Wieder Ärger um Davoser Gipfel-Zytig
In Davos sorgt die Gipfel-Zytig, die immer wieder wegen rassistischer Inhalte für Schlagzeilen sorgt, erneut für Ärger. Davoser, die sie nicht wollen, erhalten sie trotzdem – Schuld soll die Post sein.
Die Publikation wird eigentlich kostenlos an alle Davoser verteilt. Weil sich viele Bewohner an den teils rassistischen Inhalten stören und das Blatt nicht zugestellt haben wollen, wurden laut 20 Minuten sogar spezifische Briefkasten-Aufkleber gedruckt und verteilt. Wie das Newsportal schreibt, hätten diese jahrelang funktioniert – seien durch eine Änderung der Zustellungspraxis seitens der Post wirkungslos geworden, die Zeitung landet wieder in jedem Briefkasten. Reklamationen beim Kundendienst würden mit Begründungen wie «amtliches Publikationsorgan» oder «allgemeines Informationsbedürfnis» erwidert.
Die Post streitet jedoch ab, die Zustellungspraxis geändert zu haben, die Gipfel-Zytig-Kleber würden berücksichtigt – im Gegensatz zu den Stopp-Werbung-Klebern, da Publikationen mit einem gewissen redaktionellen Anteil nicht als Werbung behandelt würden, so eine Sprecherin. Ausserdem könne man sich beim zuständigen Verlag melden und sich auf eine Negativliste setzen lassen – was wiederum die Gipfel-Zytig-Gegner stört, da sie keine nicht-abonnierte Zeitung abbestellen wollen.
Die Gipfel-Zytig fiel in der Vergangenheit mehrfach durch rassistische Inhalte auf. Aus diesem Grund wurde das Blatt 2013 zweimal (Werbewoche.ch berichtete im Januar und im Oktober) vom Presserat gerügt. Verleger Heinz Schneider wurde im selben Jahr von der Bündner Staatsanwaltschaft wegen Rassendiskriminierung zu einer bedingten Geldstrafe bei einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt. Derzeit läuft wieder ein Verfahren – erneut wegen Rassendiskriminierung. Nach Ablauf der Probezeit hat Schneider zum Beispiel im Vergangenen Oktober einen «Witz» veröffentlicht, in dem ein Mann auf dem Sozialamt Geld für seinen Hund fordert – mit der Begründung, dieser sei schwarz, faul, stinke, habe in seinem ganzen Leben noch keinen Tag gearbeitet und spreche kein Wort deutsch. Eine Veröffentlichung, für die sich Schneider heute entschuldigt – der «Fehler» sei unter Zeitdruck passiert. Die IG Offenes Davos hat im November beim Presserat aufgrund zahlreicher Beiträge erneut Beschwerde eingereicht – darunter auch der Hunde-«Witz».
Schneider, der 25 Jahre mit einer Afrikanerin verheiratet war, streitet ab, ein Rassist zu sein – er berichte lediglich objektiv darüber, was in der Asylpolitik noch auf die Schweiz zukommen werde, so der Verleger zu 20 Minuten. Kommende Woche wolle er sich mit der Post zusammensetzen und das Problem der ungewollten Zustellungen besprechen.
Viel Zuspruch – nebst zahlreichen kritischen Voten – erhält Schneider übrigens in den Kommentaren von 20min.ch. So hält ein Nutzer, der sich «Kunstkenner und Geniesser» nennt, die Sprüche für «gute Satire». «Lieselotte Liebmob» fühlt sich «an die Zeiten, wo Bücher oder Hexen öffentlich verbrannt wurden» erinnert – und «störefried» findet, man müsse «nicht gleich Rassismus rufen», denn es sei wissenschaftlich erwiesen, dass die «Ausdünstung» bei «einigen» Menschen «intensiver» sei. (hae)
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Bild: IG Offenes Davos via 20minuten.ch
