Früherer Bund-Verleger Werner H. Stuber verstorben
Der frühere Verleger der Zeitung Der Bund, Werner H. Stuber, ist am Dienstag im Alter von 85 Jahren verstorben, wie die Zeitung am Mittwoch bekannt gab. Stuber leitete das liberale Berner Traditionsblatt von 1961 bis 1993 und war der letzte Patron der Gründerfamilie.
Der 1930 geborene Werner H. Stuber war der Ururenkel des Solothurner Buchhändlers Jouis Jent, der den Bund 1850 gegründet hatte. Stuber wurde bereits im Alter von 31 Jahren Verleger der Zeitung und übte dieses Amt zunächst zusammen mit seiner verwitweten Grossmutter aus, ab 1970 dann als alleiniger Patron. Stuber galt als Verleger alter Schule, der unter dem Motto «klein aber fein» auf publizistische Qualität und unabhängigen Journalismus setzte. Diesem Motto folgte er auch in den 1970er-Jahren, als andere Zeitungsunternehmen Verlagsmanager einstellten und sich strategisch durch Zukäufe stärkten.
Stubers Bund-Verlag überschuldete sich jedoch mit dem Bau eines Druckzentrums und geriet zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten. 1993 folgte der Befreiungsschlag, als Stuber mit Ringier kooperierte und wenig später den Bund an das Zürcher Medienhaus verkaufte. Später wechselte die Zeitung in die Hände der NZZ, heute gehört sie zu Tamedia.
Stolz auf Qualitätsjournalismus
Im Bund vom Mittwoch erinnern Redaktoren und Weggefährten an ihren früheren Verleger und Chef, unter ihnen Peter Ziegler, letzter Chefredaktor der Ära Stuber. «Handschlag gilt!»: Mit dieser Art habe der Verleger das Unternehmen geführt. Stuber habe der Redaktion Freiheiten eingeräumt, «von denen die Kollegen anderer Zeitungen nur träumen konnten». Der Verleger sei stolz gewesen auf die Redaktion, «und obschon kein Intellektueller», habe er publizistisch wie intellektuell herausragenden Journalismus gefördert. Prominente Politiker, die mit Klagen über missliebige Artikel vorstellig wurden, habe er bisweilen harsch in die Schranken gewiesen. Auch der frühere Bund-Redaktor Bernhard Giger, heutiger Leiter des Kornhausforum, erinnert sich an einen «Patron, der regelmässig durchs Haus ging und alle grüsste.» Der politisch rechts stand, aber dennoch mit seinen «aufmüpfigen, vom bürgerlichen Bern mit zunehmendem Argwohn beobachteten Redaktorinnen und Redaktoren sympathisierte. Wer bei ihm arbeitete, zu dem stand er.»
Teaser: Derbund.ch/Hansueli Trachsel
