu durchschauen»
65’000 Schülerinnen und Schüler haben bereits an Tages-Workshops in der ganzen Schweiz teilgenommen. Dabei wurden viele Erfahrungen gesammelt. Schtifti Foundation-Gründer Roger Grolimund sagt: «Wir sind sehr darüber besorgt, dass Schülerinnen und Schüler bereits zum Frühstück Energy-Drinks trinken. Süssgetränke haben einen enormen Einfluss auf die Gesundheit und können Hyperaktivität zur Folge haben. Die Strategie der Grosskonzerne ist einfach zu durchschauen: Um ihre Produkte in einem aktiven Lebensumfeld zu zeigen, werden Stars als Botschafter und Meinungsbildner eingekauft. Die Kids werden allerdings nicht über die Folgen des übermässigen Konsums dieser Süssgetränke oder Lightprodukte informiert.»
Grolimund stellt fest, dass sich heute immer mehr Profi-Sportler von den Getränkemultis abwenden und das Wassertrinken propagieren. «Wenn man auf seiner Cap ein Logo von Red Bull trägst, muss man sich seiner Vorbildrolle gegenüber den Kids bewusst sein. Die Kids schauen zu einem hoch und überlegen nicht, was wirklich in dieser Dose steckt. Diese Welt braucht eine nachhaltige und ehrliche Veränderung, dafür ist es höchste Zeit».
«Pflanzen gibt man schliesslich auch keine Süssgetränke»
Auch die Freestyle-Skisportlerin und Weltmeisterin Virginie Faivre unterstützt Gorilla aus voller Überzeugung: «Hersteller von Süssgetränken haben mich als Profisportlerin nie interessiert, denn mein Körper ist mein wichtigstes Gut. Ich trinke Wasser und nicht Süssgetränke, denn die Energie kommt aus der Natur. Pflanzen gibt man schliesslich auch keine Süssgetränke.»
Andere Stars haben diesbezüglich wesentlich weniger Bedenken und treten als Testimonials für Süssgetränke-Multis auf. Die jüngst vorgestellten neuen Coca-Cola-Markenbotschafter Xherdan Shaqiri, Stress, Alexandra Maurer und Zoë Pastell sind zur Zeit auf der landesweiten Plakat-Kampagne zu sehen. «Die Frage bleibt, wieso diese Stars und Coca-Cola eine solche Kampagne mit gutem Gewissen vertreten können, wenn sie alle die gesundheitlichen Folgen kennen», sagt Grolimund zur Werbewoche. «Jugendliche scheren sich nicht um Produktebeschreibungen oder Nährwertangaben auf den Cola-Flaschen, sie werden von den Stars soweit beeinflusst, dass ihnen das egal ist.» Sage ein Botschafter, Coca-Cola sei cool, komme das bei vielen Kindern und Jugendlichen auch so an, kritisiert er.
Besagte Botschafter-Kampagne wurde am Donnerstag Ziel einer Guerilla-Aktion, bei welcher die Markenlogos des Getränkeherstellers abgeklebt wurden. Die Botschaft: Wasser ist gesünder und billiger.

Die Aktion wurde vom Kernteam der Schtifti Foundation entwickelt: «Für eine solche Aktion braucht es keine Agentur, da braucht es nur motivierte Hände, ein grosses Herz für die nächste Generation und ein wenig menschlichen Verstand», erklärt Grolimund auf Nachfrage der Werbewoche. Er betont, man habe wenige Plakate überklebt und dies mit Gecko-Tapes, die mit einem Handgriff wieder entfernbar seien. «Kein einziges Plakat wurde verwüstet, zerstört oder beschädigt.»

«Entspricht aber nicht unserem Verständnis was Fairplay angeht»
Und was sagt Coca-Cola? Man biete den Konsumenten eine Vielzahl an Produkten an und auf jedem informiere man transparent und gut ersichtlich über dessen Zucker-, respektive Kaloriengehalt, entgegnet Sprecher Matthias Schneider auf Anfrage. Die Kampange kommuniziere: Jeder Konsument soll frei entscheiden, welches der verschiedenen Coca-Cola Varianzen die richtige Wahl sei im entsprechenden Moment. Wer viel Energie brauche wie Shaqiri, greife zu Coca-Cola Classic – wer sich einen gemütlichen Tag mit wenig Bewegung gönne so wie zum Beispiel Alexandra Maurer, sei unter Umständen mit einer kalorienfreien Variante besser bedient. Ziel sei es, dem Konsumenten bei allen Marken ein möglichst breites Angebot zu bieten, so Schneider. «Wenn sich jemand anstatt eines unserer Getränke für Hahnenwasser entscheidet, akzeptieren wir dies selbstverständlich – die Wahl soll immer beim Konsumenten, resp. der Konsumentin liegen.»
Und die Guerilla-Kampagne der Schtifti Foundation? Man habe davon gehört und die Aktion sei «ein interessanter Ansatz», sagt Schneider. «Sie entspricht aber nicht unserem Verständnis was Fairplay angeht und verstösst klar gegen den rechtmässigen Umgang mit Eigentum von Dritten». Man begrüsse den Austausch zum Thema und werde deshalb das Gespräch mit Gorilla und Roger Grolimund suchen. Und: Mit der Organisation habe man in der Vergangenheit schon bei diversen ihrer Kampagnen zur Förderung eines ausgewogenen Lebensstils zusammengearbeitet. (hae)



