Zu guter Letzt: Guter Rat ist bescheuert

Die homophoben Ratschläge einer Kummerkasten-Autorin wirken reichlich angestaubt. Die darauf folgende Empörungswelle in den sozialen Medien hingegen ist «ganz 2015».

Bernhard, 43 Jahre, ist ratlos: Sein Bruder will demnächst heiraten – und zwar einen Mann. Beides sind zwar «wunderbare Menschen», aber dennoch gibt es ein Problem: Bernhard und seine Frau haben ihren beiden Töchtern beigebracht, dass die Ehe «eine ernste Entscheidung zwischen Mann und Frau» sei. Des Bruders Wunsch, dass die Mädchen Blümchen streuen, scheint ernsthaft in Gefahr. Was tun?

Kummerkasten-Frau Barbara Eggert vom Anzeigenblatt OWL am Sonntag vom Westfalen-Blatt weiss Rat: Es müsse beim besten Willen nicht sein, Kinder an eine gleichgeschlechtliche Hochzeit einzuladen, denn «die Töchter würden durcheinander gebracht». Konkret: «Sagen Sie Ihrem Bruder, dass Ihre Kinder an der Feier nicht teilnehmen weil Sie nicht möchten, dass die Kinder verwirrt werden».

Ein «Guter Rat am Sonntag», für den sicherlich auch das glückliche Brautpaar – beides «wunderbare Menschen» – vollstes Verständnis hat. Apropos Verständnis: Das Netz hat davon wenig. User @panne_t twitterte einen Screenshot des Artikels. Hunderte Retweets, unzählige empörte Kommentare und ein paar Stunden später wird der Fall bereits auf reichweitenstarken Portalen wie Focus.de, Meedia.de und auf den meisten grossen Blogs aufgerollt. Ihre berühmten 15 Minuten hat sich Frau Eggert wohl etwas anders vorgestellt. Und schon fast könnte sie einem wieder etwas Leid tun mit ihren angestaubten Ratschlägen in einer Welt, in der innerhalb von Stunden plötzlich die halbe Welt mitliest, was irgendwo, irgendwann von irgendwem geschrieben wurde. (hae)

Update: In der Zwischenzeit hat das Westfalen-Blatt eine Stellungnahme zum Artikel von Eggert veröffentlicht: Link.

 

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