Neue LZ: Chefredaktor Thomas Bornhauser verlässt Posten nach 20 Jahren

Thomas Bornhauser ist seit 20 Jahren Chefredaktor der grössten Tageszeitung der Zentralschweiz, der Neuen Luzerner Zeitung. Er ist damit eine Ausnahmeerscheinung in der Schweizer Medienlandschaft. Nun tritt der 60- Jährige von diesem Amt zurück.

Die Regionaltitel Neue Luzerner Zeitung und St. Galler Tagblatt erhalten auf Geheiss der Besitzerin NZZ einen gemeinsamen Chefredaktoren (Werbewoche.ch berichtete). Thomas Bornhauser hat sich im Zug der Reorganisation entscheiden, vom Chefposten in Luzern zurückzutreten, wie es in einer Mitteilung der NZZ-Mediengruppe vom Mittwoch heisst.

Bornhauser will weiter als Autor für die Neue Luzerner Zeitung schreiben. Die Details hierzu sind noch nicht bekannt. Ein Datum für die Ablösung stehe noch nicht fest, sagte eine NZZ-Sprecherin auf Anfrage. In einer Übergangsphase leitet er vorerst die Geschäfte als Chefredaktor weiter. Bornhauser steht seit 1996 an der Spitze der Neuen Luzerner Zeitung, die aus der Fusion der Luzerner Neuste Nachrichten und Luzerner Zeitung hervorging. Er lenkte die bürgerlich-liberal ausgerichtete Zeitung zwei Jahrzehnte erfolgreich durch wirtschaftlich turbulente Zeiten.

Treue Leser

Die einzige verbleibende regionale Tageszeitung in Luzern konnte bisher auf eine mehr oder weniger treue Leserschaft zählen. Trotz bröckelnder Auflage waren die Leserzahlen im Vergleich mit anderen Deutschschweizer Tageszeitungen stabiler. Die Neue Luzerner Zeitung mit ihren Regionalausgaben für Zug, Ob- und Nidwalden sowie Uri erreicht rund 294'000 Leser. Gemäss Wemf-Bulletin liegt die Auflage bei 122'401 Exemplaren. Selber in die Tasten griff der Chefredaktor relativ selten. Unter anderem kommentierte er wichtige Abstimmungen und publizierte unter der Rubrik «Meine Woche» wöchentlich eine kurze, pointierte Kolumne in der Sonntagsausgabe Zentralschweiz am Sonntag.

Kritik an «Kampagnen»

Bornhauser musste sich bisweilen auch Kritik anhören. So machte mehrmals Unmut über seinen angeblich «autoritären Führungsstil» die Runde. Zudem wurde der einzig verbleibenden Luzerner Tageszeitung hin und wieder «Kampagnenjournalismus» etwa gegen eine Wirtschaftsfakultät an der Universität Luzern vorgeworfen. Bornhauser, der in Zug lebt, studierte Volkswirtschaft und internationale Beziehungen. Vor seiner Berufung zum Chefredaktor war er mehrere Jahre in verschiedenen Ressorts als Redaktor tätig. Von 1980 bis 1983 arbeitete Bornhauser als Auslandredaktor beim Luzerner Tagblatt, danach als Auslandchef und als Sportchef bei den Luzerner Neusten Nachrichten und schliesslich als Inlandredaktor bei der NZZ. Nach einem Abstecher als Informationschef und Pressesprecher beim Verband Schweizerischer Maschinenindustrieller war er ab 1993 bis zur Fusion zwei Jahre später Chefredaktor der Luzerner Zeitung. (SDA)

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