Zu guter Letzt: Trocknende Farbe – Der Film
In England müssen Filme geprüft werden – für teures Geld. Daran stören sich Independent-Filmer. Genial: Ein Kickstarter-Projekt liess nun die Zensurbehörde 14 Stunden lang Farbe beim Trocknen zuschauen.
Problem Nummer eins: Will es ein Film in die Kinos schaffen, braucht er ein BBFC-Zertifikat. Problem Nummer zwei: Die Prüfung ist teuer. Die Produktionsfirma eines Blockbusters mag es wohl weniger stören, dass pro Minute Film sieben Pfund Bearbeitungsgebühr fällig werden. Finanziell weniger gut aufgestellte Filmer hingegen schon, denn für einen gut eineinhalb Stunden langen Film werden gegen tausend Franken fällig. Nur um einen Stempel zu kriegen, den man eigentlich ohnehin doof findet.
Der Londoner Filmemacher Charlie Lyne hat deshalb zum ultimativen Gegenschlag ausgeholt und das Kickstarterprojekt «Make the Censors Watch «Paint Drying»» gegründet. Mit dem Mindestbetrag von sieben Pfund konnten Unterstützer eine Minute des Filmes «Paint Drying» finanieren und so die Zensurbehörde zwingen, stundenlang Farbe beim Trocknen zuzuschauen – in 4k, versteht sich. Angepeilte Länge: 14 Stunden. Die benötigten 6000 Pfund kamen vom zusammen.

Beruhigend: Die Behörde garantiert mit dem Zertifikat, dass sie jede Minute des zu prüfenden Filmes zu zweit prüft: «The BBFC claim that all theatrical submissions are watched in their entirety by a pair of examiners, who then discuss the work before writing a detailed report.» Und das wird auch nötig sein, denn Lyne hätte ja Prüfsteine (z.B. Audiobotschaften oder kurze, verbotene Einblendungen) einbauen können.
Die Sichtung fand am Montag und Dienstag statt, da die Prüfer maximal neun Stunden Material pro Tag sichten dürfen, wie Lyne verrät. Bei der anschliessenden Diskussion der Prüfer wäre man gerne anwesend. Mit dem Resultat und dem Zertifikat rechnet Lyne in den kommenden Wochen – wir gratulieren bereits jetzt. (hae)


